Forchheim

Die Forchheimer Awo hilft, wenn Menschen aus der Bahn geraten

Der Betreuungsverein der Forchheimer Arbeiterwohlfahrt unterstützt Menschen, die ihren Alltag nicht mehr selbstständig meistern können. Die Zusammenarbeit fußt auf Respekt und dem Grundsatz "Hilfe zur Selbsthilfe".
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Die Awo-Betreuerinnen sind da, wenn Menschen ihre Hilfe benötigen. Foto: p
Die Awo-Betreuerinnen sind da, wenn Menschen ihre Hilfe benötigen. Foto: p
Nicht alle Menschen haben in ihrem näheren Umfeld einen Menschen, dem sie vertrauen und dem sie auch ihre persönlichen Angelegenheiten anvertrauen können. Das kann die Verwaltung des Geldes ebenso betreffen wie andere Dinge des täglichen Lebens.

Manche Menschen kümmern sich selbst darum, dass sie einen Betreuer bekommen. Bei anderen Menschen kann ein Arzt, ein Nachbar oder ein Mitarbeiter in einer Beratungsstelle derjenige sein, der eine Betreuung anregt. Immer aber ist dafür Bedingung, dass dieser Mensch irgendeine Einschränkung hat und deswegen seine eigenen Angelegenheiten nicht mehr selbst erledigen kann. So erklärt das Susanne John. Sie ist Sozialpädagogin im Betreuungsverein der Arbeiterwohlfahrt.

Danach wird in einem ärztlichen Gutachten festgestellt, ob eine psychische, seelische, körperliche oder geistige Beeinträchtigung vorliegt.
Das Amtsgericht muss dann prüfen, in welchem Umfang eine Betreuung gewährt wird.

John selbst betreut hauptamtlich gemeinsam mit zwei anderen Kolleginnen Menschen, die eine Betreuung brauchen. Sie kümmert sich gleichzeitig auch um die ehrenamtlichen Betreuer des Vereins. Elisabeth Wunder ist eine von ihnen. Sie arbeitet als Altenpflegerin und betreut zusätzlich ehrenamtlich zwei weitere alte Menschen.

Das gefällt ihr: "Es ist anders als meine tägliche Arbeit." Während sie mit den Menschen, die sie betreut, ein Schwätzchen hält, kümmert sie sich nebenher darum, dass mit deren Kontoauszügen und Rechnungen alles in Ordnung ist. "Für eine ehrenamtliche Betreuung muss ich nicht viel Zeit investieren", erklärt Wunder, die einfach gern für andere Menschen da ist. Weil sie im Schichtdienst arbeitet, muss der Aufwand neben der Arbeit allerdings in einem vertretbaren Maß bleiben.

Manchmal reiche es, mit den Schützlingen zu telefonieren, manchmal trinke sie mit ihnen Kaffee. Wichtig ist für Wunder, einen guten Kontakt zu ihnen zu bekommen.

Leichte und schwere Fälle

Als das Vormundschaftsgesetz 1992 reformiert worden ist, wurde der Betreuungsverein der Arbeiterwohlfahrt in Forchheim gegründet. Bis dahin übernahmen Rechtsanwälte quasi vom Schreibtisch aus die Betreuungen von Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln konnten.

Das neue Gesetz forderte, dass die Betreuung persönlich die Menschen in ihrem Alltagsleben unterstützen solle. In leichteren Fällen übernahmen somit ehrenamtliche Betreuer diese Unterstützung, für schwierigere Fälle sind die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen im Betreuungsverein gefragt.

Das Wichtigste bei der Betreuung sei der freie Wille des Betreuten, erklärt Susanne John: "Gegen den Willen ist eine Betreuung nicht möglich." Angehörige können eine solche ehrenamtliche Betreuung eines Menschen selbstverständlich auch selbst übernehmen und sich dabei von den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen der Awo unterstützen lassen. Bevor eine ehrenamtliche Betreuung beginnt, haben beide die Möglichkeit, sich bei einem Gespräch zu beschnuppern. So lässt sich schnell feststellen, ob die Chemie stimmt und Betreuer und Betreuter gut miteinander klarkommen.

Sollte der ehrenamtliche Betreuer im Verlauf einer Betreuung merken, dass er durch andere persönliche Verpflichtungen zu wenig Zeit für die Betreuung erübrigen kann, lässt sich das ehrenamtliche Verhältnis auch wieder beenden. Dem Eindruck der Awo nach nimmt die Zahl alleinstehender Menschen stetig. zu. Dabei handele es sich um Menschen ohne tiefe Bindung oder Vertrauen zu anderen Menschen. Hier seien die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Betreuer gefragt.

Hilfe mit den Behörden

Oft gehe es dabei um die Verwaltung von Geld, um Behördengänge und Anträge, aber auch um einen Ansprechpartner, mit dem sich Sorgen besprechen ließen. "Die Betreuten werden immer jünger", sagt John. Noch vor einigen Jahren seien die Betreuten vor allem Senioren gewesen. Das habe sich inzwischen geändert.

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