Obertrubach
Abschiedsgottesdienst

Ein paar Tränen und ein "Vergelt's Gott"

Nach 36 Jahren nahm die Gemeinde Obertrubach Abschied von Pfarrer Werner Wolf.
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Pfarrer Wolf, Markus Habermann und Marion Körber Foto: Franz Galster
Pfarrer Wolf, Markus Habermann und Marion Körber Foto: Franz Galster
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Es war einer von jenen denkwürdigen Tagen, die in die Geschichte von Obertrubach eingehen werden. Die gesamt Pfarrgemeinde und Freunde waren gekommen, um Pfarrer Werner Wolf nach fast 36 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden. Nach einem Kirchenzug waren die Bänke der Pfarrkirche St. Laurentius komplett besetzt.

Vergelt's Gott stand über dem Festgottesdienst voller Emotionen, wo auch manche Träne verdrückt wurde. Die Obertrubacher wissen, was sie mit dem Weggang ihres beliebten Seelsorgers verlieren.

Wolf begrüßte eingangs Pater Vitalis aus Gößweinstein zur Konzelebration, dazu Diakon Christian Wohlfahrt. Pfarrer Wolf freute sich, dass mit Wohlfahrt voraussichtlich nächstes Jahr mit der Priesterweihe wieder ein Pfarrer aus der Pfarrei kommen wird. Unter den Anwesenden befanden sich die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus, sowie lokale politische Vertreter und die vielen verschiedenen Gruppen seiner Heimatgemeinde. Dabei legte Werner Wolf wie immer Wert darauf, auch die evangelischen Besucher besonders zu begrüßen.

Dankbarkeit ist Quelle des Wohlbefindens

Wolf nannte Dankbarkeit als Quelle des Wohlbefindens. Er dankte Gott, dass er ihn als Pfarrer und Seelsorger geführt hat. Vieles habe man gemeinsam schaffen können. Gleichzeitig bat er seine Gemeinde, den künftigen Pfarradministrator Florian Stark gut anzunehmen, "Wo Menschen sind, da menschelt es", sagte Werner Wolf und bat seine Pfarrgemeinde auch um Verzeihung. "Auf Wiedersehen im Himmel", schloss er seine Eingangsrede. In diesem Moment überwältigten ihn die Emotionen, seine Stimme versagte.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Markus Habermann dankte Gott rückblickend für die 36 Jahre Wirken von Pfarrer Wolf. "Wir danken für die Gaben, die Du ihm geschenkt hast und die unser Pfarrer, wie Fußspuren gleich, in unsere Pfarrgemeinde eingebracht hat", sagte Haberrmann. Laura Körber und Nina Frühbeißer traten dann vor die Gemeinde, um Pfarrer Wolf in würdigen, gesetzten Worten zu danken für die Begleitung der Gläubigen, beginnend von der Taufe, über die verschiedenen Lebensstationen wie Kindergarten, Kommunion oder Firmung oder die Spendung des Ehesakraments.

Eine Rose für jede Aktivität

Die Behindertengruppe war ihm wichtig ebenso wie die Kranken seiner Pfarrgemeinde, für die ihm auch der Weg ins Krankenhaus nicht zu weit war. Er lud die älteren Pfarrangehörigen zum Plauderstündchen. Für jede seiner Aktivitäten legte ein oder zwei Mitglieder der Gemeinde eine Rose zu einem schönen Strauß am Altar nieder. Marion Körber hatte jeweils parallel Buchstaben an der Tafel bereit, die sich letztlich zu einem großen bunten "Vergelt's Gott" formten. Die Ministranten dankten mit einer Flasche Wein. "Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude", zitierte Bürgermeister Markus Grüner den Theologen Dietrich Bonhoeffer in seiner Rede. "Sie haben allen, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, gesund oder krank, evangelisch, katholisch oder konfessionslos, das Gefühl gegeben, ein wertvolles Mitglied unserer christlichen Gemeinde zu sein", fügte Grüner hinzu.

Markante Projekte

Der Bürgermeister erwähnte die sichtbaren Zeugen des Wirkens. Pfarrer Wolf habe alle vier Gotteshäuser renoviert und zu lebendigen Stätten der Begegnung gemacht. Ein neues Pfarrhaus und die Begegnungsstätte sind weitere markante Projekte des Pfarrers. Martin Reichel dankte als Vertreter der Vereine für die Unterstützung und dafür, dass Pfarrer Werner Wolf auch gerne das Amt des Schirmherrn übernommen habe.

Geschenke wollte Wolf ausdrücklich nicht. Die Eintrittskarten für die Bamberger Symphonikern nahm er aber gerne an. Ein kurzer Weg für ihn, hat er seinen Altersruhesitz doch in Memmelsdorf bei Bamberg gewählt. "Mit Ihnen verlieren wir nicht nur unseren Seelsorger, sondern in vielen Fällen auch einen guten Freund und Berater, der Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt", sagte Schulleiter Joachim Neuner. "Manche Menschen wissen einfach nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind", schloss er seine Rede und verabschiedete sich mit einem schlichten "Ade".

Mit Spezialitäten aus Betzenstein und Hüll dankten die Vertrauensfrauen der dortigen evangelischen Nachbargemeinden für die wunderbaren Gottesdienste und Begegnungen. Markus Habermann bat alle Ministranten in den Kirchenbänken, sich nochmals zu erheben und zu zeigen. "Ihr seid gekommen, habt es selbst organisiert, keiner musste es Euch sagen", freute sich Habermann. Ein Hauch von Traurigkeit war hier schon zu spüren. Wie wird es denn mit unserer "Herde Schafe" weitergehen, wenn der Hirte sich ausruht vom vielen Schaffen", fragte Habermann. "Jesus ist der gute Hirte, er sorgt sowohl für Sie, lieber Herr Pfarrer, als auch für unsere Pfarrgemeinde. Sie haben mit uns Leid und Freude geteilt, im Rosengang versuchten wir das auszudrücken". Gemeinsam mit Marion Körber überreichte er ein Bild, das alle Kirchen der Pfarrgemeinde zeigt.

Mehr lesen und wandern möchte Pfarrer Wolf künftig. Deshalb überreichte Habermann auch einen Strohhut für heiße Sonnentage. Er selbst habe auch einen Strohhut und wenn er eine Wandergruppe haben wolle, komme auch der gemeinsame Gemeinderat. Dieser erhob sich schon einmal aus der große Zahl der Gläubigen, um die Bereitschaft mit Strohhüten zu demonstrieren. Der Kirchenchor von Untertrubach unter Leitung von Herbert Grembler und die Jugendblaskapelle Obertrubach lieferten die musikalische Begleitung zum Gottesdienst. Oft wurden die Reden von großem Beifall unterbrochen.

Nach dem Gottesdienst lud die Kirchengemeinde bei herrlichem Wetter zum gemütlichen Stehempfang im Pfarrhof. Sie würdigte damit einen Seelsorger, der immer auf die Menschen zuging, das Herz des Dorfes darstellte und eine große Lücke hinterlässt.

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