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Lützelsdorf
Obstanbau

Die Sorgen einer Ex-Kirschenkönigin

Sandra Grau und ihre Familie bewirtschaften eine Plantage mir 1200 Bäumen . Zu kämpfen haben sie mit dem Klimawandel, Bürokratie und Konkurrenz.
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Sandra Grau zeigt die Behälter, in denen die Kirschen für die Genossenschaft abgegeben werden müssen. Fotos: Carmen Schwind
Sandra Grau zeigt die Behälter, in denen die Kirschen für die Genossenschaft abgegeben werden müssen. Fotos: Carmen Schwind
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"Ich wünsche mir Respekt und Anerkennung für unsere Arbeit, Unterstützung durch die Politik und Verbraucher, die unsere regionalen Produkte kaufen", fasst die ehemalige Kirschenkönigin Sandra Grau zusammen. Ihre Familie besitzt eine Kirschenplantage bei Lützelsdorf mit 1200 Kirschbäumen, deshalb kennt Sandra Freud und Leid von Obstbauern.

"Wir lieben die Fränkische Schweiz und wir lieben unsere Kirschen. Deshalb legen wir unser ganzes Herzblut in unsere Arbeit", schwärmt Sandra Grau und erzählt von den kritischen Phasen beim Obstanbau. Die erste ist während der Blütezeit, denn hier wird die Ernte angelegt. "Die war heuer gut. Da hat das Wetter gepasst. Bei uns hier gab es zum Glück keinen Spätfrost", erklärt sie und sagt, dass der Baumbehang deshalb extrem hoch ist.

Erst zu wenig, dann zu viel Wasser

Die nächste kritische Phase ist, wenn die Kirschen "röteln", also rot werden. In dieser Zeit fehlte erst Wasser, so dass die Kirschen kleiner seien. "Dann hat es teilweise so stark geregnet, dass uns einige kleinere Bäume mit dem schweren Behang umgefallen sind", berichtet die ehemalige Kirschenkönigin und erklärt, dass Kirschen sehr empfindlich seien und die Obstbauern durchaus den Klimawandel merkten. Außerdem kämpften sie in diesem Jahr noch mit der Trockenheit des letzten Jahres.

Allerdings sei die Haltbarkeit der Kirschen in diesem Jahr sehr gut. "Wenn bei der Ernte so viel Starkregen fällt, dann platzen die Kirschen", erläutert Sandra Grau. Deshalb müssen sie vorbeugen und einerseits Überdachungen für die Bäume anbringen, andererseits Bewässerungsanlagen installieren.

In Lützelsdorf hatten sich mehrere Kirschenanbauer zusammengetan und wollten eine gemeinsame Bewässerungsanlage anschaffen. "Das wurde aber vom Rathaus nicht gewollt", sagt Grau. So muss sich nun jeder selbst um die Bewässerung kümmern.

"Wir vermarkten über die Genossenschaft in Pretzfeld. Da werden Kirschen nach Größe spezifiziert", erklärt Sandra Grau. Die kleinsten sind sogenannte "Industrieware" und werden zum Beispiel als Marmelade weiterverarbeitet. Bisher konnten die Kirschenanbauer diese Ware immer abliefern; das geht in diesem Jahr allerdings nicht mehr. "Weil die Industrieware nicht mehr abgegeben werden kann, bleiben die Kirschen halt einfach an den Bäumen hängen, denn der Aufwand, sie zu ernten, rentiert sich nicht", sagt die ehemalige Kirschenkönigin.

Papierkram mit Saisonarbeitern

Bei der Ernte hilft die ganze Familie mit. Doch das reicht nicht. Deshalb werden Saisonarbeiter benötigt. "Wir finden kaum mehr Deutsche, die helfen wollen. Früher hatten wir Polen, jetzt Rumänen, die uns helfen", erzählt Sandra Grau. Das bedeutet aber auch viel Papierkram. Neben diesem muss auch noch alles dokumentiert werden: zum Beispiel der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. "Wir setzen so wenig wie möglich ein. Anders ist das in anderen Ländern. Da sind die Vorschriften nicht so streng. Und die bieten dann ihre Kirschen billig in Supermärkten an", ärgert sich Grau und appelliert an Politiker und Verbraucher, hier die eigene Landwirtschaft zu unterstützen: "Uns wird sogar die Handseife vorgeschrieben, die wir beim Kontakt mit Kirschen benutzen müssen."

Außerdem müssen sich Obstbauern ständig informieren und weiterbilden. Eben wegen des veränderten Klimas arbeitet Familie Grau eng mit der Obstversuchsanlage in Hiltpoltstein zusammen. "Wichtig ist das Wasser, aber auch der Schutz vor Starkregen. Dann kommt der richtige Schnitt dazu und man muss unter den Bäumen mähen, damit da keine Schädlinge sind. Dann muss man auch überlegen, ob man vielleicht alte Bäume durch neue und resistentere Sorten ersetzt und vieles mehr", zählt Sandra Grau auf und fragt sich, welches Industrieunternehmen wohl so viel Zeit und Geld in hochwertige Qualität ihrer Produkte investiert, ohne zu wissen, ob sie am Ende überhaupt verkauft werden können.

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