Forchheim

Ein Tag im Takt des Landrats

Wie mag es wohl sein, das Leben als Landrat? Genügt ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis, um die Rolle des Landkreis-Gestalters auszufüllen?
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Es ist gleich 22 Uhr und im 14-stündigen Arbeitstag von Hermann Ulm gab´s keine echte Pause. Doch seine Freude an kurzen Gesprächen und am aufmerksamen Zuhören scheint nicht weniger zu werden. Im Gegenteil: Jetzt stellt sich heraus, dass der beste Teil seines Arbeitstages gerade beginnt. Als der Landrat um 20 Uhr das überfüllte Sportheim in Pinzberg betritt, ist der Neujahrsempfang noch in vollem Gange. Er habe "die Ehre", sechs Feuerwehrleute mit silbernen und goldenen Kreuzen auszuzeichnen. "Das sind die angenehmsten Termine", sagt der Landrat.

Als ich Hermann Ulm morgens im Büro gebeten hatte, ein Selfie mit ihm machen zu dürfen, waren wir noch beide guter Dinge. Um 21.50 Uhr, als der Gesangverein Pinzberg und Dobenreuth das fränkische Heimatlied schmettert, geht mein Blick ins Leere. Ich sehe zu ihm hinüber - Hermann Ulm lächelt und spricht mit Bürgermeister Peter Andexinger über die Fahrtüchtigkeit von dessen Auto.

Offenbar gibt es eine eigene Landratskondition. Das wird gleich am Morgen deutlich, als Büro-Managerin Ingrid Schlund die ellenlange Tagesordnung vorlegt und Ulm sagt: "Einer der moderateren Tage". Der beginnt mit Unterschriften. An manchen Tagen seien es hunderte. "Gut, dass ich einen kurzen Namen habe", scherzt Ulm und greift zum grünen Stift.

In den nächsten zwölf Stunden wird er: die Budgetfrage bei der "Radwegeausweisung" klären; den Umzug ins neue Amtsgebäude im September regeln; die Reihenfolge der Sitzung am Nachmittag neu festlegen; seinem langjährigen Weggefährten Anton Hepple und dutzend anderen die Hände schütteln; dem Hallerndorfer Bürgermeister Hinweise zum Radwegebau geben; sich vom Nahverkehrsexperten Frithjof Dier auf den neuesten Stand beim 365-Euro-Ticket für Schüler bringen lassen - und im Kreisausschuss wird er kurz demonstrieren, dass er auch mal giftig werden kann: "Sie werden schon drauf warten, was ich sage", kündigt Karl Waldmann (Grüne) seine Haushaltskritik an. "Eigentlich nicht", erwidert Ulm. Und nachdem Waldmann massive Vorwürfe macht, beendet der Landrat die Debatte mit einer entschiedenen Geste: "Gut, Punkt drunter!" Wenig später, bei der Begrüßung am "Katastrophenstammtisch", ist er wieder in gewohnter Stimmung: "Der Bericht zur Hundestaffel - ich freue mich drauf."

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