Gräfenberg
Fasching

Dem Spott folgt die Geselligkeit

Die Bürgermeister von Gräfenberg und Neunkirchen müssen sich von den närrischen Weibern einige Bosheiten anhören. Am Ende heilt der Frohsinn aber alle aufgerissenen Wunden.
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Gräfenbergs Bürgermeister Werner Wolf (M.) macht gute Miene zum anfangs bösen Spiel.
Gräfenbergs Bürgermeister Werner Wolf (M.) macht gute Miene zum anfangs bösen Spiel.
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Weiberfasching in Gräfenberg: Eine wilde Horde närrischer Weiber stürmt das VG-Gebäude, um als Putzweiber mit einen dreifachen "GräWei-GräWei-GräWei" die Krawatte von Bürgermeister Werner Wolf (FW) abzuschneiden.

Anschließend haben ihm die närrischen Weiber die Leviten gelesen. Ein letztes Mal, nachdem Wolf bei der Wahl im März nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidiert. "Das Oberhaupt ist zum letzten Mal da/ drum machen wir das Schiff jetzt klar/ 18 Jahre hat er hier geschippert / aus seichtem Wasser kam er nie heraus/ drum jetzt für ihn ein klares Aus", musste Wolf sich unter anderem anhören.

Und weiter spotteten die Weiber: "All die Jahre hü und hott/, so konnte ja nicht viel geschehn / sonst würde Gräfenberg viel besser dastehen/ nun hoffen wir, dass es aufwärts geht in unserer Stadt/die Lahmarschigkeit haben wir jetzt satt."

Beleuchtung für den Osterhasen

Auf diese Weise kamen vielerlei Mängel in der Stadtpolitik zur Sprache. Die Putzweiber schleuderten sie Wolf im Kehrreim an den Kopf. Da ging es um den immer noch nicht gesicherten Erhalt des Freibads, die Geschäfte am Marktplatz, wo keiner mehr hingeht, der Dreck im Friedhofsgässchen oder auch die wilde Parkerei in der Bayreuther Straße. Nicht zu vergessen die Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt, die wohl in Kürze auch gleich noch den Osterhasen begrüßen soll.

Für einen versöhnlichen Abschluss sorgten dann Gott sei Dank die Kleinen vom Kindergarten, die in ihren putzigen Kostümchen einige nette Liedchen trällerten, bevor es an die Partyschnittchen ging.

Neuer Ort, derselbe Anlass: In Neunkirchen mutete die Szenerie wie aus einem Abenteuerfilm an: Unten begehrten die NCV-Elferräte mit einem leibhaftigen Rammbock, mit ihren Gardemädchen und den gefürchteten, umtriebigen Hexen, die sich derweilen die Zeit mit dem einen oder anderen Schabernack vertrieben und dabei so manchen Autofahrer in der Erlanger Straße zum Wahnsinn trieben, Einlass in das Rathaus.

Derweil oben gelangweilt Bürgermeister Heinz Richter (FWG) am Fensterbrett saß und die Narren vor der Tür erst einmal zappeln ließ.

Richter wehrt sich

So erinnert sich der Narrenpräsident in Zeiten der Wahl nur zu gut: "Wenn hier vorm Haus der Volkszorn tobt/ ham die stets Besserung gelobt, kaum sind sie wieder an der Macht/ sind vergessen über Nacht, die guten Vorsätz allemal/ das anzuschaun, ist eine Qual."

Und weiter in guter Büttenredner-Tradition ging es weiter: "Drum, Bürgermeister zieh' Dich warm an/ die anderen Kandidaten blasen zum Sturm auf Dein Stuhl, der Sepperla und der Pfister sie machen sich bereit/ Dein Amt zu übernehmen für die nächste Zeit."

Da war dann auch Richter gefordert, der nicht verlegen sogleich dagegenhielt: "Die sich selber Narren nennen/jedem Weiberrock nachrennen/ wochenlang nur Schampus trinken/ nach Schnaps und Zigaretten stinken, ihr Geld verjubeln weit und breit/ in der fünften Jahreszeit."
Trotz allem närrischen Geplänkel kam es dann, wie es kommen musste: Die Tür blieb heil. Trotzdem kamen die
Narren ins Rathaus. Dort kamen sich Bürgermeister, Narren und auch die durchfrorene Bürgerschar bei einem Gläschen Sekt oder zweien menschlich etwas näher. Danach spukten die NCV-Hexen noch den ganzen lieben Abend durch den historischen Marktflecken.
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