Forchheim
Warnstreik

Die Post streikt in Oberfranken nur in Forchheim

Viele Menschen im Landkreis Forchheim haben am Mittwoch vergeblich auf Post gewartet. Grund war ein spontaner Warnstreik der Post-Gewerkschaft Verdi in Nürnberg. 27 Postboten aus Forchheim haben mitgestreikt. Margit Schmidt war dabei.
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Doppelte Arbeit für die Postboten aus Forchheim nach dem Warnstreik in Nürnberg: "Die Post, die am Mittwoch liegen geblieben ist, muss am Donnerstag bearbeitet werden", sagt Margit Schmidt aus Kunreuth. Foto: Nikolas Pelke
Doppelte Arbeit für die Postboten aus Forchheim nach dem Warnstreik in Nürnberg: "Die Post, die am Mittwoch liegen geblieben ist, muss am Donnerstag bearbeitet werden", sagt Margit Schmidt aus Kunreuth. Foto: Nikolas Pelke
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Die Auswirkungen der Arbeitsniederlegung sollten eigentlich in Oberfranken nicht zu spüren sein, weil nur die Mittelfranken zum Streik aufgefordert waren. Die Menschen in der Region Forchheim schauten am Mittwoch trotzdem größtenteils in leere Briefkästen. "Zwei Drittel der Postboten in und um Forchheim befinden sich aktuell im Streik", bestätigte ein Sprecher der Post am Mittwoch auf Anfrage. Grund sei die Tatsache, dass Forchheim traditionell von Nürnberg versorgt werde. Die Post für Bamberg kommt dagegen vom Briefzentrum in Würzburg.

Arbeitnehmer fordern Respekt

Derweil steigt Margit Schmidt aus dem Bus. Mit 26 Post-Kollegen aus Forchheim hat die 52-jährige Briefzustellerin am Warnstreik in Nürnberg teilgenommen. "Die Post in 27 von 38 Bezirken im Landkreis Forchheim wurde heute nicht zugestellt. Wir wollen auch als Arbeitnehmer respektiert werden", sagt die Kunreutherin, die seit 22 Jahren mit dem gelben Post-Auto in der Fränkischen Schweiz unterwegs ist.

Auch Margit Schmidt steht hinter der Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn. "Die Arbeitsbelastung hat sich mindestens verdoppelt", sagt die Postbotin. "Wir müssen für unser Geld ziemlich hart arbeiten." Insbesondere nehme die Paket-Zustellung immer mehr Zeit in Anspruch. Was die Arbeitnehmerin auf die Palme bringt? "Die Post hat einen sehr guten Gewinn gemacht, und wir wollen einfach ein Stück von diesem Gewinn abhaben", fordert Schmidt, die sich seit Jahren in der Gewerkschaft engagiert.

Beamten blieben zu Hause

Meistens bringt sie die Post zu den Menschen nach Gosberg, Wiesenthau, Schlaifhausen und "a bisserl Forchheim". Die Post konnte Margit Schmidt am Mittwoch allerdings nicht verteilen. "Heute früh um sechs Uhr kam der Streikaufruf. Dann sind wir natürlich alle mit nach Nürnberg", erzählt Schmidt weiter. Die Post-Beamten hätte freilich nicht mit auf die Straße gedurft. Aus arbeitsrechtlichen Gründen hätten die Beamten daheim bleiben müssen. "Trotzdem haben uns die Beamten die Daumen gedrückt." Schließlich verdiene man als Post-Beamter auch kein Vermögen.

Neu-Einsteiger bei der Post würden aktuell mit einem Brutto-Stundenlohn von elf Euro beginnen. Das sei sicher nicht wenig. Aber dafür werde auch viel verlangt. Nach der Kundgebung in Nürnberg gehen die Streik-Teilnehmer am frühen Nachmittag in den Feierabend. "Dafür haben wir am Donnerstag die doppelte Arbeit. Die Post, die heute liegen geblieben ist, muss morgen bearbeitet werden."
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