Forchheim
Stadtentwicklung

Ein Umzug setzt die Stadt Forchheim unter Zugzwang

Bereits Ende 2019 will die Firma Siemens jenes Areal An der Lände belegen, auf dem sich aktuell das Bauhof-Lager befindet. Die Kritik aus den Reihen der Stadträte entzündet sich nicht nur an den hohen Umzugskosten.
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Das Lager des Forchheimer Bauhofes muss bis Ende 2019 geräumt sein, weil die Firma Siemens (im Hintergrund sichtbar) das Areal für die Erweiterung ihres Betriebes beansprucht. Foto: Josef Hofbauer
Das Lager des Forchheimer Bauhofes muss bis Ende 2019 geräumt sein, weil die Firma Siemens (im Hintergrund sichtbar) das Areal für die Erweiterung ihres Betriebes beansprucht. Foto: Josef Hofbauer

"Verschreckt" reagierte die Fraktion der Grünen auf die hohe Summe für die Umsiedlung des Bauhof-Lagers. "Das tragen wir nicht mit", sagte FGL-Fraktionssprecherin Annette Prechtel, als im Finanzausschuss die ökonomischen Auswirkungen der Siemens Expansion auf den Tisch kamen. Wie berichtet, will die Firma Siemens Healthineers ihren Betrieb im Süden der Stadt um rund 40 000 Quadratmeter erweitern. Dafür benötigt Healthineers die Lagerflächen des Bauhofes.

Und zwar schnell. Die "Dringlichkeit" sei hoch, sagte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Bereits Ende 2019 will Siemens die Fläche belegen. Bis dahin muss demnach auch die Umsiedlung des Bauhofes von einer auf die andere Straßenseite An der Lände abgeschlossen sein.

Schwierige Suche

Die Umsiedlungskosten von rund 2,2 Millionen Euro brächten aber auch eine Verbesserung des bisherigen Bauhoflagers mit sich, betonte Sigrun Wagner, die bei der Stadt für Neubau- und Sonderprojekte zuständig ist. Etwa würden zwei neue Salzsilos gebaut.

Annette Prechtel betonte, dass die FGL nichts gegen den Umzug einzuwenden habe. Aber die Summe sei zu hoch, zumal alternative Standorte nicht geprüft worden seien. Zwar betonte OB Kirschstein, dass sich die Stadt "die Suche nach Alternativen nicht einfach gemacht" habe; dennoch löste der Standort auch bei anderen Stadträten Unbehagen aus. "Ähnlich wie Prechtel" sah es Ulrich Schürr (JB), der anregte, die Umzugskosten peu a peu zu verteilen, so dass nicht 2,2 Millionen Euro auf einmal investiert werden müssten.

Auch Udo Schönfelder, der Fraktionssprecher der CSU, beklagte den "Zugzwang", der bei der Bauhof-Umsiedlung entstehe. "Wir ziehen in eine Sackgasse. Ich trage den Standort mit, aber gefallen tut er mir nicht."

Paul Nerb (FBF) forderte eine Beteiligung von Siemens an den Umzugskosten. An den Planungskosten für den neuen Bauhof sei Siemens beteiligt, am Umzug nicht, stellte OB Kirschstein klar. Und griff ein Argument von Ludwig Preusch (FW) auf, der auf die fragwürdigen Arbeitsbedingungen im bisherigen Bauhof-Lager hinwies. "Die Verlagerung hebt Potenzial", meinte daher auch Uwe Kirschstein, weil so der Sanierungsstau der Stadt abgebaut werde.

Zwangslage oder Chance?

Die Sichtweisen auf die Umsiedlung blieben unvereinbar. Annette Prechtel wehrte sich gegen eine "Zwangslage", in der ein Beschluss den nächsten nötig mache. "So leicht sollte man es sich nicht machen." Reinhold Otzelberger (SPD) dagegen erinnerte an das "Einverständnis aller", die Siemens-Expansion mitzutragen und damit auch die Bauhof-Verlagerung.

Da der Umzug keine Interimslösung sein werde, stelle er eine nachhaltige Investition dar, betonte Otzelberger. Auch der Chef des Bauhofes, Klaus Bartosch, betonte, dass die Umsiedlung "auf jeden Fall" eine Verbesserung sei.

Noch viel mehr als das ist es für Josua Flierl. Der CSU-Stadtrat konnte gar nicht nachvollziehen, dass jemand den neuen Bauhof-Standort An der Lände wollen könnte. Mit der Entscheidung der Umsiedlung sei eine "einmalige Chance" verbunden: Die Stadt Forchheim ermögliche einem Global Player, seinen Betrieb in der Stadt zu erweitern. "Das ist ein gutes Miteinander."



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