Forchheim

Dissonanzen um Kulturförderung

Die Neue Philharmonie Forchheim ringt um finanzielle Unterstützung. Die Kulturbeauftragte Katja Browarzik lehnt einen Förderantrag ab.
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Das Premierenkonzert der Neuen Philharmonie Forchheim, hier mit Peter Kammler als Dirigent, sorgte 2015 für stürmische Ovationen bei den Zuhörern.  Foto: Archiv Roland Rinklef
Das Premierenkonzert der Neuen Philharmonie Forchheim, hier mit Peter Kammler als Dirigent, sorgte 2015 für stürmische Ovationen bei den Zuhörern. Foto: Archiv Roland Rinklef
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Für die Freunde klassischer Musik ist es ist eine feste Größe im Veranstaltungskalender: Das Jahreskonzert, mit dem die Neue Philharmonie Forchheim stets nach Ostern aufhorchen lässt. Doch heuer blieben die Instrumente stumm und das sonst bis auf den letzten Platz besetzte Kolpinghaus stand leer. Denn das 2014 gegründete Orchester sah sich gezwungen, sein Konzert erstmals abzusagen - aus Kostengründen. Genauer gesagt: Weil die Stadt Forchheim den Antrag auf Förderung der Neuen Philharmonie Forchheim abgelehnt hat.
Dabei begann alles so harmonisch: Der generationenübergreifend besetzte Klangkörper aus Profis und talentierten Amateuren konnte sich bei seiner Premiere im April 2015 nicht nur stürmischer Ovationen des Publikums sondern auch einer Förderung seiner weiteren Konzerte durch den damaligen und inzwischen im Ruhestand weilenden Kulturreferenten Dieter George erfreuen. Dies änderte sich jedoch , als Katja Browarzik 2016 das Zepter der städtischen Kulturarbeit übernahm. Denn von da an scheiterte Peter Kammler, Vorsitzender und Dirigent der Orchestervereinigung, mit seinem Antrag auf Förderung der Neuen Philharmonie Forchheim.


Erfolg wird nicht belohnt

Nach zwei ausverkauften Konzerten erklärte die neue Kulturbeauftragte in einem Schreiben Mitte 2016: "Nach eingehender Prüfung muss dieser Antrag wie folgt negativ bescheidet werden." Katja Browarzik begründete dies in drei knappen Absätzen:
1. Der Vereinssitz der neuen Philharmonie befinde sich laut Vereinsregister nicht in Forchheim, sondern in Kirchehrenbach. Dadurch sei eine Förderung durch die Stadt Forchheim ausschließlich projektbezogen möglich, erklärt die Kulturbeauftragte.
2. Der Verein betreibe, aus der Sicht von Browarzik, keine dauerhafte und nachhaltige Jugend- und Nachwuchsförderung, was als Voraussetzung der Förderwürdigkeit betrachtet werde.
3. Die kulturelle Tätigkeit des Vereins Neue Philharmonie Forchheim beschränke sich derzeit, auf die Durchführung lediglich eines Jahreskonzertes, das, laut Katja Browarzik, mit Musikern zur Aufführung gebracht werde, die zu einem erheblichen Teil nicht in Forchheim wohnhaft seien. "Durch diese geringe Konzerttätigkeit wird der kulturelle und nachhaltige Mehrwert für die Stadt Forchheim als eher gering eingestuft", stellt die Kulturbeauftragte fest.


