Ermreuth
Sanierung

Ehemals jüdisches Schwarzhaupthaus in Ermreuth wird zum Schmuckstück

Das Schwarzhaupthaus im Ermreuth erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie auf dem Land. Vom Einsturz bedroht, rettet es ein Musiklehrer.
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Das Schwarzhaupthaus in Ermreuth ist von außen fast fertig, das Fachwerk freigelegt. Links dahinter die Synagoge Foto: Petra Malbrich
Das Schwarzhaupthaus in Ermreuth ist von außen fast fertig, das Fachwerk freigelegt. Links dahinter die Synagoge Foto: Petra Malbrich
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Hermann Stengel wartet derzeit nur noch auf den Flaschner. Das werden die letzten Arbeiten für dieses Jahr an dem Schwarzhaupthaus in Ermreuth sein. "Im September 2020 ist die Café-Eröffnung", sagt Hermann Stengel lächelnd. Das ist seine Vision, das Bild, das er während der inzwischen fast fünfjährigen Phase der Renovierung immer vor Augen hat. Der Grund, das frühere Haus einer jüdischen Familie zu kaufen, war zunächst ein ganz anderer. "Ich bin ein großer Freund von alten Häusern", schwärmt Stengel. Auch wenn das Schwarzhaupthaus - nach dem letzten Besitzer benannt - 2013 dem jetzigen nur wenig ähnelte, erkannte er in dem damals einsturzgefährdeten Haus ein bauliches Juwel, in dem Bausubstanz aus dem Jahr 1780 gefunden wurde. Das Haus war einsturzbedroht und dringend sanierungsbedürftig. Schließlich wurde ein Käufer gesucht. Einen Euro musste Hermann Stengel dafür an die Gemeinde Neunkirchen am Brand zahlen. 250 000 Euro hat er inzwischen in die Renovierung gesteckt und sehr viel Eigenleistung.

Fachwerk freigelegt

"Zunächst habe ich das Fachwerk freigelegt, um die Zerstörung durch Wasser- und Wurmschäden sichtbar zu machen", erklärt Stengel. Für das Denkmalschutzamt muss der 52-Jährige aus Wellucken (Marktgemeinde Neunkirchen am Brand, zwischen Ebersbach und Marloffstein) jeden Schritt dokumentieren und mit Fotos belegen. Wo die Schäden zu groß waren, wurden alte Balken durch neue ersetzt. Holzbalken befinden sich auch um die Fenster herum. Die Original-Fensterläden fehlen noch, sie liegen geschützt im Inneren des Hauses, werden aber sicher wieder angebracht werden. Welche Fenster er wählt, darüber hat Stengel zwei Jahre lang nachgedacht und sich schließlich für weiße dreiflügelige Fenster entschieden, weil sie dem Original sehr nahekommen. Denn er will Flair und Charakter des Hauses erhalten und wiederbeleben. Hier sieht Hermann Stengel schon die Kaffeemaschine stehen. Doch gerade die Hausseite der Küche, die Wetterseite, war einsturzgefährdet. Die Außenwandfarbe Blau hat er gewählt, weil es die ursprüngliche Farbe war. Jedenfalls wird die Schwarzhauptküche auch Stengels Küche bleiben. Gleich bei der Küchentür war ein Ofen angebracht, als die jüdische Familie Schwarzhaupt das Haus noch mit Leben füllte. Krämer waren sie gewesen, haben Stoffe verkauft. "Das war ein Verkaufsraum", sagt Stengel und deutet in das Zimmer links neben der Haustüre.

Balken und Zementsäcke

Viele Balken liegen herum, Baumaterial, Zementsäcke - und überall ist Staub vom Renovieren. Die dicken Steinmauern liegen frei, alte Holzbalken sind sichtbar gemacht. Eine dicke Holzdecke wurde in dem Zimmer rechts neben der Haustüre freigelegt. Um diese zu stützen, brauchte Stengel neue Balken. Denn nachdem das Fachwerk freigelegt war, galt es für Hermann Stengel, den alten Bestand aufzudecken.

Wände waren vertäfelt

Die Wände waren vertäfelt, mit Holz, aber auch mit Plastik. Das ist noch an den Wandfarben auf den vielen Putzschichten erkenntlich. Stengel findet es schön, wie früher gelebt wurde. "Die Wände waren einmal blau, dann hellblau und überall waren Borden an den Wänden", schwärmt Stengel und zeigt auf die noch vorhandenen Beweise im früheren Wohnraum.

Mosaiksteinchen

Solche Mosaiksteinchen, die Rückschluss auf das Leben im Schwarzhaupthaus geben, sind in jedem der acht Zimmer zu finden. Ein alter Wassertrog wird auf jeden Fall bleiben. Er zeigt, dass hier das Badezimmer war. Die Schwärze an Mauersteinen verrät, dass geräuchert wurde. Die geschwärzten Decken zeigen Stengel auch im oberen Stockwerk, wie geheizt wurde.

Helle Holztreppe

Bleiben wird ebenfalls die helle Holztreppe, die steil ins Obergeschoss und von dort aus ins Dachgeschoss führt. "Hier habe ich gerade gedämmt", erklärt Stengel. Das Dämmmaterial ist wie alle verwendeten Materialien ein Naturstoff. Kunststoff einzusetzen, weigert sich der Musiklehrer, der in Erlangen eine Schlagzeugschule hat, strikt. Eine Homepage über das Schwarzhaupthaus hat Stengel angelegt, momentan jedoch wenig Zeit, diese zu aktualisieren. Die Bürokratie, die Nachweise für den Denkmalschutz fordern seine "Freizeit". Aber immer wieder stellt Stengel Fotos vom Renovierungsfortschritt auf seine Facebookseite "Schwarzhaupthaus Ermreuth". Er erzählt auch seine Vision, hier ein Café zu eröffnen. Die oberen Räume will er vermieten. Ein Café gibt es im Ort noch nicht, und in der Synagoge (Museum) neben dem Schwarzhaupthaus sind immer niveauvolle Veranstaltungen geboten.

Geschichte

Gebaut wurde das Haus Mitte des 18. Jahrhunderts von Jacob Joel Levi und Moses Gönninger. Das Haus aus Holz, eigentlich zwei ungleiche Doppelhaushälften, maß 160 Quadratmeter Grundfläche. Schließlich gehörten beide Haushälften der jüdischen Witwe Babetta Rosenberger, die es an ihre Nichte Rosa Schwarzhaupt vererbte. Der Name dieser letzten Besitzer ist geblieben. Die Familie Schwarzhaupt konnte sich mit Bernhard Wassermann als einzige Juden aus Ermreuth rechtzeitig nach Amerika retten. 1996 kaufte der Zweckverband Synagoge Ermreuth das Haus.

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