Gräfenberg

Die Scheunen sind ein Gräfenberger Schatz

Das Scheunenviertel in der Egloffsteiner Straße zählt zu ganz besonders interessanten Stellen der Stadt.
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Das Scheunenviertel ist eines der ältesten in Oberfranken und sicher eines der bedeutendsten. Es soll nun zu einem Kompetenzzentrum für Handwerker werden. Foto: Petra Malbrich
Das Scheunenviertel ist eines der ältesten in Oberfranken und sicher eines der bedeutendsten. Es soll nun zu einem Kompetenzzentrum für Handwerker werden. Foto: Petra Malbrich
Das Scheunenviertel in der Egloffsteiner Straße ist eines der bedeutendsten und ältesten Scheunenviertel in östlichen und südlichen Oberfranken. Und es ist ganz bestimmt das wichtigste der vier Gräfenberger Scheunenviertel. Zugleich ist das hohe Alter der Scheunen die Tragik an der Geschichte.
Es gibt viele Schäden, drei der Scheunen sind sogar einsturzgefährdet. Manche haben innen bereits Notsicherungen, bei einer anderen klappt der Giebel nach außen. Durch eine Notsicherung wird dieser gehalten. "Es ist vier vor zwölf", sagte Christiane Reichert vom Büro für Kunst- und Denkmalpflege in Bamberg bei der Vorstellung des kommunalen Denkmalpflegekonzepts (KDK).

Als besonderer Schatz gilt das Scheunenviertel in der Egloffsteiner Straße, das nun gerettet werden soll. 13 Scheunen, ein Wohnhaus, ein Kellerhaus mit Garagenbau, ein Rohbau und eine Abrissstelle bilden das Scheunenviertel. Es ist nach dem Stadtbrand im Jahr 1567 und vor dem Jahr 1639 aus Brandschutzgründen vor der Stadt errichtet worden.

Die Keller - es sind Gewölbekeller - und darauf die Scheunen wurden wohl recht zeitgleich errichtet. Die immense Bedeutung ist mehrfach begründet. Eine Rolle spielt zum einen die besondere topografische Lage. Die Freifläche ist Gemeindegrund. "Wenn der Grund nicht schon immer Gemeindeeigentum gewesen wäre, würde das Scheunenviertel nicht mehr bestehen", sagte Reichert. Viele der Gebäuden datieren ins 17. und 18. Jahrhundert.


Deckung mit Stroh

Viele bauzeitliche Details sind noch erhalten; ein Tor beispielsweise, das bisher sicher noch nie herausgenommen worden ist. Die Dächer sind Satteldächer oder Krüppelwalmdächer mit einem Eulenloch. "Das deutet auf die ursprüngliche Strohdeckung hin", sagte Reichert. Diese hatten alle Scheunen.
Etwas Besonderes sind auch die Gewölbekeller. Links und rechts befinden sich Fasslagerbänke, auf die Bierfässer gestellt wurden. Die Keller sind gegen den Fels gemauert, mit einem ausgeklügelten Be- und Entlüftungssystem über natürliche Spalten im Fels.

Die immensen Schäden an den Bauwerken sind brisant. Vielfach undichte Dachdeckungen, mangelnde oder fehlende Dachentwässerung bewirken dass das Wasser heruntertropft und gegen die Wand klatscht. Die Feuchtschäden von außen können nur schlecht abtrocknen, da die Gebäude von außen verbuschen. Auch innen sind Feuchtschäden sichtbar. "Manche haben schon Notsicherungen", erklärte Reichert. Darüber hinaus gibt es noch gravierende Gefügeschäden; und das, obwohl ein Fachwerk lange braucht, bis es einfällt.
Mit den Ampel-Farben zeigte Reichert die Brisanz auf. Sieben dieser Scheunen stehen bei Rot. Heuer und im kommenden Jahr müsse dort gehandelt werden. Zwei Scheunen sind für eine mittelfristige Lösung eingetragen und acht der Scheunen sind noch relativ gut erhalten.


"Keine Fiktion"

Joachim Schmitz-Klopf von dem Büro Architekten RSP Bayreuth zeigte auf, welche Möglichkeiten es gäbe, das Scheunenviertel zu erhalten. Zunächst solle die Kommune die leerstehenden Scheunen kaufen und dort zunächst Notsicherungen durchführen. Ein Handwerkerkompetenzzentrum solle daraus entstehen. Die Räte waren von dieser Idee begeistert. "Das ist keine Fiktion. Das wird aktuell geplant und ist eine einmalige Chance. Viele Generationen haben schon versucht, das Scheunenviertel mit Leben zu füllen", sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla.


Viele Ideen

Denn das Handwerkerkompetenzzentrum wäre eine von der Stadt errichtete Fortbildungsinstitution für handwerkliche Denkmalpflege in öffentlicher Trägerschaft. Es ist eine Kooperation mit dem geplanten Bachelorstudiengang "Denkmalpflege und Handwerk" geplant, die gemeinsam mit der Uni Bamberg, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg und mit den Handwerkskammern und dem Landesamt für Denkmalpflege getragen würde.
Mittelfristig könne aus den anderen Scheuen Wohnungen, Pensionen oder eine Hotelanlage entstehen. Ideen waren reichlich vorhanden. Werner Wolf (FW), der die Idee auch als Gewinn für die Stadt betrachtete, sah jedoch ein anderes Problem, das die Umsetzung des Gesamtkonzepts erschweren könnte: "Die Keller und die Scheunen gehören unterschiedlichen Eigentümern.

Das war der Punkt, der früher vieles verhindert hat", sagte Wolf. Jürgen Theiler (GBL) hingegen wollte sichergestellt haben, dass auch die Eigentümer, die erst in fünf Jahren mit der Sanierung beginnen, noch eine ebenso gute Förderung erhalten. Und Lars Laufer (CSU) gab zu bedenken, dass sich mit der Neugestaltung des Scheunenviertels auch die Infrastruktur der Stadt ändere. Studenten, Professoren und Touristen würden angezogen werden und dementsprechend müsste auch die Infrastruktur angepasst werden.

Einstimmig beschloss der Gräfenberger Stadtrat, dass erstens Gespräche bezüglich des Kaufs der erforderlichen Scheunen geführt werden und zweitens die nötigen Kontakte zur Umsetzung des Kompetenzzentrums geknüpft werden.

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