Forchheim
Kunst

Ein Leben in einer Ausstellung

"Man muss halt 70 werden": Pünktlich zum Geburtstag von Harald Hubl stellt das Pfalzmuseum einen Streifzug durch fünf Jahrzehnte Schaffenszeit aus. Die Stadt und die Gesellschaft zur Förderung von Kulturverleihen ihm den Kulturpreis.
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"Die verschiedenen Drucktechniken haben ich alle durchexerziert", sagt der Künstler und Kulturpreis-Träger Harald Hubl. Fotos: Franziska Rieger
"Die verschiedenen Drucktechniken haben ich alle durchexerziert", sagt der Künstler und Kulturpreis-Träger Harald Hubl. Fotos: Franziska Rieger
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Wenn Harald Hubl auf seinen "Mal-Reisen" mit dem Rad durch die Landschaft fährt, hat er sein Skizzenbuch dabei. Dort, wo ihm ein Motiv ins Auge fällt, lässt er sich nieder und beginnt mit den ersten feinen Zeichenstrichen. Zuhause in seinem Atelier, im Dachgeschoss seins Hauses, vervollständigt er die Umrisse dann mit Farbe. "Ich bin kein Ateliermaler, sondern arbeite vor Ort", sagt er.

Der Kellerwald und Venedig

Besonders gerne streift Hubl mit seinem Hund Paul durch den Kellerwald mit all seinen Facetten - "die Natur in Verbindung mit der Zivilisation". Nur den Kellerwald zu zeichnen "wäre natürlich nichts" - etwas mehr braucht es schon: neue Situationen, anderes Licht, andere Motive. So sind seine farbenfrohen Italien-Zeichnungen entstanden. "Venedig kann man nur malen", sagt Hubl.

Einen Teil seiner Skizzenbücher, die in der Ausstellung präsentiert werden, hat Hubl in einer großen Tasche gesammelt. Wie viele noch in seinen Schubladen und Regalen lagern? Viel zu viele, um eine Zahl zu nennen. Ein kleines Skizzenbuch hält bei ihm vielleicht einen Monat. "Fingerübungen und reines Vergnügen", sagt Hubl, zu dessen 70. Geburtstag eine Ausstellung im Pfalzmuseum anläuft.

Arbeiten aus der Studienzeit

Entstanden ist "eine unendliche Masse an Arbeiten". Bevor er eine große Diskussion anfängt, tut er lieber etwas, sagt Hubl. Und so lautet der Titel seiner Ausstellung "Nur durch Tun", angelehnt an den Spruch eines Professors aus seiner Akademiezeit. Die Ausstellung im Pfalzmuseum zeigt nun einen Streifzug durch fast 50 Jahre seines Schaffens. Angefangen mit Arbeiten aus seiner Studienzeit bis zu seinen heute so bekannten Kellerwald-Zeichnungen. "Die verschiedenen Drucktechniken haben ich alle durchexerziert", sagt Hubl. Und tatsächlich: Wenn er die vielen große Schubladen in seinem Atelier öffnet, offenbart sich eine Bandbreite unterschiedlicher Stile.

Selbstbildnisse und Siebdrucke

Darunter sind farbenfrohe Landschaftsbilder, Selbstbildnisse, Aktzeichnungen, Tiefdrucke, Radierungen, Siebdrucke und Holzschnitte. Am Anfang seines Schaffens waren Hubls Werke noch düsterer, melancholisch. Heute dagegen strahlen dem Betrachter farbenfrohe Aquarelle entgegen.

Was Hubl vom ewigen Druck der Kunstschaffenden erlöst hat: Nicht abhängig von der eigenen Kunst zu sein, seine Lehrtätigkeit an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg hat ihm Freiräume verschafft. "Eine gewisse Unabhängigkeit bedeutet, dass man nur das machen braucht, was einem zusagt." Beeinflussen soll die Auszeichnung mit dem Kulturpreis sein weiteres Schaffen nicht, aber: "Ich sehe das als Motivation. Zu sagen, dass ein Künstler, Maler oder Schauspieler nur für sich arbeitet, ist Quatsch. Man hofft natürlich trotzdem auf Publikum und Anerkennung."

Die Stadt Forchheim und die Gesellschaft zur Förderung von Kultur in Forchheim ehren den bekannten Forchheimer Maler nun mit dem Kulturpreis 2019. "Das ist eine tolle Auszeichnung", sagt Hubl. Gerechnet habe er mit dem Preis aber nicht mehr. "Man muss halt 70 werden", sagt der Künstler und lacht. Insgesamt sei es für ihn ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen - "ein Jahr, wie man es sich nur wünschen kann". Nach Kulturpreis-Verleihung und Ausstellung heißt es für Hubl erst einmal durchatmen - im Oktober geht es nach Venedig.

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