LKR Forchheim

Der Dorfpolizist bleibt Geschichte

Mehr Polizeipräsenz fordern manche Bürger aus dem Kreis Forchheim und auch die CSU auf ihrer Klausursitzung. Doch ein Zurück zu Dienststellen wie vor der Gebietsreform wird es wohl nicht geben. Denn die Kriminalität hat sich verändert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Foto aus früheren Tagen: Klaus Fößel vor seinem Einsatzwagen. Foto: privat
Ein Foto aus früheren Tagen: Klaus Fößel vor seinem Einsatzwagen. Foto: privat
+4 Bilder
"Wir brauchen wieder eine Polizei hier im Ort", sagen Rosemarie Heinisch und ihr Kollege Hans Körber. "In Gräfenberg schon alleine wegen des Fünf-Seidla-Steigs", setzt der frühere Bademeister Heinz Müller eins drauf. Die Gräfenberger kennen den Vandalismus im Ort, häufig von Touristen aus der Region verursacht. Und auch verschiedene Einbrüche in Einfamilienhäusern der kleinen Bergstadt sind bekannt. Bis die Polizei komme, seien schnell 45 Minuten vergangen und die Täter wieder weg.

Mehr Polizeipräsenz fordern sie und Bürger aus anderen Orten und meinen damit die kleinen Polizeidienststellen, die teils seit dem Dritten Reich bis in die 60 Jahre kurz vor der Gebietsreform in den größeren Dörfern der damals beiden Landkreise Ebermannstadt und Forchheim existierten.

Besuch zur Sperrstunde

"Einbrüche gab es damals im Dorf nicht", sagt
Hans Dorsch aus Stücht, Heiligenstadt. Auch dort hat es eine kleine Polizeidienststelle gegeben, erinnert sich Dorsch. Er hat an der Heiligenstädter Ortschronik mitgewirkt und kennt die Ortspolizei noch aus seiner Zeit als Jugendlicher in den 60er-Jahren. "Mit den Kumpels saß ich im Wirtshaus und trank ein Bier. Zur Sperrstunde um Mitternacht kamen die Polizisten herein, um zu kassieren. Zwei Mark hat das damals gekostet. Wir sind ausgerissen und später wieder in die Wirtschaft gegangen", erinnert sich Dorsch an seine Jugendzeit, als man noch richtigen Kontakt mit der Polizei hatte.

Eher um Lappalien mussten diese sich damals kümmern. "Ob bei den landwirtschaftlichen Geräten die Rücklichter funktionierten oder ob die Ladung richtig gesichert war", nennt er so einige Einsätze der Ortspolizisten. Deren Dienststelle war im "Mastershaus", wie das große Haus in der Hauptstraße bei den Einheimischen genannt wird.

Kleine Polizeistationen

Meist zu Fuß waren die Dorfpolizisten unterwegs. Aus einem Buch, in dem Polizeiberichte aus dieser zurückliegenden Zeit gedruckt sind, weiß Dorsch auch, dass es im Landkreis Ebermannstadt neben Heiligenstadt in den Orten Muggendorf, Aufseß, Waischenfeld, Hollfeld oder Königsfeld diese kleinen Polizeistationen gab. Eine Notwendigkeit zu diesem Zurück sieht der Heiligenstädter nicht.

Der Hauptkommissar Rainer Penning von der Polizei in Ebermannstadt würde die Frage nach der Effektivität eher verneinen. "Man muss das realistisch sehen", sagt Pennig in Hinblick auf das veränderte Täterverhalten. "Heute kommen sie von irgendwo her angereist und sind in wenigen Stunden wieder verschwunden", beschreibt er das Täterverhalten. Auch die gestiegene Internetkriminalität ist eine veränderte Art der Kriminalität. Ein hoher Sicherheitsstandard durch eine gewisse Anzahl von Polizisten, wie es die CSU fordert, beinhaltet eher nicht, die Polizisten in die Ortschaften zu verteilen. Verglichen mit den 50er- und 60er-Jahren ist auch die Polizei schneller am Einsatzort. Waren die Dorfgendarmen früher zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs, haben auch diese schnelle, flotte Autos. "Das Sicherheitsgefühl der Bürger würde steigen", sagt Pennig und nennt damit den Grund, den so mancher Bürger als Vorteil einer Ortspolizei betrachtet.

