Forchheim
Versuchung

Der Geruch von Nostalgie und Unbeschwertheit

Die Duft-Komposition aus Schokolade, Popcorn und gebrannten Mandeln erzielt seit Jahrzehnten die gewünschte Wirkung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gebrannte Mandeln sind ein Volksfest-Klassiker, der auch im Kellerwald dieser Tage nicht fehlen darf. Darüber, wie sie gemacht werden, hüllen sich die Lützelbergers und ihre Angestellten in Schweigen. Fotos: Josef Hofbauer
Gebrannte Mandeln sind ein Volksfest-Klassiker, der auch im Kellerwald dieser Tage nicht fehlen darf. Darüber, wie sie gemacht werden, hüllen sich die Lützelbergers und ihre Angestellten in Schweigen. Fotos: Josef Hofbauer
+1 Bild

Es duftet nach frischen Mandeln, Nüssen und Popcorn. Die Melange aus Zucker, Vanille und Zimt umweht den Platz und macht ihn besonders Besondere. Ein Duft, der nicht nur Kinder anlockt, den er verheißt Nostalgie und Unbeschwertheit. Im Hintergrund ist das Surren der Mandelmaschine zu hören, die leckere Nascherei köchelt nach geheimer Rezeptur in einem heißen Ölbad. Nach und nach sind sie karamellisiert, die Versuchung ist groß, direkt in die Kupferwanne zu greifen - ähnlich ungeduldig wie früher, wenn Oma Kuchen backte und Reste des leckeren Teigs noch an den Rührstäben klebten.

Kindheitserinnerungen werden wach am Süßigkeitenstand in der großen Kurve auf dem Annafest im Forchheimer Kellerwald. Ganz selbstverständlich holt man da heute noch seine Mandeln oder Eis, Schokofrüchte und andere Leckereien. Die Bude hat eine lange und traditionsreiche Geschichte. Zusammen mit der Schiffschaukel und dem Schießstand bestimmt sie das Bild auf diesem Teil des Annafestes. Doris Lützelberger ist heute 56 Jahre alt und erzählt mit Stolz die Geschichte des Familienunternehmens. Zusammen mit ihrem Bruder Marco führt sie den Schaustellerbetrieb. Ihre Wurzeln sind fränkisch: Die Mutter kam aus Fürth und der Vater aus Buttenheim.

Nachdem Doris Lützelbergers Opa, Johann Kramer, wegen seiner Verwundung nicht mehr als Maurer arbeiten konnte, war nach Kriegsende 1945 Erfindergeist gefragt. Die Familie wollte mit einer Schießbude Geld verdienen. Diese wurde in mühevoller Kleinarbeit selbst gebaut. "Der Bauer Schumm aus Hirschaid war für den Transport verantwortlich, bis wir eine eigene Zugmaschine hatten", erzählt Doris Lützelberger. Viel wichtiger war, dass Oma Berta während des Krieges zwei Gewehre versteckt und vergraben hatte, die nun zum Startkapital des Unternehmens wurden.

Kinder werden Stammkunden

Die Schausteller-Karriere in Forchheim begann jedoch nicht an der heute als Lützelberger-Kurve bekannten Stelle, sondern am Schützenhaus. 1958 war die Oma sogar Forchheimer Schützenkönigin, wie die im Besitz befindliche Königsscheibe verrät. In den 1960er-Jahren ging das Geschäft auf Doris Lützelbergers Eltern über - Mutter Angelika hatte ihren Mann Werner Lützelberger auf der Burker Kirchweih kennengelernt. Bei der Frage nach Aufzeichnungen von Rezepturen für die Süßigkeiten schmunzelt Doris Lützelberger. "Aufgeschrieben habe ich nichts, die Rezepte für unsere Produkte werden mündlich überliefert." Die Schaustellerin erzählt von vielen Begegnungen mit Kindern an ihrem Stand, die über Jahrzehnte Stammkunden geworden sind. "Die Mandeln kannst' essen, das sind die Besten", habe ein Kind dem anderen einmal empfohlen. Der Betrieb umfasst neben dem Süßwarenstand noch weitere sechs Attraktionen, von Schiffschaukel und Schießbude über Karusselle bis hin zur Losbude.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit ist für Doris Lützelberger und ihren Bruder wichtig. Seit Jahrzehnten beschickt die Familie regelmäßig auch die Kirchweihen in der Hersbrucker Schweiz, Erlangen, Hirschaid oder Kirchehrenbach. Doris Lützelberger war als Baby schon fast auf allen Festen dabei und steht seit ihrem elften Lebensjahr im Unternehmen.

Sie blickt auf eine schöne und ereignisreiche Kindheit zurück und hat "das Leben zwischen Wohnwagen und Schiffschaukel" genossen. Ihr Vater hat ihr die Grundtugenden für einen erfolgreichen Schausteller beigebracht: "Man ist zum Kunden freundlich und höflich". Und steht die nächste Generation schon in den Startlöchern, um das Familienunternehmen mit rund zehn Beschäftigten weiterzuführen? Hier wird Doris Lützelberger nachdenklich. "Meine beiden Töchter Nadja und Christina haben andere Berufe erlernt, helfen aber, wenn Not am Mann ist. Sie und ihre Familien sind damit zufrieden."

Es ist also eher nicht damit zu rechnen, dass das Unternehmen Lützelberger in Familienhand bleibt. Doris Lützelberger hat dafür Verständnis: "Zeitlich und körperlich ist die Arbeit schon eine Strapaze." Der Papierkram, die vielen Vorschriften und stagnierende Umsätze bei verändertem Konsumverhalten seien keine guten Empfehlungen an die nächste Generation.

Dennoch ist Doris Lützelberger mit Leib und Seele bei der Sache, genießt die elf Tage auf dem Annafest mit dem einzigartigen Ambiente und verkauft die nächste Tüte Mandeln - wie immer mit einem Lächeln.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren