Serlbach

Der Wald ist ein kleines Paradies für die "Waldstrolche" in Serlbach

Seit September ist der Waldkindergarten in Forchheim-Serlbach in Betrieb - und wie! Die "Waldstrolche" genießen ihre Zeit draußen. Am 22. Januar ist Tag der Offenen Tür.
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Der Wald ist ihr Revier. Foto: Barbara Herbst
Der Wald ist ihr Revier. Foto: Barbara Herbst
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Sonne, zwei Grad über Null und Natur pur! Timo (3) und Emma (4) patschen mit ihren Händen in die tiefe, braune Pfützen, lachen und springen dann sogar mit ihren Gummistiefelchen ins kalte, seichte Nass. Beide genießen das Herumtollen - jeden Tag sind sie zusammen mit acht weiteren Jungen und Mädchen draußen. Sie gehören zum Kindergarten Waldstrolche in Serlbach.

Der befindet sich im Forchheimer Stadtteil gleich neben dem Bolzplatz und ist seit September vergangenen Jahres geöffnet. Der Wald ist wie ein kleines Paradies, das sich dort für die Kinder anbietet.


Ein Holzstock reicht schon
Eric (4) etwa findet immer Raritäten am Boden, mit denen sich toll spielen lässt. Da reicht schon ein einfacher Holzstock, den er dann aufhebt und als Angel benutzt. "Damit fange ich für mich und die anderen Fische, die wir zur Brotzeit essen können", erklärt der Junge keck.

Die Pädagogin Lisa Sandner und die Erzieherin Manuela Trautner kümmern sich um die Kleinen. Zwischen 7.45 und 8.15 Uhr werden die Kinder von ihren Eltern gebracht - dick vermummt kommen die Jungen und Mädchen angesaust. Um 8.30 Uhr startet ihr Tag mit dem Morgenkreis. Alle sitzen auf Baumstämmen nebeneinander, singen Lieder und machen kleine Spiele. Heute ist Timo an der Reihe. Er geht durch die Reihen, zählt alle Kinder ab - prüft nach, ob die Gruppe komplett ist. Sogar einen Wetterbericht müssen die Waldstrolche abgeben.
Jan hat damit keine Probleme und erzählt gekonnt: "Heute scheint die Sonne. Alles ist schön."

Und sonst? Hat er auch nichts vergessen? "Ach so, die Bäume wackeln leicht", fügt er stolz mit einem Blick nach oben an. Und was bedeutet das? Der Wetterexperte kennt natürlich die Antwort: "Es weht Wind und es ist ein wenig kalt. Aber mir ist warm." Die Kinder sind laufend am Reden und am Erklären. Das ist Methode.

Pädagogin Lisa Sandner erklärt: "Wir setzen hier im Waldkindergarten auf viel freies Spiel und nicht auf Spielzeug. Das ist viel besser für die Phantasie. Ein weiterer Vorteil ist, dass dies auch der Sprache zu Gute kommt, weil immer alles erklärt wird, was die Kinder gerade so machen." Sandner selbst genießt die Natur und mag ihre Arbeit: "Ich wollte draußen sein und es herrscht dort auch weniger Lärm als in normalen Kindergärten." Die Mädchen und Jungen haben wie selbstverständlich die Natur zu ihrem großen Spielzimmer gemacht. Ganz ohne Angst klettern sie geschickt auf einen Hochsitz und streicheln ihre "Waldkatze", die ohne Scheu umherläuft. "Sie besucht uns fast jeden Tag und ist ganz brav", meint Eric.

Betreut werden die Kleinen (3 bis 6 Jahre) bis spätestens 14.15 Uhr. Die Kosten für den Kindergarten betragen 120 Euro im Monat - für sieben Stunden am Tag. Bei den Waldstrolchen kommt derweil allmählich ziemlich großer Hunger auf. Alle treffen sich wieder bei den Stämmen, packen ihre Rucksäcke aus und lassen sich durch Lisas "Sauber-Zauber" mit einem kleinen Handtuch und warmen Wasser aus der Thermoskanne die Finger säubern. Jetzt wird ordentlich zugelangt, gegessen und heißer Tee getrunken.


Ganz hinten im Wald

Was aber ist, wenn die Kinder mal aufs WC müssen? Im Wald gibt es kein Toilettenhäuschen. Die Geschäftchen werden hinter einem Sichtschutz aus Zweigen in Töpfchen erledigt oder ganz hinten im sogenannten "Klo-Wald". Wenn das Wetter mal ganz übel mitspielt, und es so richtig regnet oder stürmt, dann gibt es eine grüne Plane oder eine Holzhütte zum Schutz.

Das Häuschen wurde unter viel Mithilfe der Eltern und des Trägervereins der Waldstrolche - dem Waldkindergarten in Wiesenttal - errichtet. Heute aber bleibt die Hütte ungenutzt. Und nach der Pause herrscht nun die sogenannte Freispiel-Zeit. Hier sitzen die Kleinen zusammen und können basteln. Oder sie machen Rollenspiele.
Welche Stärken aber hat ein Waldkindergarten? Durch die Gegebenheiten im Wald werde die Grobmotorik der Kinder besonders gefördert, sagen Experten. Kein Wunder, denn im Wald ist der Boden uneben, die Kinder klettern auf Bäume, balancieren über Wurzelstöcke oder umgestürzte Stämme und laufen im Sommer meistens Barfuß. Das sind tägliche Erfahrungen, die kann keine Turnstunde bieten.


Geschichte

Die Anfänge des Waldkindergartens sind in Nordeuropa zu finden, genauer in Dänemark. Begründerin ist Ella Flatau aus Sölleröd, sie ging mit ihren eigenen Kindern jeden Tag in den Wald. Andere Eltern hörten davon und brachten ebenfalls ihre Kinder zu ihr.


Deutschland

In der Bundesrepublik hat Ursula Sube 1968 den ersten Waldkindergarten in Wiesbaden eröffnet. Obwohl die Behörden ihn nicht befürworteten, wollten sie die neue Form dennoch nicht verbieten. Deshalb wurde er stillschweigend geduldet. Bis in die 90er Jahre gab es nur sehr vereinzelt Waldkindergärten.


Aktuell

Heute bestehen über 1500 solcher Betreuungseinrichtungen in Deutschland. Hinzu kommen die Kindergärten, die natur- oder waldorientiert arbeiten. Die Tendenz zu Neugründungen ist weiter steigend.


Tag der Offenen Tür

Eltern, die mehr über die Forchheimer Waldstrolche in Serlbach erfahren möchten, können sich im Internet unter erkundigen oder können zum Tag der offenen Tür am 22. Januar von 9 bis 11 Uhr kommen.
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