Forchheim
Abgasdebatte

Dieselaffäre bremst Autoverkauf in Forchheim

Auch in Forchheim spüren Fahrzeughändler eine Kaufzurückhaltung. Die Kunden fühlen sich durch die Diskussionen um Dieselfahrverbote verunsichert.
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Der Dieselmotor ist als Kraftstoff sparende Technologie noch immer beliebt bei Autofahrern, die viel unterwegs sind.  Foto: Andreas Oswald
Der Dieselmotor ist als Kraftstoff sparende Technologie noch immer beliebt bei Autofahrern, die viel unterwegs sind. Foto: Andreas Oswald
Die derzeitige Diesel-Debatte sorgt für Verunsicherung, sowohl bei bei Autofahrern als auch bei Fahrzeughändlern. "Wir bestellen momentan weniger Dieselfahrzeuge - das Verhältnis geht zu Gunsten der Benziner", sagt Thomas Dost, Geschäftsführer der Forchheimer Niederlassung des Autohauses Feser-Biemann, das in der Äußeren Nürnberger Straße die Marken VW, Seat und Skoda verkauft. Eine Kaufzurückhaltung sei beim Diesel bereits spürbar, berichtet der Autohändler. Wie Thomas Dost erklärt, bestehe bei der Kundschaft zwar nach wie vor die Notwendigkeit, sich ein Fahrzeug anzuschaffen, "aber die Kaufentscheidung wird noch aufgeschoben, bis klare politische Weichenstellungen erkennbar sind".


Totgesagte leben länger

Für den Tod des Diesels gebe es keine Veranlassung, betont der VW-Händler - diese Technologie sei weit entwickelt, zu Unrecht in Verruf und in vielen Nutzungsbereichen unverzichtbar. Ähnliches ist auch von anderen Autohändlern zu hören, die allerdings nicht namentlich zu einer Stellungnahme bereit waren, weil sie über die politische und mediale Diskussion verärgert sind. Nur Alois Schönhofer Senior, dessen Sohn den gleichnamigen freien Autohandel in der Bayreuther Straße betreibt, nimmt sich kein Blatt vor den Mund: "Das wird alles nur aufgeputscht von den Grünen". Er besitze selbst einen Diesel, "und den fahre ich, bis er zusammenbricht". Verkaufen lohne sich wegen des Preisverfalles nicht. Diesen würden sich jetzt Käufer aus dem benachbarten Ausland zu Nutze machen, die dann mit den günstig gekauften Dieselfahrzeugen wieder über deutsche Straßen rollen, stellt ein anderer Händler sarkastisch fest.


Diesel zum Schnäppchenpreis

Weil die Selbstzünder derzeit alles anderer als Selbstläufer sind, und Angebot und Nachfrage bekanntlich den Preis bestimmen, kann der Kauf eines Diesels zum Schnäppchen werden: So berichtet Elke Mölkner aus Dormitz, dass sich ihr Vater kürzlich einen "gut reduzierten" Diesel habe kaufen können. Ein Benziner sei als Neuwagen auf die Schnelle überhaupt nicht zu bekommen, berichtet Elke Mölkner. Die Dormitzerin ärgert sich über die undifferenzierten Diskussionen, die derzeit zum Thema Fahrverbote geführt würden. Man müsse unterscheiden zwischen dem Individualverkehr in den Städten und den betrieblich genutzten Fahrzeugen. Für viele Pendler sei das Auto unverzichtbar und für Kilometerfresser sei der Diesel alternativlos. So wie für Reinhold M. aus der Oberpfalz. Er ist Berufspendler. Seit vergangenen Jahr fährt er einen Selbstzünder. "Ich bin vom Benziner auf einen sparsameren Diesel umgestiegen, weil ich nicht mehr des Tankwarts bester Freund sein will". Er sieht der Zukunft und der nächsten Hauptuntersuchung beim Tüv gelassen entgegen. Kann er auch. "Aktuell prüfen wir so, wie wir immer geprüft haben", erklärt der Sprecher vom Tüv-Süd, Vincenzo Luca. Die Abgasmessung bei der Hauptuntersuchung habe das Ziel, festzustellen ob ein Abgasreinigungssystem vorhanden sei und ob es entsprechend den vom Gesetz vorgegebenen Parametern funktioniere.
Nicht zu verwechseln mit der Hauptuntersuchung sei die Abgasuntersuchung zur Typenzulassung - die gebe der Hersteller in Auftrag, um die Zulassung eines neuen Modells beim Kraftfahrtbundesamtes zu erwirken, erklärt Luca. Genau hier habe es die Problematik mit der manipulierten Software gegeben. Zum 1. September werde es bei der Typenzulassung einen strengerer Prüfzyklus geben, zusätzlich eine Real-Emissionsmessung, bei der der Laborwert maximal um das 2,1-fache überschritten werden dürfe.


Kommentar: Politischer Schadstoff-Ausstoß

Auch ich habe ein Auto, und, ja, ich fahre gerne damit. Weil es mir ein Stück Unabhängigkeit bietet. Unbestritten: Die Feinstaubbelastung in manchen Metropolen geht zeitweise durch die Decke - aber nicht nur wegen der Autoabgase sondern auch wegen anderer Umwelteinflüsse, von den Industrieemissionen bis zu dem, was aus unseren Hausschlöten quillt. Hier tun nachhaltige Lösungen auf den verschiedensten Ebenen not, aber keine undurchdachten Schnellschüsse auf die Dieseltechnologie.
Den größten Schadstoffausstoß produziert derzeit die Politik roter und grüner Couleur, die sich in der Demontage einer der bedeutendsten deutschen Industriezweige übt - und damit die Arbeitsplätze von über 800 000 Beschäftigten in der Automobilindustrie gefährdet -und deren Zulieferern, die übrigens auch im Landkreis Forchheim ansässig sind. Wenn die Forchheimer Bundestagskandidatin der Grünen, Lisa Badum, behauptet, "wir Grünen müssen augenscheinlich die Autoindustrie in Deutschland retten", und auf die Elektromobilität verweist,die laut Bundesparteitag bis 2030 den Verbrennungsmotor ersetzen soll, dann ist Badum selber nicht mehr zu retten.
Wo bitte schön, soll der Strom herkommen, wenn alles elektrisch fährt und bis dahin noch dazu alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind? Auch die millionenfache Produktion von Batterien ist extrem ressourcenfressend, gefolgt vom Entsorgungsproblem. So grün, wie sie uns gemalt wird, ist die E-Mobilität längst nicht. Absurd daher die Forderung des Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir, dass SUV-Besitzer Strafsteuern für die Elektromobilität zahlen sollen. Andreas Oswald
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