Hiltpoltstein
Bürgermeister

Ein Ehrenamt als Fulltime-Job

Auch ein Ortsoberhaupt "im Nebenberuf" wie Gisela Bauer in Hiltpoltstein hat jede Menge zu tun. Einblicke in das arbeitsintensive Leben von ehrenamtlichen Bürgermeistern im Landkreis Forchheim.
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Bürgermeisterin Gisela Bauer mit Hans Schaffer (r.) von der Baufirma Diersch  und dem Gemeindearbeiter  Christian Seybold Foto: Petra Malbrivch
Bürgermeisterin Gisela Bauer mit Hans Schaffer (r.) von der Baufirma Diersch und dem Gemeindearbeiter Christian Seybold Foto: Petra Malbrivch
Längst vorbei sind die Zeiten, als man sich in der Stube des Bürgermeisters traf, um Probleme zu besprechen und um zu politisieren. Diese Szenen kennt man heute bestenfalls noch aus dem Komödienstadl.
Heute üben immerhin noch 18 Bürgermeister der 29 Gemeinden im Landkreis das Amt des Bürgermeisters ehrenamtlich aus. Im gesamten Freistaat Bayern haben 930 Gemeinden einen ehrenamtlichen Bürgermeister laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik. Mit den umfangreicheren Aufgaben dieser ehrenamtlichen Bürgermeister hat sich deren Tagesablauf gravierend verändert.

Die Hiltpoltsteiner Bürgermeisterin Gisela Bauer fährt gegen 7 Uhr morgens zur ersten Baustelle zu ihren Gemeindearbeitern. Vor Ort informiert sie sich, wie die Arbeiten in Möchs vorangehen und ob etwas benötigt wird. Von dort aus fährt sie zur Kläranlage nach Hiltpoltstein, bespricht mit den Mitarbeitern und dem Architekten die kosmetischen Feinheiten für die Außenanlage und fährt anschließend nach Nürnberg, zur nächsten Baustelle für Kabel Deutschland, bevor sie in ihrem Büro die Arbeiten auf ihrem Schreibtisch in Angriff nimmt und immer wieder zum Telefonhörer greift.

Am Feierabend geht's weiter


Hauptberuflich ist die Hiltpoltsteiner Bürgermeisterin Sprecherin von Kabel Deutschland.
Eine Arbeit, die gerade jetzt ihr Ehrenamt als Bürgermeisterin ergänzt, da bei den Bürgern aller Gemeinden und den Gemeindechefs das Breitbandinternet ein wichtiges Thema ist. Nach Feierabend stehen Sitzungen an, die Bürgersprechstunde, Schriftverkehr mit Firmen und Behörden, Vereinsversammlungen, deren verdiente Mitglieder ausgezeichnet werden und runde Geburtstage von Dorfbewohnern, denen auch Gisela Bauer für den Markt gratuliert.

Fulltimeaufgaben im Ehrenamt neben einem Fulltimejob? "Ich habe meine Arbeitszeit reduziert. So gehört beispielsweise der lange Donnerstag ganz der Gemeinde", erklärt Bauer. Obwohl Gisela Bauer nicht im öffentlichen Dienst arbeitet, konnte sie ihre reguläre Arbeitszeit problemlos verkürzen. Ihr Arbeitgeber bot ihr einen zusätzlichen Vorteil. "Ich kann jederzeit wieder aufstocken", so Bauer.

Das nimmt zugleich den Druck, denn: "So kann ich mich ausschließlich für die Interessen der Gemeinde einsetzen und muss keine Gefälligkeitsentscheidungen treffen." Sollte sie nicht wiedergewählt werden, arbeitet sie einfach Vollzeit in ihrem Beruf weiter. Die Stundenreduzierung betrachtete sie trotzdem als notwendig, um alle Aufgaben und Termine für die Gemeinde optimal ausführen zu können.

Ordentlich reduziert hat auch Wiesenttals Bürgermeister Helmut Taut seine Stunden als Berufsschullehrer. Das Ehrenamt bereitet ihm Spaß, doch sieht auch er, dass die Aufgaben im Vergleich zu früher, zu den 60er Jahren, enorm angewachsen sind.

Anrufe in der Schulpause


Das beginnt mit den Sitzungen im Schulverband, dem Kultur- und Sportausschuss oder den Kreissitzungen. "Es ist klar, dass der Tag nicht um 17 Uhr endet", sagt Taut, der sein Ehrenamt sehr ernst nimmt. So ist es ihm auch wichtig, bei den 48 Vereinen präsent zu sein. Gut, dass es Handys gibt, um in der Schulpause Anrufe zu erledigen, anstatt einen Kaffee zu trinken.

