Willersdorf
Handwerk

Die Limo-Quelle aus Willersdorf sprudelt seit 40 Jahren

Angefangen hat alles 1971, als Erwin Ackermann (71) Wasser der Kreuzberg-Quelle abfüllte und erstmals die Kreuzberg-Limonade herstellte. Heute ist daraus ein Betrieb geworden mit einem Jahresausstoß von 25.000 Hektolitern Limo und Fruchtsaftgetränken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Aus diesen Tanks wird die Limonade in die Flaschen gepumpt. Fotos: Josef Hofbauer
Aus diesen Tanks wird die Limonade in die Flaschen gepumpt. Fotos: Josef Hofbauer
+12 Bilder
"Der Betrieb platzt aus allen Nähten", sagt Firmenchefin Heike Ackermann (38), Erwins Tochter. Deshalb wird eine 800 Quadratmeter große Halle angebaut. "In sechs Wochen muss sie stehen", bekräftigt ihr Mann Jürgen (39), gelernter Maschinenbauer, Getränkemeister und Betriebswirt, der die Produktion erweitern will und dafür bereits die Kunden an Land gezogen hat.

Früher wurden acht Leute benötigt, um in einer Stunden rund 3000 Flaschen in die orangen Kästen zu schlichten und für den Vertrieb fertig zu machen. Heute ist nahezu alles automatisiert. "Wir langen nur noch hin, wenn Störungen auftreten, denn jede Berührung ist eine Keim-Quelle. Und Bakterien haben in Getränken nichts verloren", betont Jürgen Ackermann, der seine Frau beim Studium kennengelernt hat.

Mit der Flaschen-Waschanlage hat der Firmenchef, der den Namen seiner Frau angenommen hat, die Zeichen auf Zukunft gestellt.
Die Maschine schafft pro Stunde mehr als 18.000 Stück. Von hier gelangen sie auf ein Transportband mit intelligenter Steuerung, die verhindert, dass Flaschen aneinander stoßen. Hinzu kommt modernste Inspektionstechnik. Auf dem Weg durch die Halle durchlaufen die Glasflaschen eine lasergesteuerte Prüfstation, die Flaschen mit defekten Schraubgewinden oder mit Restwasser - und seien es nur ein paar Tropfen - aussortiert. Ein Stoß Druckluft genügt.


Alles wird dokumentiert

"Der Automat lässt zur Füllstation, die bis zu 10.000 Flaschen pro Stunde schafft, nur das durch, was er genau kennt", verdeutlicht Ackermann. Wichtig dabei: Die Anlage ist so eingestellt, dass Limonade, Fruchtsaft oder Mineralwasser an der Innenwand der Flaschen entlang laufen. "Kohlensäurehaltige Getränke würden sonst zu sehr schäumen", erklärt der Getränkemeister.

Dann wird mit einem dünnen Wasserstrahl das Gewinde gespült. "Damit der Zucker weggewaschen wird und nichts verklebt." Ein Greifarm schraubt in Windeseile den Deckel drauf, ehe die Flasche hinter einem Gehäuse, der Etikettiermaschine, verschwindet. Dann kommt noch einmal eine Laser-Kontrolle. "Von den 13 000 Flaschen, die heute diesen Check durchlaufen haben, waren 111 fehlerhaft. Davon waren 50 unterfüllt und in 106 Fällen fehlte das Etikett", erklärt der Getränkehersteller. Dies alles dokumentiert das Gerät automatisch.

Komplett ohne Muskelkraft werden nun die Kästen befüllt, die auf einem Förderband den Weg Richtung Palettierung antreten. "Die Funktion des Menschen ist reduziert auf die Überwachung der Maschinen", erklärt Jürgen Ackermann. Die ist nötig, denn einmal verkeilt sich eine Flasche auf dem Förderband und bringt den Nachschub ins Stocken, ein andermal zeigt ein Testgerät einen Fehler an. Alle 30.000 Flaschen fordert die Inspektionsmaschine für die Flaschenqualität einen Selbsttest, ehe die Produktion weiter laufen kann.


Wundermittel Velcorin

Immer wieder nimmt Heike eine frisch befüllte Flasche vom Band, öffnet sie und gießt etwas von dem Inhalt in ein Prüfgerät. "Damit testen wir, ob der Zuckergehalt der Limonade stimmt", erklärt Ehemann Jürgen. Auch der Geschmack muss stimmen. Deshalb nimmt der Prüfer öfters einen kräftigen Schluck aus dieser Flasche, die er aussortiert hat.

Damit sich keine Keime einnisten, hat Ackermann ein Dosiergerät angeschafft, das besonders den Getränken mit ernährungsphysiologischen Zusätzen den Stoff Velcorin beimengt. Dieser "Verschwindestoff" verhindert mikrobiologische Reaktionen, zerfällt restlos in Wasser, Sauerstoff und Kohlensäure und ist laut Weltgesundheitsorganisation völlig unbedenklich.

Pro Tag können bis zu vier Getränkesorten abgefüllt werden. Produziert werden aber 23 Sorten, vom erfrischend spritzigen Quellwasser, das aus 65 Metern Tiefe gefördert wird, über Cola-Mischgetränke bis zu Mehrfruchtschorlen, Multivitamin- und Iso-Sportgetränken.

Das jüngste Kind dieser Palette heißt Vita-Fol und wurde in Zusammenarbeit mit der Fachakademie für Getränketechnik in Gräfelfing entwickelt. Die Idee: Ein Produkt mit optimalem Vitamin- und Folsäuregehalt, denn Folsäure ist wichtig für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung. "Bislang musste der erhöhte Bedarf an Folsäure, den besonders Kleinkinder und Schwangere haben, über Tabletten zugeführt werden", erklärt Jürgen Ackermann, der daraus eine Geschäftsidee entwickelte. "Ich wollte ein gesundes Getränk, auch für die eigene Familie, und es hat geklappt", freut sich der Vater von Timo (sechs Jahre) und Niko (fast zwei).


Der FT ist am 9. April zu Gast in Willersdorf


Der FT ist zu Gast in Willersdorf.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren