Forchheim
Protest

Forchheim: Anwohner leiden unter Autobahnlärm - Ärger über Innenminister Herrmann

Die Bürger in Forchheim klagen über den Lärm, der trotz des teuren Schallschutzes weiter zu hören ist. Vor allem die Anwohner der Regnitzstraße sind über die Haltung von Innenminister Herrmann verärgert.
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Aus dem achten Stock eines Hochhauses fotografiert, wird deutlich, wie nah die Häuser der Regnitzstraße an der Autobahn liegen. Foto: Josef Hofbauer
Aus dem achten Stock eines Hochhauses fotografiert, wird deutlich, wie nah die Häuser der Regnitzstraße an der Autobahn liegen. Foto: Josef Hofbauer

Die ablehnende Haltung des Innenministers hat den Protest umso heftiger entfacht: Bürger und Politiker hatten gehofft, Joachim Herrmann würde sich für eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf der A 73 bei Forchheim einsetzen. Stattdessen wiederholt der Innenminister in seinem Antwortbrief lediglich die Aussagen der Autobahndirektion Nordbayern und beharrt auf dem Status Quo.

"Nichtssagende Äußerungen" seien das, ärgert sich Gerhard Pfeffermann, der seit 35 Jahren in der Regnitzstraße 15 wohnt. Zwar sei der neue Schallschutz auf beiden Seiten der Autobahn höher geworden, und zudem sei Flüsterasphalt eingebaut worden. "Doch diese Maßnahmen werden durch die hohe Geschwindigkeit wieder aufgehoben", sagt Pfeffermann, dessen Wohnung 40 Meter von der Lärmschutzwand entfernt liegt. Hier wird er regelmäßig aus dem Schlaf gerissen: "Am schlimmsten sind die Motorräder und Sportwagen, die nachts durchbrettern."

Ähnlich die Situation von Christian Gerlach: Seine Familie und seine Nachbarn hätten sich auf die neue Lärmschutzwand gefreut. "Doch faktisch hat sich die Schallverteilung so verändert, dass es lauter geworden ist", sagt Gerlach. Die Stimmung unter den Anwohnern sei auch deshalb schlecht, weil sich viele engagiert hätten - etwa mit eigenen Lärmmessungen - doch niemand werde gehört, geschweige denn anerkannt. Der Maschinenbau-Techniker aus der Regnitzstraße 22 bemerkt, dass die "dumpfen Frequenzen" durch den Flüsterasphalt zwar besser abgefangen würden; jedoch nur bei "normalem Verkehr". Das ändere sich jedoch nachts, wenn Motorräder mit rund 180 Stundenkilometern an den Häusern vorbeifahren.

Kritik am Innenminister

Aber auch auf der anderen Seite der Autobahn, vor allem am Weingartsteig, habe der Lärm zugenommen, bemerkt Roland Betz. Er hat oberhalb der Kirche in Buckenhofen einen Garten und ein Häuschen. "Du meinst, die Autobahn geht an der Kirche vorbei", sagt Betz, der den Kampf gegen den Lärm nicht aufgeben will: "Auf meine Einwände ging Joachim Herrmann gar nicht ein, kritisiert Betz. "Ich werde das so nicht hinnehmen. Ich werde dem Innenminister antworten und ich werde Umweltminister Glauber und die Abgeordneten Körber und Hofmann fragen, in welcher Form sie sich eingesetzt haben."

Es sei schon psychologisch ein Unding: "Das Tempo auf der A 73 in Richtung Norden ist überall beschränkt. Der Verkehr wird eingebremst und ab Forchheim dürfen dann alle Gas geben."

Drei Jahre Bauzeit, rund 14 Millionen Euro Investitionen in den Lärmschutz: Gemessen an diesem Aufwand sei der Effekt in der Stadt erstaunlich gering, wundert sich Christian Gerlach: "Beim alten Hallenbad zum Beispiel ist es leiser geworden. Aber wir, mit den Hochhäusern im Rücken, kriegen mehr Schall ab als zuvor. Bei Nordwind knallt der Schall förmlich auf mein Haus. Gleichzeitig lehnen sich die Verantwortlichen zurück und sagen, der Schall ist richtig berechnet."

Volker Biermann aus der Regnitzstraße 33 kommentiert die verfahrene Lage folgendermaßen: "Es mag ja Berechnungen geben, die die Wirksamkeit der Lärmreduktion belegen können. Nichtsdestotrotz sollten Maßnahmen zum Lärmschutz, die Millionen von Steuergeldern gekostet haben, auch subjektiv von den Anwohnern als erfolgreich angesehen werden. Die äußerst überschaubaren Zusatzkosten für das Aufstellen von vier Schildern mit Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten eigentlich kein großes Problem darstellen und würden die Lebensqualität der Anwohner an beiden Seiten der Autobahn heben."

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