Ebermannstadt
Firmenportrait

Ebermannstadt: Die Schreinerei Lange ist seit 170 Jahren in Familienhand

Die Schreinerei Lange in Ebermannstadt besteht seit 170 Jahren. Das wird am Wochenende gefeiert.
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Foto: Josef Hofbauer
Foto: Josef Hofbauer
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Mit einem Tag der offenen Tür feiert die Hannes Lange Schreinerei GmbH & Co. KG am Wochenende das 170-jährige Bestehen des Unternehmens. Das älteste Dokument, das an den Firmengründer Johann Köfferlein erinnert, ist eine Rechnung für geschnittene Bretter aus dem Jahr 1850, von Hand geschrieben in deutscher Kurrentschrift.

Zusammen mit einer Gesundheitsbescheinigung Köfferleins aus dem Jahr 1854 und einem Postabgabeschein aus dem Königreich Bayern für eine Holzlieferung haben die Papiere in einem DIN A 3 Kuvert die Zeiten überdauert.

Lange Geschichte

"Es gibt nicht viele Betriebe, die auf eine derart lange Geschichte zurückblicken können", zeigt sich Johannes Lange stolz auf die Tradition seines Unternehmens, das 1909 Köfferleins Neffe Johann Lange übernahm. Der Ur-Urgroßvater des jetzigen Besitzers hatte bei seinem Onkel, der kinderlos geblieben war, das Schreinerhandwerk erlernt. Bis 1977 führte Baptist Lange den noch kleinen Handwerksbetrieb zusammen mit einer Landwirtschaft. Nur während des zweiten Weltkrieges ruhte der Betrieb.

Erhalten geblieben ist auch das Gesuch um die Entlassung des Obergefreiten Baptist Lange aus amerikanischer Gefangenschaft. "Er wurde im Betrieb gebraucht, denn damals gab es noch den Meister-Zwang. Ohne Meister keine Schreinerei", verdeutlicht es Hannes Lange. Von Babptist Lange ist ein Schreiben aus dem Jahr 1946 überliefert, in dem er für seine Mitarbeitern eine Schwerarbeiter-Zulage beantragt.

Damals fertigte die Schreinerei Lange Fenster, Türen, Möbel und sogar Radiogehäuse in Kleinserien. Das Holz kam aus dem eigenen Wald. "Die Ökobilanz hat bereits bei meinem Opa gestimmt", betont Hannes Lange, der in seinem Betrieb auf Nachhaltigkeit setzt.

Stetiges Wachstum

1977 übernahm Hans Lange das Unternehmen und errichtete ein neues Werksgebäude. Stetiges Wachstum führte zu einer weiteren Expansion 1990. Da entstand an der Friedhofstraße auf einem 5000 Quadratmeter großen Grundstück das jetzige Betriebsgebäude mit 1800 Quadratmetern Geschossfläche und 300 Quadratmetern Ausstellungsräumen, Büros und Sozialräumen. Hans Lange hatte längst erkannt, dass industriell strukturierte Betriebe Holzfenster schneller, günstiger und qualitativ besser herstellen konnten.

"Mein Vater legte daher den Schwerpunkt auf individuelle Haus- und Innentüren, Möbel und den Innenausbau für Privat- und Geschäftskunden", erzählt Innungsmitglied Lange. Das Holz stammt auch aus dem eigenen Wald.

"Wir legen Wert auf Qualität", betont der Firmeninhaber, der in der Schreinerei über zehn Mitarbeiter beschäftigt. Eine computergesteuerte Holztrocknungsanlage, ebenfalls computergesteuerte Profil-Fräs- und Breitband-Schleifmaschinen und zwei CNC-Bearbeitungszentrum gehören längst zur Standard-Ausrüstung des Unternehmens.

Investitionen sind wichtig

"Wir haben uns für Investitionen entschieden", erklärt Lange, denn auch im Schreiner-Beruf sei zunehmend Innovation gefragt. Viele Kollegen haben sich auf Montage und Reparaturen verlegt. Andere kooperieren mit Franchise-Unternehmen, produzieren in Serie oder reparieren Möbel, Fenster und Türen.

"Da wir maschinell auf dem neuesten Stand sind, stellen wir unsere Ausrüstung auch unseren Schreinerkollegen zur Verfügung, die sich diese Investitionen nicht leisten wollten oder diese nicht auslasten könnten. Die Kollegen sagen uns, was sie brauchen und zwei Tage später ist die Ware in entsprechender Stückzahl beschriftet zur Abholung bereit."

Daneben betreut die Schreinerei Lange vor allem Privatkunden. Diese Klientel setzt vor allem dann auf den Schreiner, wenn jemand mehr will als nur das Alltägliche. Die Behaglichkeit einer Wohnung, die funktionalen und ästhetischen Belange der Arbeitsplätze, freundlich gestaltete Gaststätten, Ladenbau oder repräsentative Räume wie Theater und Kirchen verlangten die Kompetenz des Schreiners in Sachen Gestaltung mit Holz.

Die Schreinerei Lange, so verrät Firmeninhaber Lange ist auch Mitglied der Erfahrungsaustauschgruppe (ERFA), einer Gruppe von ähnlich strukturierten Betrieben, die sich ein- bis zweimal pro Jahr treffen. Grundsätzlich starten die Treffen mit einer Bewertung des gastgebenden Unternehmens anhand einer differenzierten Checkliste. Die jeweiligen Betriebsbewertungen werden mit den Durchschnittsnoten aller Mitglieder verglichen, so dass der jeweilige Gastgeber eine Fülle an Ideen und Anregungen erhält. Dies reiche von der Nutzung von EDV-Systemen über die Betriebsorganisation bis zum Lagerwesen, Marketing und der Kalkulation. Ebenso gehört die Schreinerei Lange dem Qualitätsverbund umweltbewusster Handwerksbetriebe an. Im vergangenen Jahr belegte die Schreinerei Lange beim Thalhofer-Preis vom Landesfachverband Schreinerhandwerk Bayern Platz zwei. Der Preis wurde mit dem Ziel gestiftet, herausragende Leistungen und das handwerkliche Können im Schreinerhandwerk auszuzeichnen, sowie innovative Entwicklungen zu stärken.

Mit Preisen ausgezeichnet

Beim Wettbewerb "Die gute Form", die für zeitlos gültiges Design steht, erreichte Mitarbeiter Kilian Dremel heuer den dritten Preis. Die Anforderungen: Durch eine funktionelle, sachliche und trotzdem ästhetisch gültige Gestaltung sollte eine Dauerhaftigkeit der Dinge geschaffen werden, die über den modischen Zeitgeist hinausgeht. Darüber hinaus begreift sich Lange als Problemlöser mit dem Werkstoff Holz. So hat er bereits vor acht Jahren ein Gebrauchsmuster patentieren lassen, dass es erlaubt hochwertige Transformatoren und Motoren sicher zu transportieren.

Für den findigen Unternehmer sind innovative Lösungen ein Aspekt der Zukunftssicherung. "Wenn du überleben willst, musst du jährlich sieben Prozent deines Umsatzes mit Produkten generieren, die du vor einem Jahr noch gar nicht gekannt hast", hat sich Lange zum Ziel gesetzt.



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