Vierteljahr auf Antwort gewartet

Auch ein weiterer Versuch Kammlers, eine Förderung zu erwirken, blieb erfolglos. Anfang Dezember 2017 schrieb er Oberbürgermeister Uwe Kirschstein direkt an - und bekam erst knapp drei Monate später, am 28. Februar 2018, ein von Kirschstein und Browarzik gezeichnetes Antwortschreiben. Auch diesmal negativ. Selbst zwei Gespräche mit der Kulturbeauftragten blieben "unbefriedigend".
Inzwischen hat Peter Kammler noch einmal OB Uwe Kirschstein angeschrieben und gleichzeitig die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen über die Sachlage informiert. Als Orchestervereinigung, die sich den Namen "Neue Philharmonie Forchheim e.V." gegeben habe, so betont Kammler, "ist es für uns und andere nicht nachvollziehbar", dass die Verwaltung jetzt die Ablehnung einer Unterstützung mit dem formalen Sitz des Vereins in Kirchehrenbach (dem Wohnsitz des Vorsitzenden) begründet.
Selbst bei einer Verlegung des Vereinssitzes nach Forchheim - was keine große Sache wäre - bleibt Kammler skeptisch. Es gehe um eine ganz andere Frage: "Will man das, was wir machen, überhaupt fördern?" Browarziks Zweifel an der "Nachhaltigkeit" bezüglich des Mehrwerts für die Stadt hält der Vorsitzende entgegen: "Nachhaltigkeit lässt sich nicht mit der Quantität der Auftritte bemessen, sondern mit der Qualität der Konzerte."
Es gehe darum, sachlich zu klären, ob die Neue Philharmonie Forchheim in ihrem Qualitätsanspruch den Vorstellungen der Stadt entspreche - sowohl kulturell, wie finanziell. "Diese Frage muss geklärt werden", betont Peter Kammler.


Stellungnahme des Oberbürgermeisters:


Auf Anfrage unserer Zeitung zur Ablehnung des Förderantrages der Neuen Philharmonie ließ OB Uwe Kirschstein durch seine Pressestelle Folgendes verlauten: "Es ist richtig, dass der Antrag des Vereins Neue Philharmonie Forchheim auf finanzielle Förderung abschlägig beschieden wurde. Dies geschah streng nach den durch den Stadtrat beschlossenen Richtlinien, nach denen eine institutionelle Jahresförderung durch die Stadt nur für die Vereine möglich ist, die ihren Vereinssitz im Stadtgebiet haben". Peter Kammler sei schon im Jahre 2016 diese Situation dargelegt worden. Dabei sei ihm auch mitgeteilt worden, dass aufgrund dieser Vorgaben 2016 das letzte Mal sei, dass die Philharmonie eine Förderung erhalte. Darüber hinaus sei ihm mitgeteilt worden, dass ein Konzert in Bad Kissingen nicht von der Stadt gefördert werden könne. Zur vorgelegten Gegenüberstellung der Kosten und Einnahmen sei Folgendes zu sagen: Peter Kammler habe Zahlen für ein Konzert in Bad Kissingen sowie für ein Konzert in Forchheim vorgelegt. Ihm sei mitgeteilt worden, dass ein Konzert in Bad Kissingen nicht von der Stadt Forchheim gefördert werden könne und er sei um Vorlage einer neuen Abrechnung gebeten. Daraufhin habe der Vorsitzende eine erneute Gegenüberstellung der Kosten und Einnahmen vorgelegt, in der Bad Kissingen nicht mehr aufgeführt war, die aber die gleichen Zahlen wie die alte Abrechnung enthielt. Daraufhin wurde diese als nicht prüffähig zurückgewiesen.Die Stadtverwaltung halte sich in ihrem Handeln strikt an die Vorgaben der Stadtratsbeschlüsse.


Kommentar von Andreas Oswald: Kultur-Sparbeauftragte

Die Welt der Kunst ist nicht die Welt der Verwaltungsbürokratie. Deshalb tun sich Kulturschaffende oftmals schwer mit kleingeistigen Regularien. Aber anstatt nach Wegen zu suchen, der Neuen Philharmonie Forchheim eine Förderung zu ermöglichen, sucht die städtische Kulturbeauftragte Katja Browarzik mit aller Spitzfindigkeit nach Wegen, den Förderantrag abzulehnen.Das passt ins Bild, das man von ihr hat: Browarzik machte bislang mehr durch das aufmerksam, was sie nicht zustande brachte, als mit dem, was sie bewirkt hat. Ihr Tätigkeitsbericht wurde im Stadtrat als "Bilanz des Scheiterns" bewertet. Doch dazugelernt hat die inzwischen auf eigenen Wunsch als Teilzeitkraft eingestufte Kulturbeauftragte nichts, wie deren eigentümliches Verständnis von Kulturförderung zeigt. Die Kulturbeauftragte versteht sich offensichtlich als Sparbeauftragte und wird zur Kulturbremse.
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD)sei hier an seine Wahlkampfversprechen erinnert (FT, 10. Februar 2016): "...nämlich vielfältige kulturelle Angebote und deren professionelle Koordination. Solche Aufgaben brauchen ein professionelles Kulturmanagement".
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