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Forchheim
Film

Drama im Forchheimer Königsbad

In der Forchheimer Sauna-Dusche im Königsbad spielt eine entscheidende Szene aus dem Filmprojekt "11 Years".
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Regisseur Simon Begemann (rechts) spricht mit Dirk Bender die nächste Szene ab. Fotos: Roepert
Regisseur Simon Begemann (rechts) spricht mit Dirk Bender die nächste Szene ab. Fotos: Roepert
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In der Dusche der Königsbad-Sauna steht Phil, ein nackter, alter Mann. Kamera und Mikrofone sind auf ihn gerichtet. Klappe, Dusche an, Film ab.

Der 86-jährige Phil wird von dem 70-jährigen Dirk Bender gespielt, den manche vielleicht aus dem Film "Schindlers Liste" kennen. Mittlerweile ist Dirk Bender im Ruhestand und unterstützt den Filmnachwuchs.

Simon Begemann, Feodora Frickert, Andreas Schultze, Christina Greiner und Jan Jungbluth haben das Forchheim Königsbad als einen von sieben Drehorten für ihr Bachelor-Filmprojekt "11 Years" ausgewählt. Die Studenten beschäftigen sich seit Jahren mit "Film und Animation" an der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm in Nürnberg. Jetzt arbeiten sie an ihrem Abschluss. Unter anderem in Forchheim, am Walberla, in Pottenstein.
Die Drehorte sind naheliegend, denn Kameramann Andreas Schultze stammt aus Forchheim.
Als die Film-Studenten bei Peter Lutz anfragten, war der begeistert. Lutz ist für das Marketing im Königsbad zuständig. "Ich bin für solche Extra-Touren", sagt er - "eine Saune sollte nicht nur zum Saunieren da sein, sondern auch für Events."

Fünf Stunden lang haben die Nachwuchsfilmer am Freitag gedreht. In dem 16 Minuten-Streifen wird die Sauna-Szene etwa zwei Minuten ausmachen.

Kann man sich ein künstliches Leben kaufen? Das sei das Kernthema von "11 Years", sagt Feodora Frickert (23). Als Produzentin sei sie dafür verantwortlich, "alle Fäden zusammenzuhalten". Das Drehbuch stammt von Regisseur Simon Begemann (27) und von Jan Jungbluth (27), der zudem auf die 3D-Effekte spezialisiert ist.

"Tragische Liebesgeschichte

Das Science-Fiction-Drama spielt im Jahr 2045. Der immens reiche Phil hat in ein Stück neues Leben investiert. Elf Jahre kann er dafür im Körper eines 20-Jährigen leben; darf noch einmal ein junger Phil sein. Er verliebt sich in Liz, verrät ihr aber nicht seine wahre Identität. Die Szene im Königsbad zeigt diesen Moment: Der alte Phil wird nach elf Jahren aus dem Tiefschlaf gerissen und erwacht in seinem 86-jährigen Körper.

Eine "sehr schöne, aber tragische Liebesgeschichte in der Zukunft" sei das, sagt Christine Greiner, die sich am Set um das "Compositing" kümmert. Regisseur und Autor Simon Begemann schätzt an dem Genre Science-Fiction, "dass man mit Gedanken spielen und Effekte einbauen kann". Das Drehbuch sei von klassischen Themen geprägt: "Es geht um die Angst vor dem Tod, um den Wunsch, noch einmal jung und jemand anderes sein zu können und sich selbst neu kreieren zu wollen", erklärt Regisseur Begemann.

"Was Neues" ist der Dreh auch für den erfahrenen Darsteller Dirk Bender. Der 70-Jährige sagt allerdings, dass er sich kein neues Leben kaufen würde, wenn er die Chance dazu hätte. Andererseits frage er sich schon, fügt er scherzend hinzu: "Warum spiel ich den alten - und nicht den jungen Phil, der hat wenigstens Liebesszenen."
Sechs Monate Drehzeit sind für "11 Years" vorgesehen. Das Budget liegt bei minimalen 8000 Euro. Die Studenten tragen die Kosten selbst. "So was Verrücktes macht man nur, wenn man jung ist", sagt Andreas Schultze. Der 23-jährige Kameramann schließt mit diesem Dreh seine Studien an der Simon-Ohm- Hochschule ab. Für die weitere Laufbahn sei der Abschluss gar nicht so wichtig, meint er: "Man muss Ideen und ein bisschen Glück mitbringen."

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