"Der Kontakt war da. Wir sind viel Streife gelaufen. Die Leute haben Vertrauen gehabt und auch den einen oder anderen Tipp gegeben. Du bist mit in die Wirtschaft, kanntest den Metzger...", sagt Klaus Fößel.

Eine Wirtsfrau hatte am Heiligen Abend eine Gans für die diensthabenden Stadtpolizisten gebracht. Andere Bürger brachten Krüge, die sie im Wirtshaus nebenan mit Bier füllen ließen als Weihnachtsgruß. "Das waren Leute, die nichts mit der Polizei zu tun hatten, keinen Vorteil darin hatten. Es war einfach ein Weihnachtsgruß", erinnert sich Fößel an die nicht einfachere, aber eben andere Zeit.

Ein "blauer Kollege"

Der heute 70-Jährige war damals einer der jungen, der "blauen Kollegen". Grüne Dienstkleidung gehörte der Landpolizei, blau gekleidet war die Stadtpolizei, wie der Forchheimer Polizeibeamte Robert Schaffranietz von seinem Vater Erich noch weiß. Die Stadt Forchheim hatte eine eigene vollwertige Stadtpolizei, mit Kriminalpolizei. 1972 wurde sie dann verstaatlicht.

Mit dem "Bärenführer" durch die Stadt

Schon in den 60er-Jahren ging es in Forchheim rund. "Schlägereien, Einbrüche, die ganze Palette war dabei", erinnert sich Fößel. Von ihrem "Bärenführer", einem erfahrenen Stadtpolizisten, sind die Neulinge damals durch die Stadt geführt worden, um ihnen die Brennpunkte zu zeigen. Die Bügstraße, in der Menschen in Baracken lebten oder die Hans-Watzlik-Straße gehörten dazu. Eine wilde Gegend, viel Alkohol, viele Schlägereien, erinnert sich der Kriminalbeamte.

"Wer in der Stadt wohnt, kennt die Struktur", meint der Polizist. Mit der Mobilität kam die Veränderung. Die Polizisten leben meist auswärts, fahren nach dem Dienstschluss nach Hause. Sehr viel mobiler geworden sind aber auch die Täter. "Früher kamen die Täter aus der unmittelbaren Gegend. Man kannte die Ganoven", erzählt Fößel, warum man gleich die Richtung wusste, wenn ein Einbruch in ein Garten- oder Einfamilienhaus gemeldet oder man wegen einer Schlägerei gerufen wurde.

"Einbrüche waren schon immer ein Thema. Mit der Öffnung der Grenzen hat sich eine höhere Flexibilität der Straftäter ergeben", fügt Schaffranietz an. "Früher war die Zahl der überreisenden Täter überschaubar", sagt Fößel. Genau diese veränderte Mobilität der Täter betrachtet er als Grund, dass Polizei in den Dörfern wie früher nicht umsetzbar ist. "Die Einbrüche haben eine andere Qualität."

Das Polizeipräsidium Oberfranken

Geschichte Noch im 17./18. Jahrhundert wurden die polizeilichen Aufgaben in Bayern im wesentlichen von der Feldgendarmerie wahrgenommen, die Teil des Feldheeres war.

Bayern Die Errichtung und Organisation der "Königlich-Bayerischen-Gendarmerie" begann, als das 1806 zum Königreich erhobene Bayern 1808 eine Verfassung erhielt. Ab 1813 bis 1918 Königlich-Bayerische Gendarmerie, von 1918 bis 1933 (Weimarer Republik) dem Bayerischen Innenministerium unterstellt, 1933 bis 1945 (Drittes Reich) Organisatorische Zentralisierung der Polizei

Neubeginn von 1945 bis 1953 Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg, 1953 Errichtung der Landpolizeidirektion Oberfranken, von 1953 bis 1965 erste Verstaatlichungen und Errichtung von Großraumstationen

Entwicklung 1966 eigenes Dienstgebäude der Landpolizeidirektion, 1968 bis 1977 weitere Verstaatlichungen, Gebietsreform, 2009 im Zuge der Organisationsreform der Bayerischen Polizei wird die Ebene der Polizeidirektionen am 1. Oktober mit dem Polizeipräsidium verschmolzen.

Leiter des Polizeipräsidiums Oberfranken: 1979 Hubert Mehler, 1987 Walter Wölker, 1999 Wolfgang Asprion neuer Leiter des Polizeipräsidiums Oberfranken, 2006 Gerhard Bauer, seit 1. Oktober 2010 Reinhard Kunkel


Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren