Baiersdorf
Hochwasserschutz

Durch Rohr könnten 14 Kubikmeter Hochwasser pro Sekunde abfließen

Seit Jahren wird überlegt, wie Baiersdorfs Ortsteil Igelsdorf vor einem 100-jährigen Hochwasser geschützt werden kann.
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Symbolfoto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Symbolfoto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
"Beim Wasserwirtschaftsamt hat es einen Hirnsturm gegeben", teilte Bürgermeister Andreas Galster (CSU) dem Baiersdorfer Stadtrat auf Nachfrage von Karlheinz Roll (ÖWG) mit. Ansatzpunkt für die Fachleute ist es, das Wasser des Schlangenbachs möglichst früh abzugreifen und um den Ort herumzuleiten.

Der Bach nimmt vor allem bis Langensendelbach Wasser auf, das sich an den Hängen des Höhenzugs von Marloffstein sammelt. Erste Möglichkeit wäre an der Seebruck in Langensendelbach gewesen, wo Wasser nach Nordosten über den Eschengraben zum Kreuzbach hätte abgeleitet werden können. Diese Variante hätte aber bebautes Gebiet betroffen.


Der Weg nach Süden

So bleibt nur der Weg nach Süden. Eine Ableitung im Gefälle zum Neuweiher, wobei die Straße zwischen Baiersdorf und Langensendelbach als Damm gewirkt hätte, hat auch Nachteile. Deswegen favorisiert das Amt eine Lösung mit Verrohrung bis südlich von Igelsdorf. Von dort aus könnten die gesamten Mengen über das von Baiersdorf schon erworbene Gelände Richtung Regnitz abfließen.

Dort gibt es auch Rückhalteflächen von 60.000 Quadratmetern. Eine Unterdükerung (Unterführung) der ICE-Trasse ist nach Auskünften aus dem Amt technisch kein Problem. Roll zweifelte, ob ein Rohr reicht, um Hochwasser, das Kilometer überschwemmt, abzuleiten. "Ein Rohr von 2,5 Metern Durchmesser soll reichen", übermittelte Galster. Dadurch könnten 14 Kubikmeter pro Sekunde abfließen. Für die Regnitz soll ein Zufluss von 16 Kubikmetern pro Sekunden unproblematisch sein.


Nahwärmenetz für Innenstadt

Ein Nahwärmenetz in der Innenstadt könnte Realität werden. Zumindest hat die Eigentümerin eines für die Heizzentrale günstig gelegenen Grundstücks einen Verkauf zu diesem Zweck zugestimmt, teilte Galster mit. In eine konkrete Phase ist bereits das Nahwärmenetz um die Mittelschule gekommen. Dort soll ein Holzvergaser das Gas erzeugen, das über ein Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme wird. Versorgt werden sollen damit die Schule und mehrere große Wohnblöcke, besonders auch die Bauten, die auf dem so genannten Reichelgrundstück entstehen sollen. Auch der Baiersdorfer SV könnte sich anschließen. Allein der dort erzeugte Strom deckte knapp zehn Prozent der in ganz Baiersdorf verbrauchten Menge ab. "Wenn das läuft, steigert es die Attraktivität von Netzen anderswo", ist Galster zuversichtlich.

Andreas Galster ist kein Freund der kaufmännischen Buchführung für Kommunen. Dennoch verschließt sich die Stadt nicht, eine Anlagenbuchhaltung aufzubauen, wie das von der EU zur Vereinheitlichung des Wirtschaftens auf kommunaler Ebene angestrebt wird. Mit weiteren Kommunen aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt wird das Projekt angegangen. Galster und SPD-Fraktionssprecher Jürgen Ries sehen in der Anlagenbuchhaltung einen Informationsgewinn, denn erfasste Anschaffungsdaten gäben Hinweise auf Erneuerungsbedarf.


Edleres Pflaster

Das erste Arbeitstreffen für die Erneuerung der Hauptstraße war zahlreich besucht und inhaltlich erfolgreich. Es zeichnet sich eine Tendenz ab, dass auch die Anlieger zwischen Forchheimer Tor und Jahnstraße die "edlere" Pflasterung der Gehwege wie im eigentlichen Altstadtkern bevorzugen würden. Die Vorschläge werden nun eingearbeitet, eine zweite Beteiligungsrunde der Bürger soll vor Aschermittwoch stattfinden.


Gebühren für Schmutzwasser

Mit Wirkung zum 1. Januar 2018 hat der Stadtrat die Schmutzwassergebühr auf 1,53 Euro pro Kubikmeter festgesetzt. Die Niederschlagswassergebühr beträgt dann 0,21 Euro pro Quadratmeter versiegelter Fläche.

Aus dem Hauptausschuss berichtete Galster, dass eine Machbarkeitsstudie für die Erweiterung der Grundschule ansteht. Architekten und Pädagogen sollen ihre Meinungen darlegen. Das Kernproblem scheinen nicht die Schülerzahlen zu sein. Galster stellte sogar jahrgangsübergreifende Klassen in den Raum. Der erhöhte Raumbedarf resultiert wohl daraus, dass die Mittagsbetreuung mit weit über 100 Kindern nicht in den Schulräumen stattfindet. Außer für eine Mensa dürfte der vorhandene Raum ausreichen, "wenn das ganze Programm in der Schule abläuft", stellte Galster das Kernproblem dar.


Kreisverkehr als Lösung?

Im Bauausschuss war die Kreuzung des Igelsdorfer Wegs mit der Verbindungsstraße in den Ort ein Thema. Man denkt an einen Kreisverkehr mit einem seitlichen Fußgängerweg. Wegen des Grunderwerbs könnte das aber eine relativ teuere Lösung sein.

Der Vogelschutz im Regnitztal, genauer der für den Kiebitz, soll nach Galster forciert werden. Früher war der Vogel mit der markanten Haube in den Regnitzwiesen häufig, heute sieht man ihn nur noch selten. Ein Grund hierfür sollen Brutstörungen durch Hunde sein. Galster möchte Möglichkeiten zur Wiederansiedlung realisieren. Er denkt an einen Rückzugsraum für die Natur, bei dem die Besucher, aber auch die Landwirtschaft, gelenkt werden. Ausgleichsflächen für Bauvorhaben könnten unter diesem Aspekt geschaffen werden. Als ersten Schritt sollen Biologen die Voraussetzungen und Bedingungen für das Wohlfühlen der Kiebitze erläutern.
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