Forchheim
Erfolg

Deutschlands beste Griller: Zwei kommen aus dem Kreis Forchheim

Die deutschen Grillmeister kommen aus Bayern - zwei von ihnen sogar aus dem Landkreis Forchheim. Die Experten überzeugten sie mit ausgefallenen Rezepten.
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Martin Schulz (Mitte) gewann mit der Hilfe seines Teams die Deutsche Grillmeisterschaft. In seinem Team sind auch der Heroldsbacher Ralf Lieb (ganz rechts) und der Forchheimer Christian Rudolph (Fünfter von links).  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Martin Schulz (Mitte) gewann mit der Hilfe seines Teams die Deutsche Grillmeisterschaft. In seinem Team sind auch der Heroldsbacher Ralf Lieb (ganz rechts) und der Forchheimer Christian Rudolph (Fünfter von links). Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Von Jörn Perske (DPA) und Jennifer Hauser

Grillen ist nicht gleich Grillen. Otto-Normal-Verbraucher lassen Fleisch, Fisch oder Gemüse auf dem Rost brutzeln und fertig. Enthusiasten zelebrieren das Grillen als beinahe heiligen Akt mit besonderen Rezept-Kreationen, handwerklichem Geschick und einer Extra-Portion Hingabe. Bei den Deutschen Grill-Meisterschaften am Sonntag in Fulda demonstrierten die Ausnahmekönner der Szene eindrucksvoll, wie auf Gourmet-Niveau feinste Speisen gezaubert werden. Auch zwei Männer aus dem Landkreis Forchheim waren dabei.

Für das Team "Grill doch mal" waren der Heroldsbacher Ralf Lieb und der Forchheimer Christian Rudolph bereits in den vergangenen Jahren angetreten. In diesem Jahr gelang dem Team um Grill-Gruppen-Chef Martin Schulz der ganz große Coup.

Die rund 130-köpfige Jury war begeistert von dem Mann mit dem prominenten Namen. Der 38-jährige Teamchef aus Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz gewann mit seiner Mannschaft "Grill doch mal" den Titel in der Profiklasse.


Sechs Gänge grillen

In der Königsklasse mussten sechs Gänge zubereitet werden: Fisch (Wolfsbarsch), etwas Vegetarisches und Schweinebauch mit Beilage; dann einen Improvisationsgang aus einem Warenkorb mit zuvor unbekanntem Inhalt, Rindfleisch (American Flap Steak) sowie ein Dessert.

Grillmeister Schulz mit seinem Team servierte unter anderem die Kreation "Bayerischer Grillbauch trifft Asia Burger". Das Brötchen wurde - getreu der Devise das "Auge isst mit" - mit Rote Beete-Saft gefärbt. "Unsere Teller sollen auch bunt aussehen. Vom Grillen wird ja eh alles braun", erklärte der Oberpfälzer humorvoll.
Der Sieg sei für ihn und sein Team überraschend gewesen. "Wir haben uns in diesem Jahr auch völlig anders vorbereitet als sonst", erklärt er. Erst beim letzten Training sei alles wirklich so gewesen, wie es dann für die Meisterschaft gemacht wurde. Ein Erfolgsrezept hat Schulz schon ausgemacht: "Jeder im Team hat seine Aufgabe und ist bei jedem Gang beteiligt." Der Heroldsbacher Ralf Lieb zum Beispiel habe alle Backwaren gemacht. "Durch die strukturierte Zusammenarbeit waren wir immer punktgenau zur Abgabe fertig mit den Gerichten."


Sterne-Niveau

Der Präsident der German Barbecue Association (GBA), Volker Elm, zeigte sich beeindruckt vom Können und der Kreativität der rund 40 teilnehmenden Teams. "Es wird auf Sterne-Niveau gearbeitet. Davon können sich Profi-Köche eine Scheibe abschneiden. Die präsentierten Teller sehen aus wie Kunstwerke", beurteilte Elm. Auch Schulz sieht Parallelen: "Sterne- küche würde ich es jetzt nicht nennen, aber wir sind nicht so weit weg davon. Die Gänge sind sehr aufwendig und es waren auch sehr filigrane Aufgaben dabei."

Der Vorjahressieger und mehrfache Meister Michael Hoffmann aus Rösrath (NRW) wurde diesmal Zweiter. Mit seinem Team "Gut Glut" ließ er sich eine Menükarte einfallen, die Appetit machte. "Wir grillen nur, was uns selbst schmeckt", erklärte Hoffmann und deutete lächelnd auf seinen nicht ganz so flachen Bauch. "Wichtig ist Leidenschaft bei dem, was man tut", erklärte der 49 Jahre alte Informatiker und Hobby-Koch seine Erfolgsformel und betonte: "Wir laufen keinen Trends hinterher."


Heiße Geräte

Gegrillt wurde bei der Meisterschaft - egal ob mit Gas-, Elektro- oder Kohle-Befeuerung - aber nicht nur auf normalen Grills. Experimentierfreudige greifen zur Plancha. "Das ist ein Trend, der immer beliebter wird", erklärte Grillverbandspräsident Elm. Eine Plancha ist eine Grillplatte, etwa aus Edelstahl, Gusseisen oder Aluminium, die die Hitze besonders gut leitet. Auf ihr kann das Grillgut mit wenig Fett zügig gegart werden. Denn die Kontakthitze ist hoch, oft mehr als 300 Grad. Ein Vorteil ist auch: Fett und Marinaden können nicht auf die Hitzequellen tropfen und verbrennen.
Das Grillen entwickelt sich mit einer enormen Produktvielfalt weiter. Bei der Fleischauswahl sind die Deutschen aber Traditionalisten: Bratwürste und Schweinesteaks stehen noch am höchsten im Kurs, wie Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischer-Verband sagte. Grillen ist ein großer Markt geworden. Nach Angaben der Barbecue Industry Association Grill (BIAG) geben Deutsche Verbraucher jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Geräte, Brennstoffe und Zubehör aus. Der Trend ist klar: Gekauft werden immer öfter hochwertige Grills.

Auch Grill-Kurse sind immer weiter verbreitet. Grillmeister Schulz bietet solche in seiner Grillschule an. "Im Regelfall sind diese sonntags", erklärt er, "ich arbeite also noch in meinem normalen Job." Das Grillen, das seine Leidenschaft ist, will er auch künftig intensiv betreiben. "Bei der nächsten Grillmeisterschaft sind wir auf jeden Fall wieder dabei."


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