Egloffstein
Bürgerversammlung

Egloffsteiner kritisieren "Mercedes"-Lösung für Kindergarten

Mit der knapp vier Millionen Euro teuren Erweiterung des Kindergartens in Egloffstein steuere die Gemeinde auf eine "Luxusbetreuung" zu, kritisieren Bürger. Das Freibad und der Straßenausbau bereiten ebenfalls Sorgen.
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Am Ausbau des Kindergartens, der nach derzeitigem Stand bis zu 3,8 Millionen  Euro kosten könnte, scheiden sich die Geister.R. Löwisch
Am Ausbau des Kindergartens, der nach derzeitigem Stand bis zu 3,8 Millionen Euro kosten könnte, scheiden sich die Geister.R. Löwisch

Die Emotionen schlugen hoch in der Bürgerversammlung der Gemeinde Egloffstein im Gasthaus "Zur Post". Vor allem der Erweiterungsbau der Kindertagesstätte mit geschätzten 3,8 Millionen Euro Kosten erschien vielen Anwesenden als viel zu teuer.

Als "Mercedes-Lösung" und als "Luxusbetreuung" wurde die Tatsache bezeichnet, dass sich die Gemeinde neben der energetischen Sanierung des alten Kindergartens einen Anbau leisten will, der alleine fast vier Millionen Euro kosten soll. Ein Unding, meinte viele der 60 Anwesenden, und es gab lauten Applaus für die Befürworter einer kleineren Lösung.

"Muss denn eine eigene Küche sein, um die Kinder mit Essen zu versorgen, kann das nicht wie bisher ein Gasthaus übernehmen?" "Muss es ein teurer Anbau sein, kann man nicht Räume der Grundschule für den geplanten Hort übernehmen, um Geld zu sparen?" Das waren die wichtigsten Fragen an den Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU), die auch als Antrag formuliert wurden, so dass sich der Gemeinderat in nächster Zeit erneut mit dem Thema befassen muss. Ziel der Befürworter einer kleineren Lösung ist, Geld zu sparen, um auch erkleckliche Summen in die Renovierung des Marktplatzes und der Sanierung des Freibads zu stecken.

Das eine gegen das andere auszuspielen, gegen diesen Wunsch einer Bürgerin setzte sich eine Mehrheit der Bürger ein. "Dann kommen wir wieder in Verhältnisse von früher, die keiner wirklich haben will", meinte auch Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU). Schließlich "dient alles, was wir im Gemeinderat machen, der gesamten Gemeinde, auch wenn manche Bürger in den Außenorten das Thema Freibad differenzierter sehen als die Egloffsteiner selber", lautete seine Zusammenfassung der beiden vorangegangenen Bürgerversammlungen, in denen das Thema ebenfalls angesprochen worden war. Wenn sich Affalterthaler ins Auto setzen müssen, um ins Freibad zu kommen, dann ist es vielen egal, ob sie das Freibad in Egloffstein. Betzenstein oder Gräfenberg ansteuern", sagte Förtsch.

Das Thema Freibad mit geplanten Kosten von rund 2,2 Millionen Euro ist eines der Projekte, die die Gemeinde nur über neue Schulden finanzieren kann - ebenso wie die Sanierung des Marktplatzes über die Integrierte städtebauliche Entwicklung (Isek), die auch Millionen kosten könnte.

Ein weiteres Thema war die Sanierung des Paradiesweges und der Rabensteinstraße. Beide wurden laut Bürgermeister noch nie erschlossen, weshalb hier die Finanzierung der Wegsanierung über Erschließungsbeiträge möglich wäre, was letztendlich bedeutet, dass 90 Prozent der Kosten von den Anliegern getragen werden müssten. Da gleichzeitig mit der Wegsanierung auch ein neuer Kanal verlegt werden müsste, es andererseits aber nur wenige Anlieger entlang der beiden Straßen gibt, könnte die Sanierung beider Wege eine sehr teure Angelegenheit für die Anlieger werden - auch wenn man nur - wie vielfach gewünscht - eine schmale Straße baut, um Kosten zu sparen.

Nicht alle Themen behandelt

Kritisiert wurden die frühen Termine der Bürgerversammlungen, die zudem teilweise im Gemeindeblatt mit falschem Datum angekündigt wurden. Außerdem wurde moniert, dass es zu wenige Bürgerversammlungen gebe, so dass an dem Abend nicht alle Themen angesprochen und diskutiert werden könnten, die auf der Agenda der Bürger stünden, obwohl die Bürgerversammlung vier Stunden gedauert habe. Hier besteht offensichtlich ein großer Wissensbedarf.

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