Wiesenthau
Urteil

Diebesbande stand auf teure Düfte

Vor dem Amtsgericht Bamberg mussten sich vier Rumänen verantworten, die gezielt Müller-Märkte heimgesucht hatten - auch im Raum Forchheim.
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Mit Bewährungsstrafen kamen vor dem Amtsgericht Bamberg zwei rumänische Ehepaare davon, die in Müller-Märkten hochwertige Drogerieartikel mitgehen ließen.Ferdinand Merzbach
Mit Bewährungsstrafen kamen vor dem Amtsgericht Bamberg zwei rumänische Ehepaare davon, die in Müller-Märkten hochwertige Drogerieartikel mitgehen ließen.Ferdinand Merzbach

Fast fünf Stunden verhandelte das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg. Danach hatten vier Mitglieder einer Bande rumänischer Ladendiebe Bewährungsstrafen bis zu zwei Jahren. Die beiden befreundeten Ehepaare hatten sich auf die Drogeriemarkt-Kette Müller "spezialisiert" und deshalb kurz vor Weihnachten auch in Forchheim zugegriffen. Mit Parfüms im Wert von 3400 Euro waren sie von dort verduftet.

Zweimal am selben Tag

"Es ist schon dreist, dass Sie gleich dreimal in demselben Drogeriemarkt gestohlen haben. Davon zweimal am selben Tag." Gleich an seinem ersten Tag als Vorsitzender Richter hat Michael Herbst es mit echten Profis zu tun. Freilich nur mit dem "Fußvolk", wie es Verteidiger Dieter Widmann nennt. Die Hintermänner kommen bei solchen Tatkomplexen nie zum Vorschein. Man denke nur an die polnischen Schuhdiebe von voriger Woche oder die albanischen Telefonbetrüger, die im letzten Jahr am Landgericht Bamberg saßen. Man macht sich die wirtschaftliche Not zunutze und lässt die "Läufer" das größte Risiko tragen.

Aus der Ferne hatten sie sich aufgemacht und gezielt Drogeriemärkte der Firma Müller ausgekundschaftet. Das zeigten Auswertungen des Navigationsgerätes. Im vorweihnachtlichen Trubel hatten sie wohl damit gerechnet, in den unübersichtlichen Gängen unentdeckt zu bleiben. Die beiden Frauen (32 und 29) hatten sich selbst bedient und eine Vielzahl von Duftwässerchen edelster Sorte in mitgebrachten Tüten oder Manteltaschen verschwinden lassen.

Ihre männlichen Begleiter (37 und 32) schirmten das Geschehen mit ihren Körpern ab. Die Markenprodukte hätten sie, so ihre Angaben, zum Teil selbst behalten, zum Teil an Familienangehörige verschenkt, einen Teil davon aber auch verkauft. Eine Argumentation, die man von Verfahren gegen das Drogenmilieu zur Genüge kennt. Dort werden die verkauften Mengen auch kleingerechnet, um eine geringere Strafe zu bekommen.

Als die Ermittler die Wohnungen der Tatverdächtigen im hessischen Landkreis Offenbach und im NRW-Landkreis Siegen-Wittgenstein durchsuchten, staunten sie nicht schlecht. Es ließen sich nicht nur eine Auswahl gut sortierter Luxusdüfte finden. Von einigen ist bis heute nicht klar, aus welchen Diebestouren sie stammen. Andere konnten inzwischen an die Drogeriemarkt-Kette zurückgegeben werden. Auch rund 2500 Euro Bargeld lagen herum. Glück im Unglück für die vier Angeklagten: Die Summe diente dazu, den noch verbliebenen Schaden von nicht wieder aufgetauchten oder angebrochenen Parfümflakons auszugleichen. Dadurch wurde auch die Freiheitsstrafe geringer.

Was angesichts der Vorstrafen auch dringend nötig war. So hatten sich die beiden Pärchen bereits an den Amtsgerichten Köln, Frankfurt-Höchst, Ludwigshafen, Offenbach, Seligenstadt und Neustadt an der Weinstraße wegen zahlloser gemeinschaftlicher und gewerbsmäßiger Diebstähle hochwertiger Parfüms wiedergefunden. Bislang aber nur Geldstrafen einstecken müssen. Bis auf die 32-jährige Angeklagte, die mit einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe herauskam, weil sie in Bad Vilbel fast 1200 Euro in Form von Flakons entwendet hatte.

Gemeinnützige Arbeit

Die vier Angeklagten saßen zwischen vier und neun Monaten in Untersuchungshaft. Dass das Quartett nicht noch länger hinter Gittern bleiben muss, hat es Geständnissen zu verdanken. Sie sind Teil einer Verständigung, auf die sich das Gericht, Staatsanwalt Andreas Uhlstein und die Rechtsanwälte Dieter Widmann, Maximilian Glabasnia (Bamberg), Stefan Kohler (Forchheim) und Andreas Dräger (Strullendorf) nach eineinhalb Stunden Beratung geeinigt hatten. Dadurch wurde der Prozess abgekürzt, der sonst wohl deutlich länger hätte dauern können.

In der vierjährigen Bewährungszeit dürfen sich die beiden Ehepaare nichts zuschulden kommen lassen. Sie müssen sich um eine Arbeitsstelle bemühen. Außerdem muss jeder zwischen 50 und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Eine Warnung hatte Staatsanwalt Uhlstein noch: "Jetzt ist absolut Schluss. Auch kleine Diebstähle führen ab sofort direkt ins Gefängnis."

Zumindest bei zweien der Angeklagten kommt das zu spät. Bei einer läuft gerade die Berufung gegen acht Monate am Amtsgericht Siegen. Und der andere hat eine achtmonatige Auszeit vom Amtsgericht Heilbronn bekommen.

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