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Gößweinstein
Marktgemeinderat

Details für Gewerbegebiet und Heizkraftwerk geregelt

Die geplanten Projekte Gewerbegebiet in Bösenbirkig sowie Biomasseheizkraftwerk in Gößweinstein beschäftigten den Marktgemeinderat.
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Zu den beiden Themen der Marktgemeinderatssitzung in Gößweinstein war Vermessungsexperte Rüdiger Hellmich vom Bamberger Ingenieurbüro Weyrauther gekommen. Zum einen ging es um Änderungen am Bebauungsplanentwurf "Bösenbirkig-Gewerbegebiet" und zum anderen um die Aufstellung eines Bebauungsplanes "Biomasseheizkraftwerk" zwischen der Gößweinsteiner Schule und der Staatsstraße zwischen Gößweinstein und Stadelhofen. Beim Bebauungsplan "Bösenbirkig" ging es um Nachbesserungen in Sachen Natur- und Emissionsschutz. Die Naturschutzbehörde hatte mehr Ausgleichsflächen gefordert, als im Plan dargestellt waren. Wie Hellmich ausführte, könne man die zwei geplanten Sickerbecken unmittelbar am Gewerbebaugebiet als Ausgleichsflächen hernehmen, müsse diese aber als eingegrünte naturnahe Becken im Plan darstellen. Allerdings reichen diese beiden Sickerbecken, in denen das Oberflächenwasser versickern soll, nicht für die gesamte Ausgleichsfläche aus. Deshalb hat der Planer nun zusätzlich eine rund 2200 Quadratmeter große Wiese an der Gemeindeverbindungsstraße Kohlstein - Hungenberg als weitere Ausgleichsfläche in den Plan eingearbeitet. Diese Wiese, die die Gemeinde im Zuge des Straßenbaus zwischen Kohlstein und Hungenberg erworben hatte, müsste jedoch mit Streuobstbäumen bepflanzt werden, um den gesamten Bedarf des Ausgleichs für das etwa zehn Kilometer entfernte Gewerbegebiet vor Bösenbirkig zu decken.

Vogel wundert sich

Darüber wunderte sich Bernhard Vogel (SPD). "Die Diversität wird wo anders geschaffen", meinte Vogel wegen der Entfernung. "Früher hieß es, dass eine Ausgleichsfläche in räumlicher Nähe zu dem Baugebiet sein muss, vor drei oder vier Jahren wurde das aber aufgehoben", wurde Vogel von Josef Neuner (BMG) aufgeklärt. Sprich: Eine Ausgleichsfläche kann überall im gesamten Gemeindegebiet sein. Zum Emissionsschutz lag einen Gutachten eines Bayreuther Büros vor, das die Werte für den Lärmschutz der Anlieger festgelegt hat. Für die sogenannte Fläche "G1", die näher an der Staatsstraße zwischen Gößweinstein und Siegmannsbrunn liegt, darf der Lärm am Tag 70 Dezibel und in der Nacht 55 Dezibel nicht überschreiten. Für die Fläche "G2", die näher an der Wohnbebauung in Bösenbirkig liegt, dürfen tagsüber 65 Dezibel und in der Nacht 50 Dezibel nicht überschritten werden. Der Verkehrslärm von der Staatsstraße bringt keine Einschränkungen mit sich, weil er ja schon immer da war. Benno Beck (BMG) meinte, dass man sich mit einem Gewerbe bei nur 70 Dezibel ziemlich einschränken müsse. "Jeder Radlader und jeder Schreiner ist lauter", meinte Beck. Dazu betonte der Experte, dass man den Lärm , der aus dem Gewerbegebiet komme, durch bauliche Maßnahmen wie eine geschickte Stellung von Gebäuden verringern könnte. Die Räte stimmten einstimmig den Änderungen zu. Laut Geschäftsleiter Peter Thiem wird der Plan am 19. August ausgelegt. "Wenn alles gut läuft, ist der Bebauungsplan dann im Herbst genehmigt", sagte Thiem.

Sonderbaufläche

Nächstes Thema war das von der Firma Bioenergie-Neuner geplante Biomasseheizkraftwerk auf dem rund 6030 Quadratmeter großen Grundstück unterhalb der Gößweinsteiner Schule. Hier muss zum einen der Flächennutzungsplan von einer Fläche für den "Gemeinbedarf Schule" in "Sonderbaufläche mit Zweckbestimmung Nutzung erneuerbarer Energien (S-NEE) geändert und zum anderen ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Marktrat Josef Neuner durfte sich als Antragsteller weder an der Debatte noch an der Abstimmung beteiligen. Wie Hellmich erklärte, soll das Biomasseheizkraftwerk einmal halb Gößweinstein mit Wärme versorgen. Wie der Planer ausführte, wird der Knock, der ein Biotop ist, auf dem Grundstück nicht verändert. Zur Staatsstraße hin ist ein bepflanzter Wall geplant, der gleichzeitig als Ausgleichsfläche hergenommen werden kann. Die Erschließung wie auch die spätere Zufahrt zum Heizkraftwerk erfolgt über die Viktor-von-Scheffel-Straße.

Maximale Höhe

Die maximale Gebäudehöhe über dem fertigen Fußboden wurde im Plan auf zwölf Meter festgelegt. Zulässig ist eine offene Bauweise, erlaubt ist ein Flach- oder Pultdach. Dietmar Winkler (CSU) befand, das das Gebäude schon sehr hoch sei. Daniela Drummer (FWG) sorgte sich um die Schulwegsicherheit. Benno Beck, der selbst einer der Zulieferer sein wird, betonte jedoch, dass die Waldbauern die Hackschnitzel nicht zu den Hauptverkehrszeiten der Schule anfahren würden. Stefan Richter (CSU) verwies darauf, dass die Machbarkeitsstudie noch nicht vorliege. Dazu betonte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG), dass der Bauwerber das alleinige Umsetzungsrisiko trage. "Hätten wir uns die Machbarkeitsstudie nicht sparen können, wenn der Investor dort sowieso investiert?", fragte Vogel. Zimmermann ließ nun abstimmen. Einstimmig stimmte der Rat der Änderung des Flächennutzungsplans und dem Entwurf des Bebauungsplans mit integriertem Grünordnungsplan zu.

Anwohner dürfen keine Fragen stellen

Im Tagesordnungspunkt "Bürgerfragen" wollte ein Anlieger des geplanten Gewerbegebiets Bösenbirkig den Räten Fragen stellen. Dies wurde ihm jedoch verwehrt, da laut Gemeindeordnung nur Fragen gestellt werden dürfen, die nicht die Tagesordnung der Sitzung betreffen. Die unmittelbaren Anlieger sind offenbar gegen die Ausweisung des Gewerbegebiets.