Alleine vergangenes Wochenende standen sechs Termine an: zwei Trauungen, eine Gästeehrung, eine Goldene Hochzeit und zwei Geburtstage. Taut regelte dies praktisch. Von Donnerstagnachmittag bis Dienstag ist er Bürgermeister pur, dienstags, mittwochs und donnerstags einen halben Tag in der Schule. Dennoch ist es ein Spagat, die Interessen der Gemeinde mit dem Berufsleben und dem Privatleben zeitlich in Einklang zu bringen.

In den Vereinen ging's los


Ein Spagat, der gut gelingt, wie auch Obertrubachs Bürgermeister Willi Müller findet, da "das Ehrenamt Spaß bereitet und diese Arbeit mehr auf Engagement geht." Ein Engagement, Interesse an dem Ort und den Bürgern, das er als Mitglied in 30 Vereinen und als langjähriger Gemeinderat schon vor der Bürgermeisterwahl in der Kommune einbrachte und sich von dort heraus das Ehrenamt als Erster Bürgermeister entwickelt hat.
Sein Ehrenamt und die langjährige Mitgliedschaft in den Vereinen ergänzen sich hier. Zu kurz kam weder sein Privatleben, noch sein Unternehmen, betont er, wenngleich Obertrubach fast gleich viele Einwohner zählt wie die Gemeinden Egloffstein und Pretzfeld. In diesen beiden Gemeinden üben die Bürgermeister das Amt hauptberuflich aus. Sicher spielt die Größe einer Gemeinde und die damit verbundenen Aufgaben wie Schulen, Trinkwasserversorgung, Kläranlagen oder Friedhöfe, bei der Entscheidung "Bürgermeister Haupt- oder Nebenamt" eine Rolle. Letztendlich entscheidet aber der Gemeinderat.

"In Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern ist der Erste Bürgermeister ein Ehrenbeamter, wenn der Gemeinderat nicht spätestens am 90. Tag vor einer Wahl durch Satzung bestimmt, dass der erste Bürgermeister ein Beamter auf Zeit ist", erläutert Volker Strehl, Pressesprecher des Landratsamts Forchheim.
In Gemeinden mit mehr als 5000 bis höchstens 10000 Einwohnern sind die Bürgermeister in der Regel Beamte auf Zeit und nur dann ehrenamtliche, wenn das der Gemeinderat bis spätestens am 90. Tag vor einer Wahl durch Satzung bestimmt. Ob sich bei der Entscheidung ehrenamtlicher Bürgermeister oder hauptamtlich etwas ändert, wird sich vor der nächsten Wahl andeuten.

In Obertrubach war das Bürgermeisteramt schon immer ein Ehrenamt, wie Müller sagt: "Als hauptamtliche Arbeit könne man es sich nicht vorstellen." Auch Gisela Bauer erklärt: "Diese Diskussion hat sich noch nie gestellt und höhere Personalkosten könnte die Gemeinde momentan nicht stemmen". So wird es auch in Hiltpoltstein ein Ehrenamt bleiben, wenngleich die Aufgaben ähnlich umfangreich sind wie in anderen Gemeinden.

In Wiesenttal wurde schon mehrmals ein hauptamtlicher Bürgermeister angedacht. Doch nach den vielen Baustellen der vergangenen Jahre wird es auch wieder ruhiger werden. "Unsere Verwaltung wurde Jahrzehnte so aufgebaut, dass sie einen ehrenamtlichen Bürgermeister verkraften können", lobt Taut das eigenständige Arbeiten der Mitarbeiter. Und trotz allem ist ein ehrenamtlicher Bürgermeister einfach günstiger.

Gemeinderat entscheidet über das Entgelt


Was ein ehrenamtlicher Bürgermeister als Entgelt enthält, entscheidet übrigens auch der Gemeinderat. Das heißt, er entscheidet innerhalb eines gewissen Spielraums. Denn auch bei der Vergütung hat sich mit dem neuen kommunalen Wahlbeamtengesetz (KBBG) vom 24.Juli 2012 etwas verändert.

Eduard Minks, Fachbereichsleiter Kommunalaufsicht im Landratsamt Forchheim, erklärt die Entschädigung fürs Ehrenamt: "Bei einer Gemeinde bis 1000 Einwohner beträgt der Rahmensatz zwischen 1000 und 2600 Euro, bis 3000 Einwohner zwischen 2500 und 3750 Euro, bis 5000 Einwohner zwischen 3300 und 4450 Euro. Eine Gemeinde mit mehr als 5000 Einwohnern haben wir im Landkreis Forchheim nicht." Minks weiß aber auch, dass es keinen ehrenamtlichen Bürgermeister gibt, der weniger als 2500 Euro erhält.

Natürlich muss das noch versteuert werden. Insgesamt bedeutet es aber eine Besserstellung, denn früher ging man "Pi mal Daumen" gesehen von einer Mark oder einem Euro pro Einwohner aus, mit einem gewissen Spielraum, der, wie jetzt auch, den Umfang der Aufgaben berücksichtigt. Nur gab es früher nicht so viele Aufgaben und weniger Bürokratie. Aber die früheren Zeiten sind längst vorbei.
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