Gräfenberg
Kriminalität

Dieseldiebstähle im Gräfenberger Raum nehmen zu

Seit einigen Wochen wird vermehrt von Baustellen im südlichen Landkreis Forchheim Diesel in großen Mengen abgezapft. Die Polizei verstärkt ihre Streife.
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Auch bei der Firma Gühl, die  gerade den Schulbusbahnhof in Gräfenberg saniert,  wurden 400 Liter Diesel  abgezapft. Foto: Petra Malbrich
Auch bei der Firma Gühl, die gerade den Schulbusbahnhof in Gräfenberg saniert, wurden 400 Liter Diesel abgezapft. Foto: Petra Malbrich

Als es vor einer Woche zum ersten Mal passierte, wussten die Verantwortlichen der Firma Bärnreuther-Deuerlein noch nicht genau, ob es sich um einen Diebstahl handelte. Der Tank im Bagger war leer, der Fahrer hatte Urlaub. Vergangene Woche jedoch war die Sachlage eindeutig: "Der Tankdeckel hatte daneben gelegen", sagt Betriebsleiter Frank Eichler. 700 Liter Diesel waren aus dem Bagger gepumpt worden. Doch das war nicht der einzige Fall von Dieseldiebstahl im Gräfenberger Raum. Seit einigen Wochen werden im Bereich Gräfenberg, Egloffstein und Leutenbach vermehrt Dieselfahrzeuge leergepumpt, hauptsächlich an den Wochenenden. Die Vorgehensweise der Täter ist den Mitarbeitern der Baubranche nicht unbekannt. Meist in Transportern, in sogenannten Sprintern, sei ein 1000-Liter-Kunststofffass mit Pumpe und Schlauch angebracht. Am Schlauch wird wohl ein Kunststoffrohr installiert, das Einkerbungen hat. "Damit kommen sie bis zum Ende des Tanks", erklärt Eichler.

In gut 20 Minuten

Mit dieser Vorgehensweise kann der Tank bis auf den letzten Tropfen leergepumpt werden. In gut 20 Minuten sei das bewerkstelligt. Da die Baustellen außerhalb von Ortschaften liegen, wird vermutet, dass der oder die Täter über einen Feldweg anfahren, natürlich ohne die Scheinwerfer eingeschaltet zu haben. Warum gerade Diesel? "Diesel ist nicht so explosionsgefährlich", sagt Eichler. Die Mitarbeiter der Polizeiinspektion Ebermannstadt ermitteln und haben dazu erst vor wenigen Tagen um Hinweise aus der Bevölkerung gebeten. "Die Täter suchten hauptsächlich Baustellen außerhalb der Ortschaften auf", erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter Rainer Penning. Außerorts liegt auch die Baustelle der Firma Bärnreuther-Deuerlein, die an der Umgehungsstraße bei Kasberg mit dem Bagger arbeitet. Am Rande der Stadt Gräfenberg ist auch die Baustelle am Schulbusbahnhof. Außerhalb der Ortschaft und somit wenig frequentiert arbeiten die Mitarbeiter der Firma Rädlinger, die gerade die Verbindungsstraße von Kasberg nach Neusles sanieren. "Dieseldiebstähle gibt es schon lange", weiß Stefan Lüttig, der Oberbauleiter der Firma Rädlinger. "Die Leute müssen sich ungestört fühlen. In einem Ort, wo es lebhaft ist, kommen Dieseldiebstähle kaum vor. Aber wo sich jemand ungestört fühlt, gibt es immer jemanden, der dieses ,Handwerk' verrichtet", erklärt Lüttig. Den Diebstahl festgestellt hatte der Polier. Grundsätzlich ist die Firma selbst nur selten von den Diebstählen betroffen, arbeitet sie doch meist in gut frequentierter Lage. Die Firma Bärnreuther-Deuerlein war an einem anderen Standort schon von den Dieseldiebstählen betroffen. In der Gräfenberger Niederlassung ist inzwischen alles gesichert und wird mit Kameras bewacht. An den Baustellen außerorts ist dies jedoch nur schwer möglich.

Die Täter verscheuchen

"Licht und Helligkeit verscheuchen den Täter", informiert Penning. Wenn möglich, könnte eine Baustellenbeleuchtung bei Nacht eingerichtet werden, raten die Polizeibeamten, die auch vermehrt Streife fahren. Die Firmenverantwortlichen selbst treffen auch Vorsorge. So lässt die Firma Bärnreuther-Deuerlein den Bagger abends von der Baustelle abziehen. Viel Zeit geht verloren, wenn das Gerät, das 7,4 Tonnen Eigengewicht hat, jeden Abend in das Firmengelände gefahren und morgens die Baustelle wieder anfahren muss. Alleine für den kurzen Weg sind schnell eineinhalb Stunden verloren. Hat eine Firma nicht die Gelegenheit, abends ins Firmengelände zu fahren, gibt es andere Möglichkeiten. "Wir stellen die Geräte so, dass sie im Blick sind", erklärt Lüttig. Oder: "Wir tanken nur so viel, dass es für den Arbeitstag reicht", erklärt Eichler. Am Abend sei der Tank des Baggers fast leer.

Mobile Tankfässer

Betankt wird er durch mobile Tankfässer, die zur Arbeitsstelle gebracht werden. Andere Firmen lassen normale Tankwagen kommen. Das Phänomen Dieseldiebstahl kommt nicht nur im Landkreis Forchheim, sondern in ganz Oberfranken immer wieder vor. Wie durch das Zubehör bei Kontrollen immer wieder festgestellt werde handele es sich bei den Tätern hauptsächlich um Personen aus Ost- oder Südosteuropa, wie Anne Höfer, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, informiert. Meist werde der Diesel von Lastwagen auf Parkplätzen oder auf Baustellen abgezapft. "In der Regel für den Eigenverbrauch", sagt die Polizeisprecherin. Kanister in den Autos seien bei den Kontrollen oft ein Hinweis dafür.



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