Forchheim
Themenwoche Liebe

Diamantbestattung in Forchheim - Liebe nach dem Tod bewahren

Viele Hinterbliebene in Forchheim wünschen sich neue Formen, an ihre geliebten Verstorbenen zu erinnern. Ob Diamant- oder Naturbestattungen - der einzige Weg für diese Trauernden führt über das Ausland.
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Die Forchheimer Bestatterin Tina Keil zeigt, wie die Diamanten aussehen, die aus Teilen der Asche eines Verstorbenen gemacht werden können.  Foto: Ronald Heck
Die Forchheimer Bestatterin Tina Keil zeigt, wie die Diamanten aussehen, die aus Teilen der Asche eines Verstorbenen gemacht werden können. Foto: Ronald Heck
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Bestatter können aus der Asche eines verstorbenen Menschen einen Diamanten formen. Obwohl dies in Deutschland verboten ist, gibt es Möglichkeiten. Das Unternehmen Bestattungen W. Opel in der Bamberger Straße in Forchheim erfüllt rund dreimal im Jahr den Wunsch nach einer Diamantbestattungen. Über eine Bestattungsfirma in der Schweiz können sich auch in Forchheim, Trauernden Alternativen anbieten.

So läuft es ab: Nach der Einäscherung in Deutschland wird die versiegelte Urne vom Krematorium per Post an einen spezialisierten Bestatter in der Schweiz geschickt. Hierzulande ist es eine Straftat, Asche zu entnehmen. Die Schweizer Bestatter nehmen einen Teil der Asche, extrahieren mit einem Verfahren den Kohlenstoff und pressen daraus den Diamanten. Bis der Stein fertig ist, dauert es fünf bis sechs Monate, je nachdem wie groß der Diamant werden soll.

Kostspielige Erinnerung: 18 700 Euro für einen Einkaräter

"Aber die Kosten spielen dabei eine große Rolle", gibt die Bestattungsfachkraft Tina Keil zu bedenken. Die geschliffenen Diamanten gibt es in Größen von 0,3 Karat bis zu einem Karat. Der kleinste Stein kostet 5100 Euro, ein Einkaräter 18 700 Euro. Dazu kommen die Kosten für die Einäscherung und die Beerdigung. Es gibt auch die Möglichkeit, die komplette Asche in einen Zweikaräter-Rohdiamanten (Kosten: 19 700 Euro) formen zu lassen.

Ansonsten kommt die übrige Asche wieder zurück nach Deutschland, wo sie auf dem Friedhof beigesetzt wird. Der Diamant wird entweder zum Bestatter oder direkt zu den Angehörigen geschickt.

"Diese Asche unterliegt bei uns dem Bestattungszwang. Der Diamant ist eine rechtliche Grauzone, weil er nur noch aus Kohlenstoff besteht. Das ist derzeit noch kein Problem, aber ein Verbot könnte eventuell noch kommen", befürchtet Keil. Ein Juwelier könnte diesen Diamant anschließend in eine Kette oder einen Ring einfassen.

Asche in der Natur verstreuen

Oder die Hinterbliebenen entscheiden sich dafür, dass die übrige Asche in der Schweiz verbleibt. Im Gegensatz zu Deutschland sind dort zudem Naturbestattungen erlaubt: Die Asche wird hierbei beispielsweise in einem Bergbach oder auf einer Wiese verstreut. Dies kostet rund 400 bis 500 Euro. Den Wunsch nach einer Naturbestattung in der Schweiz erfüllt das Forchheimer Bestattungsunternehmen aktuell bereits mehrmals im Monat.

In Deutschland ist eine Bestattung nur auf dem Friedhof oder einem Friedwald erlaubt. Im Landkreis gibt es in Ebermannstadt den Friedwald Fränkische Schweiz, der auch in Forchheim nachgefragt sei. "Das Unvorteilhafte in Ebermannstadt ist aber, dass der Friedwald am Hang gebaut ist. Vor allem wenn es feucht ist, ist der Weg dorthin gerade für ältere Menschen sehr schwierig", kritisiert Keil.

Bestattungskultur verändert sich

Dass sich die Bestattungskultur auch in Forchheim verändere, zeige sich auf dem Friedhof, wo immer mehr teilanonyme Gräber nachgefragt werden.

Wenn alternative Bestattungen erleichtert werden, würden sich ihrer Meinung nach heutzutage nur noch die wenigsten für den Friedhof entscheiden. Viele Hinterbliebene in Forchheim wünschten sich zum Beispiel Naturbestattungen.

"Die Bestimmungen werden aber eher schärfer, als dass sie gelockert werden", zweifelt die Forchheimer Bestatterin. Tina Keil ist der Meinung: "Ich fände es gut, wenn neue Bestattungsarten ermöglicht werden, damit jeder individuell entscheiden kann."

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