Effeltrich

"Ein tieferes Hinschauen gelernt"

Schöpferisch tätig zu sein, gibt dem Künstler Heimo Ertl tiefe Befriedigung und macht ihn gedanklich frei. In seinem Atelier spricht er über sein Schaffen.
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Heimo Ertl erklärt, dass er beim Modellieren der Kuh die Proportionen wieder ändern musste.Carmen Schwind
Heimo Ertl erklärt, dass er beim Modellieren der Kuh die Proportionen wieder ändern musste.Carmen Schwind
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Heimo Ertl steht in seinem Atelier in Effeltrich und zeigt einer Besucherin, wie seine Bronzefiguren entstehen: "Zusammenfassend kann man sagen, es entsteht ein Modell. Das wird abgeformt in Silikon, dann wird eine positive Wachsform angefertigt." Weiter erklärt der 76-jährige Künstler, dass an dem Positiv-Modell Einguss- und Entlüftungskanäle angebracht werden. Dann wird es in Schamott eingebettet. Durch die Ausschmelzung des Wachses im Ofen entsteht der gewünschte Hohlraum, der mit flüssigem Metall gefüllt wird. Nach dem Erkalten wird die Figur entnommen, ziseliert und patiniert.

Die Besucherin ist beeindruckt und überrascht, wie aufwendig die Herstellung doch ist. Besonders begeistert sie, dass Heimo Ertl mit dem Modellieren einfach loslegt, ohne vorher eine Zeichnung zu erstellen. "Die Figur ist in meinem Kopf. Ich nehme Kaninchendraht und Gips oder Ton und beginne dann zu modellieren", antwortet der Künstler.

Beeindruckender Werdegang

Heimo Ertl ist in Uder in Thüringen geboren. 1950 zog er mit seinen Eltern nach Ingolstadt - und verstand erst einmal die Sprache nicht. "Mein Vater kam ja 1950 erst aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Da habe ich ihn das erste Mal gesehen", erzählt er.

In Ingolstadt machte er 1964 Abitur, danach folgte der Wehrdienst in Deutschland und Frankreich. Er studierte Anglistik, Germanistik, Philosophie und Pädagogik in Erlangen und London. Er unterrichtete nur kurz, denn er lernte seinen späteren Doktorvater kennen, der ihm riet, weiterhin zu studieren. Das tat er auch und machte 1972 sein Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. 1973 heiratete er und wurde Universitätslektor in Schottland. 1974 war er als Akademischer Rat am Institut für Anglistik und Amerikanistik an der Universität Erlangen tätig.

Bundesverdienstkreuz erhalten

Nach seiner Promotion und Habilitation wurde er zum Privatdozenten ernannt und erhielt einen Lehrauftrag für australische, neuseeländische und indisch-englische Literatur. Im Juli 1984 wurde er erst der stellvertretende Direktor der Jugendakademie und des Internationalen Jugendzentrums Caritas-Pirckheimer-Haus Nürnberg und der Akademie der Erzdiözese Bamberg, 1998 dann Direktor. 1992 wurde er zum Professor ernannt und 2004 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

"Für Kunst interessierte ich mich schon ganz früh", erzählt Heimo Ertl. Sein Kunsterzieher im Gymnasium hatte eine so faszinierende Ausstrahlung, dass er als Junge von ihm und seiner Arbeit begeistert war. Ertl probierte verschiedene Materialien: "Ich wollte wissen, wie geht das damit. Und ich habe zu schätzen gelernt, welches Handwerk dahintersteckt." Als Kind hatte er nur Knetgummi zum Modellieren. "Wir hatten keinen Fernseher. Den kauften meine Eltern erst, als ich Abitur machte. Also habe ich mit Knetgummi gespielt, viel gelesen und Hörspiele im Radio gehört", erinnert er sich.

In seinem Beruf arbeitete er viel mit dem Kopf. "Es entsteht eine tiefe Befriedigung dadurch, schöpferisch tätig zu sein. Und ich brauchte als Ausgleich die Arbeit mit den Händen. Ich gehe auch gern in den Garten", erzählt Heimo Ertl. Durch das kreative Gestalten werde er auch gedanklich wieder frei, sagt Ertl und findet es nicht gut, dass der Kunstunterricht in den Schulen immer weniger wird. "Man bekommt eine andere Wahrnehmung. Und ich habe dabei ein tieferes Hinschauen gelernt, und dass man sich auf etwas einlässt."

Seine erste Bronzearbeit war ein Akt, der auch in seinem Garten steht. "Als ich im Bett war, kam mir die Idee, dass da was fehlt", erzählt der Künstler. Der Akt zeigt eine nackte Frau, die die Hand nach vorne hält. Der Bronze fügte er erst einen, dann einen zweiten Frosch hinzu. Daraus machte er einen Brunnen. "Jetzt spucken ihr die Frösche in die Hand. Ich versuche, in meine Werke Humor zu packen", erklärt Ertl und lacht.

"Nicht einfach aufgeben"

Manchmal muss er Proportionen ändern oder fängt wieder von vorne an: "Das gehört dazu. Das muss man auch lernen. Man muss durchhalten und darf nicht einfach aufgeben." Da er nie von seiner künstlerischen Arbeit leben musste, konnte er sich auch erlauben, nur die Dinge zu tun, die ihm gefielen.

Üblicherweise formt Heimo Ertls zwei Figuren während der Winterzeit.

Sein erster öffentlicher Auftrag war der Ossenritter für den Park an der Leine in Uder. In der Kirche in Eckenhaid steht die Verkündung des Erzengels Gabriel an Maria - "Schrecksekunde". Und auch in Neunkirchen am Brand waren seine Werke ausgestellt.

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