Forchheim

Diakonien im Disput um Demenzkranke

Die Verärgerung über ein Grußwort des Oberbürgermeisters offenbart die Konkurrenz evangelischer Heimträger.
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Anfang 2014 wird das Demenzzentrum der Diakonie Neuendettelsau in Forchheim eröffnet.  Foto: Andreas Oswald
Anfang 2014 wird das Demenzzentrum der Diakonie Neuendettelsau in Forchheim eröffnet. Foto: Andreas Oswald
Als "Schlag ins Gesicht" empfinden die Mitarbeiter, die in Altenheimen des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim mit der Betreuung von Demenzkranken beschäftigt sind, ein Grußwort von Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) zum "Tag der offenen Baustelle" im neuen Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz. Diese Einrichtung, die auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens Sattlertor entsteht, wird von der Diakonie Neuendettelsau getragen und soll Anfang 2014 in Betrieb gehen.

Schon jetzt werben die Neuendettelsauer, die wie das Diakonische Werk Bamberg-Forchheim unter evangelischer Regie arbeiten, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen um Pflegepersonal, um Patienten und um Spenden.
In einem Spendenaufruf hatte auch Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) bekundet: "Wir in Forchheim zeigen Solidarität." In seinem Grußwort gab er seiner Freude Ausdruck, dass die Diakonie Neuendettelsau in Forchheim das Kompetenzzentrum "Beraten-Wohnen-Pflegen" für Menschen mit Demenz errichtet.

Stumpf wörtlich: "Ich bin davon überzeugt, dass sich die Situation der Menschen mit Demenz in unserer Stadt dadurch erheblich verbessern wird." Über diesen Satz ist das Diakonische Werk Bamberg-Forchheim "mehr als irritiert", wie Pressesprecherin Ute Nickel verlauten ließ. "Wir kommen uns vor, als ob bis jetzt nichts gemacht worden wäre", empört sich Hildegard Schmidt , die seit Jahren als geronto-psychiatrische Pflegefachkraft im Forchheimer Wichernheim arbeitet.


Keine Wüste für Verwirrte

Es müsse dem Eindruck entgegen gewirkt werden, "Forchheim wäre bis jetzt eine Wüste in diesem Bereich gewesen", heißt es in einem Schreiben der Diakonie Bamberg-Forchheim. Ute Nickel betont: "Wir und auch die Kollegen denken, dass wir bis heute bereits gut aufgestellt sind und die Betroffenen sowie deren Angehörige von der Beratung bis zur Betreuung vielfältige hochqualifizierte Angebote im Bereich der Demenz bereitstellen." Verwiesen wird auf das Wichern-Seniorenzentrum in Forchheim, wo 32 Bewohner mit Demenz betreut werden, auf das Jörg-Creutzer-Heim mit 63 Betroffenen sowie auf die Häuser in der Fränkischen Schweiz mit 43 Bewohnern, die beschützend untergebracht sind. Zu dem Angebot gehören ferner das Tageszentrum in Mostviel, die Diakoniestationen in Forchheim und Gräfenberg sowie das Seniorenzentrum in Unterleinleiter, das seit über zehn Jahre ein rein beschützendes Haus ist und vergangenes Jahr erweitert und um eine sogenannte "Pflegeoase" für schwerst pflegebedürftige Menschen ergänzt wurde. Dies seien nur die Angebote der Diakonie Bamberg-Forchheim, betont Ute Nickel. Die Kollegen von der Caritas, dem BRK und andere seien auch seit Jahren erfolgreich auf diesem Gebiet engagiert.


Stumpf ist erstaunt

Oberbürgermeister Stumpf zeigt sich erstaunt über den Diakonie-Zwist: "Dass die in Konkurrenz stehen, war mir völlig neu." Er habe mit seiner Äußerung über die Verbesserung der Situation für Demente nicht sagen wollen, dass bisher auf diesem Gebiet eine Wüste bestanden habe, sondern: "Ein zusätzlicher Anbieter bedeutet für Demenzkranke eine zusätzliche Verbesserung." Bei dem Projekt hätten sich im Übrigen auch das Rote Kreuz und die Diakonie Bamberg-Forchheim beworben.

Der Stadtrat habe sich bei den vorgelegten Konzepten aber für die Planung der Diakonie Neuendettelsau entschieden. Dass auch in den anderen Altenheimen gute Arbeit geleistet werde, "das weiß ich", betont Stumpf. Er verweist dabei auf seine Tätigkeit als Kreisvorsitzender des Roten Kreuzes, das im Landkreis Heime mit Demenzkranken betreibe. Auch im Katharinenspital würden Demenzkranke gut gepflegt - "es wird überall gute Arbeit geleistet", unterstreicht Stumpf. Dem Vorwurf des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim, er habe zu Spenden für die Diakonie Neuendettelsau aufgerufen, hält Stumpf entgegen: "Ich rufe zu vielen Spenden auf, wenn's um einen guten Zweck geht!"


Neue Wege der Betreuung


Auch Thomas Schaller, Pressesprecher der Diakonie Neuendettelsau, nimmt zu dem Disput Stellung: Pflegekräfte leisteten hervorragende Arbeit unter schwierigen Bedingungen, betont er und stellt klar: "Es ist deshalb nicht unser Anliegen, ihre Leistung zu kritisieren - egal bei welchem Träger sie derzeit arbeiten. Wir wollen vielmehr unser innovatives Konzept zur Betreuung von Menschen mit Demenz in Forchheim verwirklichen und sind daher dem Rat der Stadt Forchheim mit Oberbürgermeister Franz Stumpf an der Spitze sehr dankbar, dass sie uns die Gelegenheit dazu gegeben haben."

Bei der Umsetzung des Konzepts setze man auf Gespräche und Vernetzung mit den vor Ort schon vorhandenen Kompetenzen, erklärt Pressesprecher Thomas Schaller. Angesichts der großen Herausforderung, die sich aus der demographischen Entwicklung in Deutschland ergebe, sei es nötig, neue Wege zur Betreuung von Menschen mit Demenz zu gehen. "Forchheim bekommt mit dem Kompetenzzentrum eine Einrichtung auf dem neuesten Stand der Forschung, wie es sie so bisher nur in Nürnberg und bald auch in München gibt."


95 Plätze für Demenzkranke


Das Kompetenzzentrum, das 95 Plätze für Menschen mit Demenz bieten soll, wird Anfang 2014 eingeweiht. Die Bewohner werden in kleinen Wohnstrukturen mit jeweils zwölf Plätzen leben, die für die Mitarbeitenden in einer größeren Organisationseinheit verbunden sind. Die Bereiche werden den unterschiedlichen Lebensstilen der Bewohner entsprechend gestaltet.


Arbeit für rund 80 Menschen


Neben dem Wohnpflegeheim entstehen an der zentralen Sattlertorstraße in Forchheim auch zwei mehrstöckige Häuser mit barrierefreien Wohnungen und Gewerbeflächen. Wie der Diakoniesprecher erklärt, werden dort etwa 80 Menschen in Voll- und Teilzeit Arbeit finden.

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