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Egloffstein
Retrospektive

Egloffstein vor 60 Jahren

Die Zeit zwischen den Jahren wird gern für Rückblicke genutzt. Meist wird dabei der Verlauf der letzten zwölf Monate gewürdigt. Wir können das besser und schauen in einer dreiteiligen Miniserie sogar auf die Zeit vor 60, 50 und 40 Jahren in Egloffstein.
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Egloffstein im Jahr 1960: im Vordergrund der Gasthaus, später das Hotel Häfner. Viel Wald gab es noch im Ort. Links vom großen Walmdachgebäude (Witwenpalais derer von Egloffstein) sieht man das kleinere BdK-Haus hinter einem Fachwerkhaus, das heute der Gemeinde gehört und eine Arztpraxis beherbergt.Repro: Reinhard Löwisch
Egloffstein im Jahr 1960: im Vordergrund der Gasthaus, später das Hotel Häfner. Viel Wald gab es noch im Ort. Links vom großen Walmdachgebäude (Witwenpalais derer von Egloffstein) sieht man das kleinere BdK-Haus hinter einem Fachwerkhaus, das heute der Gemeinde gehört und eine Arztpraxis beherbergt.Repro: Reinhard Löwisch

Ein ganz normales Jahr war das Jahr 1960 im Trubachtal. Alles ging seinen geregelten Gang, wobei auch mancher Unfallbericht in der Presse für Aufregung sorgte. Besonders prägnant und nachhaltig war allerdings die Entscheidung der Post, die Egloffsteiner Telefonvermittlung zu automatisieren.

Aus heutiger Sicht kaum mehr denkbar: es gab bis Februar 1960 kein Selbstwähltelefon in Egloffstein. Jedes Gespräch musste über die Vermittlung angemeldet und "durchgestöpselt" werden. Das änderte sich innerhalb vier Wochen; die Sprechvermittlung wurde durch eine "automatische Vermittlung" ersetzt.

Die Lokalzeitung schreibt über das wichtige Ereignis: "Als bedeutendster Vorzug dieser neuen Maßnahme muss gewertet werden, dass nun ein Telefonieren zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich ist. Bei den Fernsprechteilnehmern sind bereits die neuen Apparate mit Wählscheibe eingebaut."

Gefreut haben sich auch die Schweinthaler über die Zusage von Landrat Paul Strian, die Zufahrtsstraße auszubauen. Die Lokalzeitung schreibt: "Leider befindet sich die vom Trubachtal aus bei Schweinthal abzweigende Zufahrtsstraße in keinem zeitgemäßen Zustand. Das zwei Kilometer lange Sträßlein ist schmal und hat nur für ein Fahrzeug Platz. Teilweise fällt die Böschung der Straße fast senkrecht ab, so dass es nicht ganz ungefährlich ist, nach Schlehenmühle zu fahren."

Mancher Autoreisende, so die Zeitung weiter, werde durch diese schwierigen Straßenverhältnisse abgehalten, das "Dorf ohne Spatzen" aufzusuchen. Dringend müssten zumindest einige Ausweichstellen geschaffen werden. Landrat Strian, der in Schlehenmühle zu Besuch weilte, sicherte seine Unterstützung zu.

1960 war auch Kommunalwahl im Landkreis Forchheim. In Egloffstein entfielen von 14 554 gültigen Stimmen 12 257 auf die Freien Wähler; in Affalterthal entfielen von 8246 Stimmen allein 6061 auf die Freien Wähler.

Ende April feierte der Egloffsteiner Posaunenchor sein 30-jähriges Bestehen. Als Gründungspfarrer wird Rudolf Trenkel in der Zeitung genannt. 30 Jahre Geburtstag konnte auch der Affalterthaler Obst- und Gartenbauverein feiern.

Dazu hatte Vorsitzender Ebenhack auch den Geschäftsführer des Obstgroßmarktes Igensdorf H. Wölfel begrüßt, der unter anderem über die "immer wichtiger werdende Arbeit der Klassifizierung und Qualitätserzeugung referierte" - heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Vermarktungsstrategie.

Heiner Schmidt wurde für 25-jährige Mitarbeit geehrt. Er hat ein Vierteljahrhundert dafür gesorgt, dass die Kirschen aus Affalterthal zuverlässig und unfallfrei in seinem Laster auf den Markt gebracht

wurden.

Waldbrand

Ende März gab es einen Waldbrand in Affalterthal: In der Waldabteilung "Leitenberg". In wenigen Stunden erfasste das Feuer etwa eine Fläche von zehn Tagwerk Bäume und richtete vor allem an jungen Waldbeständen erheblichen Schaden an.

Die Brandursache konnte nicht geklärt werden, Fahrlässigkeit wurde vermutet.

Ebenfalls fahrlässig handelte ein Affalterthaler Landwirt. Für die Heuernte hatte er eine Behelfsbrücke über die Trubach gezimmert. Als er mit der schweren Maschine über die Brücke fuhr, brach ein Tragbalken durch und der Bulldog stürzte 1,30 Meter tief in die Trubach. Der Mann erlitt einen Beinbruch und Quetschungen, seine mitfahrende Frau starke Blutergüsse; das dreijährige Kind blieb unverletzt.

Schwer verletzt wurde ein weiterer Egloffsteiner. Er wollte vom Anhänger einer Zugmaschine abspringen und wurde dabei zwischen Maschine und Anhängergabel eingeklemmt. Dabei wurde der rechte Unterschenkel zweimal, der linke einmal gebrochen.

Der Bund deutscher Kriegsgräber hielt in seinem Vereins- und Erholungshaus in Egloffstein die Tagung der Kreisdelegierten ab. Besonders die gute Entwicklung im Kreis Pegnitz wurde hervorgehoben.

Es konnten in den letzten beiden Jahren acht Ortsgruppen neu gegründet werden. Der weitere systematische Aufbau soll als Fernziel die Selbständigkeit des Kreises Pegnitz bringen, der bisher mit seinen 580 Mitgliedern noch dem Kreis Forchheim-Gräfenberg angeschlossen ist. Für den Landesverbandstag in Augsburg am 9. Oktober wurde zum ersten Mal ein 45-minütiger Tonfilm über das Erholungsheim Egloffstein und die Fränkische Schweiz gezeigt.

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