Ostern

Die 350. Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand

Die Figuren der Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand werden derzeit restauriert. Ein Vortrag lässt die 350-jährige Geschichte lebendig werden.
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Die Karfreitagsprozession in Neunkirchen 1954 Foto: privat
Die Karfreitagsprozession in Neunkirchen 1954 Foto: privat
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Neben Lohr am Main gibt es in Bayern nur in Neunkirchen am Brand eine Karfreitagsprozession, bei der lebensgroße Figuren getragen werden. Die Prozession ausschließlich mit den Figuren zu halten, geht auf die Zeit nach der Säkularisation zurück und ist nur der bekannte Teil der Neunkirchener Karfreitagsprozession, die heuer zum 350. Mal stattfinden wird.

Wenn es anlässlich des Jubiläums auch andere Veranstaltungen gibt, so bleibt eines deutlich: "Es geht nur um die Prozession. Es gibt keinen Unterschied zu den anderen Prozessionen", sagt Wilhelm Geist. Er ist der Vorbeter und leitet die gut 5000 Gläubigen, die nach Neunkirchen kommen, heuer zum 41. Mal an.


Wer hat die Verantwortung?


Über die Karfreitagsprozession wird Wilhelm Geist am Freitag, 23. März, einen Multimediavortrag halten und dabei auf die Geschichte der Prozession in Neunkirchen eingehen. Anders als bislang angenommen gibt es keinen einzigen Hinweis, dass die Figuren und die Prozession in der Verantwortung der Gemeinde liegen. Vor 350 Jahren waren der damalige Pfarrer Wilhelm Kohrmann und der damalige Bürgermeister Michael Weber für die Karfreitagsprozession verantwortlich.

"Die Klöster waren weg, Neunkirchen eine komplett katholische Gemeinde", versucht Geist zu erklären, wie es zu der Annahme kam, dass die Prozession der Gemeinde gehöre. Fest steht, dass schon damals einige der Figuren mitgetragen wurden. Es sind Holzfiguren aus dem Frühbarock, datiert 20 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg.


"Licht des Glaubens erlöscht"

"Das Licht des Glaubens war erlöscht. Mit den Prozessionen und Wallfahrten versuchte man den Glauben zu reformieren", weiß Wilhelm Geist. Eine erste Veröffentlichung über die Neunkirchener Prozession findet sich 1750 in Form einer Prozessionsordnung, die ein Geistlicher geschrieben hat. "Trauer Proceßion des bitteren Leydens und Sterbens Jesu Christi, vorgestellt zu Neunkirchen am Brand den 27. Martij 1750" stand auf dieser Niederschrift.

Weiter geht daraus hervor, dass 95 Personengruppen an der Prozession teilnahmen, auch aus dem benachbarten Dormitz. ",Jona und der Wal' und andere Geschichten aus der Bibel wurden bei der Prozession gespielt. Doch auch die Figuren wurden getragen", erzählt Wilhelm Geist. Allerdings waren diese Darstellungen wie auch Krippen 1806, nach der Säkularisation, verboten.


Die Figuren

"Ausschließlich mit den Figuren hat man dann die Prozession wieder aufleben lassen", erinnert Geist an die 350-jährige Geschichte der Neunkirchener Prozession. Älter als die Prozession ist die Darstellung der Passion in Neunkirchen. So wurde der Ölberg 1492 an der Kirche angebaut, die Monstranz, die an Fronleichnam mitgetragen wird ist aus dem Jahr 1491. Die acht Passionstafeln - gemalt in Öl auf Leinwand und auf Holz aufgezogen nach der Kupferstichpassion von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1520 - sind in der Pfarrkirche angebracht.

Unter Pfarrer Veit Dennert kam die gotische Figur des auferstandenen Christus, die wertvollste Figur, hinzu. Mit 100 Kilogramm ist die Pieta die schwerste Figur, die damals sogar von Frauen getragen wurde. Die Figuren werden derzeit im Skriptorium, einer zweiten Kapelle oberhalb der Augustinuskapelle, restauriert.


Restaurator am Werk

"Der Restaurator schnitzt abgebrochene Finger neu und fügt sie an, spachtelt Risse aus und retuschiert. Neu angemalt werden die Figuren nicht", sagt Wilhelm Geist. Ungefähr 4000 Euro kosten diese Ausbesserungsarbeiten, die von der Gemeinde und der Kirche bezahlt werden. Aber es sind auch schon etliche Spenden eingegangen, verrät Geist.

Insgesamt zehn lebensgroße Figuren werden bei der Prozession getragen und das Reliquienkreuz, mit einem angeblichen Splitter vom Kreuz Jesu. Während der Prozession wird die Kreuzwegandacht gebetet, die Jugend- und Trachtenkapelle begleitet den Gesang der Gläubigen. Statt Glockenläuten setzen die Ratschen ein. Nach der Prozession wird in der Pfarrkirche der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die "Andacht zur Todesangst Christi am Kreuz" beten.


Termine

Freitag, 23. März, 20 Uhr; Multimediavortrag von Wilhelm Geist "Die Neunkirchner Karfreitagsprozession" im katholischen Pfarrgemeindehaus Adolph Kolping
Bis Sonntag, 8. April: Sonderausstellung "Passion und Kreuzigung" im Felix-Müller-Museum in Neunkirchen am Brand (Zehntscheune). Das Museum ist immer sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.
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