Egloffstein
Geschichte

Egloffstein hat einen Schatz - aus Sand

Touristisch und historisch bieten die Felsenkeller unter Egloffstein viel Interessantes. Auf einer Führung kann man das erkunden.
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In einem der Egloffsteiner Felsenkellerreinhard Löwisch
In einem der Egloffsteiner Felsenkellerreinhard Löwisch
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Die Egloffsteiner besitzen einen besonderen Schatz. Sie wissen und kennen das seit vielen Jahren, aber sie stufen es als nicht besonders wichtig ein. Nur eine kleine Gruppe Touristiker hält das Fähnchen hoch und bietet Führungen in den 14 noch vorhandenen Felsenkellern, die auf einer Länge von insgesamt 681 Metern direkt unterhalb des Ortes jahrhundertelang in den Sandstein gegraben wurden.

 

Sandabbau war der Grund dafür, Löcher in den Berg zu bohren - und natürlich auch die Lagerung von Lebensmitteln. Renate Illmann, die dieses Phänomen vor einigen Jahren ausführlich erforscht hat, schätzt, dass rund 4100 Kubikmeter Sand abgebaut wurden. Die Summe liegt vermutlich noch viel höher, weil man zu sieben Kellern, die auf einer zweiten Etage über den anderen Kellern liegen, keinen Zugang mehr hat und die dort gegrabenen Löcher daher nicht vermessen kann.

 

Seit 1728 wurden diese "Sandkeller" von der Herrschaft als Sandsteinbruch zum Bau von Häusern verwendet. Der Sand diente auch hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, wie beispielsweise dem Kehren der Fußböden in den Wohnstuben.

 

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden 24 parzellierte Kellerabteilungen geschaffen und an die Egloffsteiner Hausbesitzer vergeben. Diese gehören seither zu den einzelnen Häusern und dienten als Lager- und Vorratsräume. Neben Lebensmitteln wie Kartoffeln wurden auch Biervorräte der Egloffsteiner Brauer aus der herrschaftlichen Brauerei dort aufbewahrt. Eine in der Region einmalige Anlage.

 

In Creußen (Landkreis Bayreuth) gibt es zwar auch einige Felsenkeller, ebenso in Pretzfeld und Forchheim. Die wurden aber nur für Brauereizwecke eingerichtet und befinden sich außerhalb der Ortschaften und nicht darunter wie in Egloffstein. Der Sage nach soll es sogar einen Geheimgang von den Felsenkellern hinauf zur Burg gegeben haben, um die Bürger im Falle eines Angriffs, wie durch die Schweden geschehen, mit ihren Lebensmitteln in Sicherheit zu bringen.

 

Noch bis 1848, dem Revolutionsjahr, das die Aufhebung der Lehensherrschaft herbeiführte, gehörten die Keller zur Herrschaft, danach wurden sie an die Bürger verkauft und in den Grundsteuerkataster aufgenommen.

 

Sandabbau gab es bis 1940. Erst als ein Teil eines Gewölbes einstürzte, wurde der Abbau behördlich verboten. 1941 gab es Baumaßnahmen, um durch Stützungsmaßnahmen aus den Felsenkellern Luftschutzkeller zu bauen. Es blieb beim Versuch.

 

Mit der Erfindung der elektrischen Kühlung durch den Thurnauer Ingenieur Carl von Linde wurden die Keller als Lagerplatz für Lebensmittel ab den 50er Jahren abgelöst. Als dann 1988 noch Wasser in die Felsenkeller eindrang und den Verfall beschleunigte, wurde 1998 die Stützmauer mit der darüber liegenden Felsenkellerstraße saniert. Seither stehen die beiden Haupteingänge offen und es werden Führungen durch die Unterwelt angeboten.

 

Eine weitergehende touristische Nutzung des Areals ist derzeit nicht im Gespräch. Es stand schon einmal die Idee im Raum, mit einer Art Ringbahn die Keller zu erschließen und ähnlich einer Geisterfahrt auf einem Rummelplatz, durch die Keller zu fahren, um dabei Wissenswertes über Geologie, Sandabbau, über Wassernutzung und vieles mehr zu erfahren.

 

Zu wünschen wäre es dem Ort, dass er seinen Gästen mit den touristisch erschlossenen Felsenkellern mehr bieten kann. Je mehr Sehenswertes geboten wird, umso mehr Gäste kommen. Das sieht man am Besten auf der "Erlebnismeile" rund um Pottenstein mit seinen rund 750 000 Besuchern 2016. Daraus ergibt sich laut Thomas Bernard, dem dortigen Leiter des Tourismusbüros, ein Umsatz von mehr als 22,5 Millionen Euro. "Das zeigt die wirtschaftliche Bedeutung des Tagestourismus" auf, so Bernard.

 

Führungen durch die Felsenkeller bietet Michael Wirth als Nachfolger seines Vaters Erich, der viele Jahre lang die Erklärungen gab und sogar aus eigener Erfahrung berichtete (Familie Wirth betreibt seit 80 Jahren einen der Keller). Die Führungen finden statt am Samstag, 25. August; Samstag, 1. September; Mittwoch, 12. September; Samstag, 22. September; und Samstag, 29. September; jeweils um 10 Uhr.

 

Aus Rücksicht auf Fledermäuse, die die Keller als Quartier nutzen, finden von Oktober bis April keine Führungen statt. Es gibt auch spezielle Kinderführungen an ausgewählten Terminen. Dabei wird versucht, den lang verschollenen Schatz der Felsenkeller zu finden.

 

 

Bilder:

 

1x Felsenkellerführung mit Michael Wirth (geblitzt)

 

1x Felsenkeller ohne Führung und ohne Blitz



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