LKR Forchheim
Klimawandel

Forstdirektor schlägt Alarm: Dem Wald geht es so schlecht wie nie zuvor

Hitze und Dürre, Käfer und Pilze machen Förstern und Waldbauern zu schaffen. Dem Wald im Landkreis Forchheim geht es so schlecht wie noch nie zuvor.
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Immer mehr Bäume fallen Hitze und Dürre oder Schädlingen zum Opfer.  Foto: Josef Hofbauer
Immer mehr Bäume fallen Hitze und Dürre oder Schädlingen zum Opfer. Foto: Josef Hofbauer
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Kein Zweifel: Dem Wald geht es so schlecht wie nie zuvor. Die Ursachen listete Forstdirektor Michael Kreppel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Landkreises Forchheim auf. Stürme, Schädlingsbefall und zu trockene Sommer machen besonders den Fichten und Kiefern zu schaffen.

Seit über 30 Jahren, so veranschaulichte Kreppel in einem Diagramm, gab es in den Monaten Juni bis August immer neue Hitzerekorde. Der letzte Sommer, der verregnet und zu kalt war, liegt lange zurück. Das war 1987. So kann es nicht verwundern, dass die langjährige durchschnittliche Niederschlagsmenge deutlich abgenommen hat. Das Regen-Defizit in Franken in den Jahren 2017/18 und 2018/19 bezifferte Kreppel auf bis zu 30 Prozent.

Viel zu trocken

Die Wasserversorgung während der Vegetationszeit stufte der Forstexperte als mangelhaft ein. So wurde an der Waldklimastation Ebrach heuer im August nur eine Wasserversorgung deutlich unter 50 Liter pro Quadratmeter gemessen. Im Vorjahr war dieser Wert zwischen August und Oktober ebenfalls viel zu niedrig. Den gemessene Tiefststand Ende September lag bei gerade einmal zehn Litern pro Quadratmeter. Für ein gesundes Wachstum wären mehr als 100 Liter pro Quadratmeter notwendig, ein Wert der zwischen 1961 und 1990 regelmäßig gemessen wurde. Zum offensichtlichen Klimawandel komme die Häufung von Extremwetterlagen wie Hagel, Starkregenereignisse und Stürme.

Wird das Schadholz nicht schnell genau aufgearbeitet, kommt der Borkenkäfer. Besonders starke Schäden richteten dessen Unterarten (Buchdrucker und Kupferstecher) heuer bei den Fichten im Raum Weißenohe und Hiltpoltstein an. Allein in Lilling und Rüsselbach gab es 3000 Festmeter Schadholz auf Grund des Borkenkäfers. Die fünf Revierleiter der Staatsforsten im Landkreis schätzen den Anteil der vom Borkenkäfer befallenen Fichten auf 15.000 Festmeter.

Von Kiefern-Sterben überrascht

Überraschend hoch war mit 9000 Festmetern der Anteil der Kiefern, vor allem in der Unteren Mark, die verdorrt sind. Besonders bedroht waren die sandigen Standorte rund um Hallerndorf und die Kiefern auf der Jura-Hochfläche. "Mit soviel hatten wir nicht gerechnet, bestätigt Michael Kreppel. Ebenso überrascht zeigt sich der Forstexperte, dass auch 1500 Festmeter Buchenholz anfielen. "Die Dürre auf schwierigen Standorten" macht Kreppel dafür verantwortlich. Exemplarisch führte er dies an den absterbenden Buchen bei Hardt vor Augen.

Pilz killt Laubbäume

Doch damit nicht genug. Auch das Eschentrieb-Sterben, das inzwischen den gesamten Freistaat erfasst hat, macht Förstern und Waldbauern zu schaffen. Hinzu kommt im Landkreis Forchheim die Rußrinden-Krankheit, die auch an Ahornbäumen in Weißenohe und Igensdorf entdeckt wurde. Ursache ist ein Pilz, der die Bäume schwächt und ihnen schließlich den Garaus macht. Knapp zwei Drittel aller Eschen sind befallen.

Nur noch 25 Prozent gesunde Bäume

Mit dieser Auflistung bestätigt Michael Kreppel die landesweite Wald-Schadensbilanz. Sie bekräftigt, dass sich heuer der Zustand der Wälder insgesamt verschlechtert hat. Nur noch ein Viertel aller Bäume sind gesund. Anders ausgedrückt: Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden stieg von 25,6 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 35,1 Prozent. 4,8 Prozent der Bäume sind stark geschädigt oder bereits abgestorben; der bisher höchste Wert, der in dieser Kategorie gemessen wurde.

Wie alarmierend die Zahlen sind zeigt sich auch an der Tatsache, dass der mittlere Nadel- und Blattverlust sämtlicher Bäume um vier auf 25 Prozent gestiegen ist. Fortwirtschaftler bestätigen: "Dies ist der höchste Wert, der in den letzten 20 Jahren gemessen wurde." Und: Im Norden Bayerns fielen zehn Prozent mehr Bäume den veränderten Klimaverhältnissen zum Opfer, als in Südbayern.

Kaum Früchte getragen

Die höchsten Verluste sind bei der Kiefer zu verzeichnen. Sie hat mit den klimatischen Bedingungen am meisten zu kämpfen, insbesondere auf den trockenen Standorten Mittel- und Oberfrankens. Auch den Eichen macht auf diesem Flächen die Trockenheit mehr zu schaffen, als gedacht. Der Stress, dem die Wälder ausgesetzt sind, macht sich auch insofern bemerkbar, als die Bäume - unabhängig von der Baumart - wesentlich weniger Früchte tragen, als in früheren Jahren.

Deshalb folgert Michael Kreppel: "Der Umbau des Waldes muss weiter vorangetrieben werden. So sollen Eichen in bisherigen Kiefern-Gebieten Einzug halten. Auf dem Jura sollen zunehmend Edel-Laubhölzer gepflanzt werden. Auch Elsbeeren, Vogelkirschen, Walnuss-Bäume und Feldahorn gehörten zu jenen Hölzern, die mit dem Klimawandel besser zurechtkämen.

Darüber hinaus gibt es Versuchsflächen, auf denen ausprobiert wird, wie es den Exoten in unseren Wäldern gefällt. Experimentiert wird mit Libanonzedern, Küstentannen und Schwarzkiefern sowie Zerr- oder Flaum-Eichen.

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