Forchheim
Musik

Der Landfrauenchor kann alles. Außer Dialekt

Die Sängerinnen des Landfrauenchors kommen aus verschiedenen sozialen Schichten und Berufen. Was sie verbindet, ist die Liebe zum Gesang. Nur von Mundart lassen sie aus gutem Grund die Finger.
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Ob in dicke Jacken eingepackt oder in Tracht gehüllt: Die Sängerinnen des Landfrauenchors treffen in jeder Kleidung den richtigen Ton. Fotos: privat
Ob in dicke Jacken eingepackt oder in Tracht gehüllt: Die Sängerinnen des Landfrauenchors treffen in jeder Kleidung den richtigen Ton. Fotos: privat
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Mädla, Madler, Maller - für das Wort "Mädchen" gibt es im Landkreis Forchheim zahlreiche Bezeichnungen im Dialekt. Auch "Georg" ist nicht überall der Gerchla, sondern ab und zu auch der Schorsch.
"Wir haben es versucht, aber es geht nicht", kommentiert Chorleiterin Irmgard Reck den Versuch des Landfrauenchors, Mundartlieder zu singen.

Volkslieder gehen, und auch internationale Lieder funktionieren problemlos. Die Grenzen sind bei Mundart dann erreicht, wenn die Sängerinnen aus verschiedenen Gegenden zusammentreffen. Das ist beim Landfrauenchor der Fall, kommen die Sängerinnen doch aus sämtlichen Orten des Landkreises Forchheim.

Dennoch singen die inzwischen 65 aktiven Frauen nicht nur Volkslieder. "Das Liedgut zu pflegen ist wichtig, da es die Tradition erhält. Aber man muss auch offen für anderes sein, für Moderneres", sagt Reck.
Es war kein geringes Wagnis für sie, vor 20 Jahren die Leitung des Chors zu übernehmen. "Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommt.

Vor allem, welche Lieder bei den Frauen ankommen", erzählt Reck. Hohe Erwartungen bestanden auf beiden Seiten, denn auch die Frauen waren auf das Liedgut gespannt.
Mit einer bunten Mischung aus Kanons, dreistimmigen Volksliedern und einem modernen, nicht zu schwierigen Chorsatz traf Reck im Proberaum in Gräfenberg ein.

Schwieriges Englisch

Vor allem hatte die Musiklehrerin und langjährige Chorleiterin den Anspruch, auch internationale Lieder zu singen.

Initiiert wurde der Kreislandfrauenchor von der inzwischen gestorbenen Kreisbäuerin und Kreisrätin Gunda Pingold. Bedenkt man, dass im Chor Frauen im Alter von 20 Jahren bis 80 Jahren mitsingen, waren gerade zu den Anfangszeiten viele Frauen dabei, die in der Schule kein oder nur wenig Englisch lernten.

Für die musikbegeisterten Frauen war das aber kein Problem: "Rock mei soul" oder "Kamm änd gow tu sät länd" schrieb Irmgard Reck die Aussprache einfach unter den Original-Text. Und die Frauen sangen Englisch, sodass sie irgendwann nicht mehr bemerkt haben, dass es Englisch ist. "Musik ist international. Aber es muss ausgewogen gemischt sein", merkte Irmgard Reck an, die das Ganze auch oft in umgekehrt gestaltet und zu englischen Liedern deutsche Texte schrieb: "Nicht als Übersetzung. Der Text sollte nur zur Musik passen", erzählt sie von dem umfangreichen, teils ungewöhnlichen Repertoire der Musikerinnen.

Ein Repertoire, mit dem sie schon bei vielen offiziellen Auftritten begeistern konnten, vor allem 2008 beim Auftritt am berühmten Nürnberger Christkindlesmarkt. "Als wir hinterher durch die Budenstadt liefen, sind wir oft angesprochen und gelobt worden. An unserer einheitlichen Kleidung - rote Schals und rote Handschuhe - sind wir erkannt worden. Es war ein besonderes Flair. Einfach hochromantisch", erinnert sich Reck an diesen Auftritt.

Die Mitglieder des Landfrauenchors kommen, anders als der Name suggeriert, keineswegs alle aus der Landwirtschaft. Es gibt Arzthelferinnen, Büroangestellte, Studentinnen oder Lehrerinnen - gemeinsam haben die Frauen neben der Liebe zum Gesang im Grunde nur, dass sie vom Land kommen.

Ein großer Wunsch ist ihnen bislang unerfüllt geblieben: der Auftritt am Forchheimer Christkindlesmarkt. " Sie haben keine ausreichende Beschallungsanlage. Und dort sind mehr verschiedene Bläsergruppierungen", nennt Reck einen Grund für das Problem.
Dafür werden die Frauen anlässlich ihres 20. Jubiläums wieder am Nürnberger Christkindlesmarkt auftreten. Dort aber mit der Klavierbegleitung von Irmgard Reck. "Das Klavier hält den Chorklang besser zusammen", sagt die Gräfenbergerin.

Konzert in Obertrubach

Wer keine Gelegenheit hat, die Frauen in Nürnberg zu hören, kann sich den 18. Mai 2014 vormerken. Dann geben die Landfrauen ein Jubiläumskonzert in Obertrubach.

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