Forchheim
Volkshochschul-Kurs

Den bewussten Umgang mit dem Körper lernen

Brigitte Gareis will mit ihrem Kurs "Tanz Zeit" an der Volkshochschule zu einer bewussteren Wahrnehmung der Körper-Funktionen hinführen.
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Ohne Absprache entstand eine Choreographie aus dem Nichts. Fotos: Hofbauer
Ohne Absprache entstand eine Choreographie aus dem Nichts. Fotos: Hofbauer
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Ein weißes Tuch fest umklammert, folgt Susanne mit verbundenen Augen vorsichtig mit kleinen Trippelschritten ihrer Partnerin Linda, die sie durch den Übungsraum geleitet. Annika hat trotz ihrer Augenbinde mehr Vertrauen zu ihrer Partnerin Camelia. Diese beiden scheinen sich auf ihrem Weg durch Raum und Zeit blind zu verstehen.

Es geht darum, zu erkunden, wie es sich anfühlt, mit verbundenen Augen von einem Partner durch den Raum geführt zu werden. Sich jemandem anvertrauen, sich abzugrenzen, auf Impulse intuitiv zu reagieren, all das sind Bestandteile des Projektes "Tanz Zeit", das Brigitte Gareis ab September bei der Volkshochschule anbieten will.

Auf den Körper hören

Den eigenen Körper wieder bewusst spüren, lautet das Hauptziel des Tanz-Projektes. "In unserer hektischen Zeit nehmen wir vielfach die Signale unseres Körpers nicht mehr wahr.
Deshalb will ich die Menschen sensibilisieren, mehr auf ihr Bauchgefühl zu hören", bekräftigt die gelernte Krankenschwester, die seit mehr als 20 Jahren Tanzkurse für Kinder und Erwachsene anbietet und sich beim Forchheimer Tanztheater engagiert.

"Wer die Hinweise des Körpers ignoriert, riskiert gesundheitliche Schäden", ist Brigitte Gareis überzeugt. Körperbewusstsein sei enorm wichtig. "Wenn wir lernen, die Anzeichen, die uns der Körper gibt, richtig zu deuten, können wir rechtzeitig und angemessen darauf reagieren", findet die Kursleiterin, die sich zur Tanztherapeutin weiter bildet.

So geht es bei der "Tanz Zeit" darum, erst einmal den Raum kennen zu lernen, sich gegenseitig zu beschnuppern, Nähe und Distanz zu erleben, zu seiner Mitte zu finden und schließlich neuen Halt und Kraft zu schöpfen. "Es ist ein völlig ungewohntes Gefühl, wenn ich mir vergegenwärtige, wie sich Bewegung anfühlt", erzählt Annika, die neben sieben anderen Frauen und einem Mann an der "Tanz Zeit" von Brigitte Gareis in Erlangen teilnimmt.

Erdmonster und Flummi-Bälle

Als "einzigartiges Erlebnis" beschreibt Susanne ihre Erfahrungen bei der Raum-Erkundung, beim Hineingehen in einen Saal. "Dabei habe sie nach langer Zeit wieder gespürt, wie es sich anfühlt, mit Socken auf einem Linoleum-Boden zu laufen, habe die Eigenschaften des Untergrundes, auf dem sie stand, bewusst wahrgenommen.

Daran werden die Teilnehmer auch bei der Übung erinnert, bei der es um "Sensory Walk", die Sinneswahrnehmungen bei der Fortbewegung im Raum, geht. Unter Musikbegleitung werden Andreas, Linda, Camelia und die anderen zu "Erdmonstern", bewegen sich in der Hocke durch den Raum oder verwandeln sich in "Flummi-Bälle", die sich vom Boden abdrücken und wahre Luftsprünge vollführen. Bei diesen Bewegungen ist jeder Teilnehmer völlig frei, jeder kann sich entfalten, wie es seinen momentanen Bedürfnissen entspricht.

Wechselspiel der Bewegungen

Diese gelöste Stimmung steigert sich, als die Tanzpaare zu flotten Dudelsack-Klängen Nähe und Distanz erproben. Wie von Magneten angezogen stürzen die Partner aufeinander zu, um sofort wieder vollkommen loszulassen; die Akteure entfernen sich voneinander bis die Wand ihrem Freiheitsdrang Einhalt gebietet. Immer wilder werden die Bewegungen, die schnellen Drehungen, die Partner lösen sich voneinander, treiben quer durch den Saal, um sich bei einem anderen Partner einzuhängen, im Kreis zu drehen und wieder auf Distanz zu gehen. Ein Wechselspiel, das sich in Variationen immer aufs Neue wiederholt.

Körperhaltung zeigt Gefühle

"So werden Verbindungen geschaffen oder gefestigt", erklärt Brigitte Gareis, die in der Art der Bewegung auch eine Form der Kommunikation erkennt. Allein durch die Körperhaltung ließen sich Gefühle ausdrücken, erklärt die Kursleiterin, die im Tanz eine Form der Therapie entdeckt hat. "Helfen und Heilen war schon immer mein Anliegen", bekräftigt die gelernte Krankenschwester, bei der die freie Bewegung zur Musik Blockaden gelöst haben. Körperliche und seelische.

Wie schwer es ist, loszulassen, zu entspannen, erfahren die Kursteilnehmer bei einer Partnerübung, bei der einer "toter Mann" spielt und der andere versucht, die Hände, Arme oder Beine des Gegenüber zu bewegen. Wiederholt spannt der Bewegungslose seine Muskeln an, verkrampft sich, sperrt sich gegen die Fremdkontrolle. Doch es geht auch ganz anders. Als die Tänzer getragene Melodien auf sich wirken lassen und in Bewegung umsetzen sollen, entwickeln sich immer fließendere, harmonischere Bewegungen, die in einer fast synchronen Choreografie mündet, die ohne jede Absprache aus dem Nichts entstanden ist. Und der Alltag ist dabei ganz weit weg.

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