Forchheim
Mode

Die perfekte Dauerwelle: Die Kultfrisur der 1980er Jahre lebt in Forchheim weiter

Axel Meininghaus von der renommierten Forchheimer Friseurschule nimmt uns mit auf eine Styling-Zeitreise zurück in die 80er. Haarkünstler aus ganz Deutschland reisen nach Franken, um die in Vergessenheit geratene Kunst der Dauerwelle zu lernen.
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"Die 80er waren ja meine große Zeit", schwelgt der 65-jährige Forchheimer Axel Meininghaus in Erinnerung. In seiner Akademie lernen die Lehrlinge alle historischen Frisurenstile.  Der 24-jährigen Kundin Sara Haller gefällt es. Foto: Matthias Hoch
"Die 80er waren ja meine große Zeit", schwelgt der 65-jährige Forchheimer Axel Meininghaus in Erinnerung. In seiner Akademie lernen die Lehrlinge alle historischen Frisurenstile. Der 24-jährigen Kundin Sara Haller gefällt es. Foto: Matthias Hoch
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Mit einem hochtoupierten Pony verpasst Axel Meininghaus der neuen Frisur den letzten Schliff. "Das muss schön lockig sein", betont er. Und der jungen Kundin Sara Haller gefällt ihre voluminöse Lockenpracht echt gut - eine Dauerwelle ganz im Stil der 1980er Jahre. "Ich finde es cool. Das ist gar nicht mal so schlecht", meint die 24-Jährige und scherzt: "Jetzt fehlen nur noch die passenden Rollerskates."

Wer eine Zeitreise in die Moden und Trends der Vergangenheit wagen will, ist in der Forchheimer Friseurschule Meininghaus genau richtig. "Unsere Kurse sind historisch aufgebaut. Unsere Lehrlinge lernen die Basistechniken von Grund auf und damit alle historischen Frisurenstile", sagt Akademieleiter Axel Meininghaus. "Und die 80er waren die Dauerwellen-Zeit vor dem Herrn. Damals wollten alle voluminöse, lockige Köpfe haben."

In Forchheim kennt man die perfekten Dauerwelle

Auch die Männer in Forchheim wollten damals eine Haarpracht wie die Fußballstars Toni Schumacher oder Rudi Völler haben. Wer keine Naturlocken hatte, der ließ im Salon nachhelfen. Und die heute oft belächelte Dauerwelle ist eine schwierige Frisur. Die Haarkünstler benötigen neben einer chemischen Flüssigkeit viel Können und Wissen, um aus glatten Haaren wellige zu machen. Spült die Friseurin das Mittel zu früh aus den Haaren, hält die Frisur nicht - spült sie zu spät, gehen die Haare kaputt. Sie muss zudem erkennen, wie die individuellen Haare beschaffen sind, damit das Mittel punktgenau einwirkt. "Dieses Wissen ist verloren gegangen. Die neuen, modischen Salons können das gar nicht mehr", betont Axel Meininghaus.

"Die 80er waren ja meine große Zeit", schwelgt der 65-Jährige in Erinnerung. 1981 heiratete er seine Frau, die auch Friseurin ist. 1989, im Jahr des Mauerfalls, bekommen sie das erste Kind. Sein Vater Lothar Meininghaus hatte bereits 1958 die renommierte Friseur- Akademie in Forchheim gegründet. Als der Vater stirbt, übernimmt mit Mitte 30 der studierte Kunsthistoriker und gelernte Friseur Axel Meininghaus das private Weiterbildungszentrum und baut es weiter aus.

Neonfarben, Nena und NDW

Anders als heute hätten in den 80er Jahren die Leute ihre Haare immer genau an ihre Kleider angepasst. "Die jungen Leute trugen Sachen, die auffällig waren - mit Neonfarben, Glitzer, Stirnbändern oder Federn. Auch Schulterpolster waren in", berichtet Meininghaus von damals. Zusammen mit den Computern war die Synthesizer-Musik auf dem Vormarsch. Die örtlichen Discos, in denen Musik von unter anderem Cindy Lauper oder Boy George lief, wurden zum beliebten Freizeitspaß. Nena schaffte es in den 1980ern zur Musik- und Stilikone. Mit der Neuen Deutschen Welle wurde deutschsprachige Musik weltweit berühmt. Und der Österreicher Falco eroberte global die Charts.

Schwarzenegger, Swayze oder Ryan: Vorbilder diktierten Kleidung und Frisuren

"Damals gab es immer noch ein richtiges Modediktat - auch aus den Filmen heraus", erinnert sich der Styling-Experte Meininghaus. Männer wollten mit Hüfthosen und breiten Jacken aussehen wie Arnold Schwarzenegger in "Terminator". Viele schwärmten nach "Dirty Dancing" für die amerikanischen Schauspieler Patrick Swayze und Jennifer Grey. Und Ende der 80er wollten viele Frauen die Frisur von Meg Ryan aus "Harry und Sally". "Früher hat man sich frisurentechnisch noch aufgebrezelt, das gibt es heute nicht mehr", vermisst der Forchheimer.

Aber tatsächlich gehe der Modetrend langsam wieder zurück in die Zeit vor über 30 Jahren, bemerkt Meininghaus. Die Forchheimer Friseurschule gebe wieder häufig Dauerwellen-Schulungen für Salons aus ganz Deutschland - ob aus Mannheim, Saarbrücken, Hannover oder Braunschweig, "Die Leute wollen die Dauerwelle wieder haben, aber viele Salons können es nicht mehr", sagt der Schulleiter. "Auch unsere Lehrlinge mögen den Stil wieder. Die 80er sind wieder beliebt." Bei der Akademie Meininghaus in Forchheim soll die Kultfrisur der 1980er Jahre am Leben gehalten werden.

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