Die meisten Frauen sind recht gefasst, andere wiederum sehr belastet. Viele rufen erst mal an, manche kommen direkt in der Beratungsstelle vorbei. Eines haben die Frauen aber alle gemeinsam: Schwangerschaft und Geburt haben ihr Leben verändert. Und viele Fragen aufgeworfen.

Diplom-Sozialpädagogin Uta Krauß kann davon ein Lied singen. Seit 16 Jahren informiert, berät und begleitet sie in der Schwangerschaft und bis zum dritten Geburtstag des Kindes. Kommen kann jeder: Frauen, Männer, Paare, Jugendliche, Eltern - einzeln und in Begleitung.

"Die, die hierher kommen, wollen das Kind auch," erklärt Krauß. Nur selten entscheide sich eine Frau für eine Abtreibung. Wichtig sei für sie, dass Frauen überhaupt erstmal den Schritt wagen, Hilfe in der Beratungsstelle aufzusuchen.

"Die meisten kommen aus wirtschaftlichen oder psychischen Gründen. Sie sehen sich überfordert, fühlen sich verlassen oder wissen nicht, ob sie die Verantwortung tragen können," fasst Krauß zusammen. Sie berät kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Ob bei finanziellen Schwierigkeiten und rechtlichen Fragen, der Suche nach Wohnmöglichkeiten für junge Schwangere und Mütter, Fragen zu gesetzlichen Ansprüchen oder Problemen, die sich in Familie und Partnerschaft ergeben - die vierfache Mutter hat immer ein offenes Ohr.

Die Beratung ist dann selten eine einmalige Sache. "Es finden meistens fünf Gespräche über einen längeren Zeitraum statt. Bei Alleinerziehenden kann man das Doppelte rechnen," schätzt Krauß. Die Frauen sind unterschiedlich alt, und haben ganz unterschiedliche Probleme. Manche befinden sich in Krisensituationen, beispielsweise bei einer Trennung oder einer Fehlgeburt, andere sind gerade mitten in einer Entscheidungsfindung vor oder nach vorgeburtlichen Untersuchungen. Wiederum andere machen sich Sorgen über die Behinderung ihres Kindes. Denn auch Frauen, die bereits Kinder haben, nehmen das Angebot der Beratungsstelle wahr. "Wenn sie mit einem Antrag fürs Eltern- oder Kindergeld mal nicht klar kommen," nennt Krauß ein Beispiel.
Ihr liegt viel daran, dass sich die Frauen vernetzen, zum Beispiel beim Treffen für Alleinerziehende oder im Eltern-Café. "Oft muss nämlich erstmal das Selbstwertgefühl wieder gestärkt werden," erklärt Krauß.

111 Frauen kamen 2011 zu ihr. "Es gibt immer wieder Situationen, die mich stark berühren," erinnert sich Krauß und schaut auf die vielen Babybilder an einer Wand ihres Büros. Spontan fällt ihr eine Anekdote ein: "Einmal war eine schwangere Frau da, die hat an der Wand ein Bild von ihrem Bruder entdeckt," lacht Krauß. Sie hat ihr Kind dann auch behalten.