Forchheim
Bauprojekt

Dem Investor reißt der Geduldsfaden

Die Bauplanung auf dem Jahn- und ATSV-Gelände geht nicht so voran, wie erhofft. Jetzt redete der Investor Tacheles.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das  Netz über dem  ATSV/Jahn-Gelände  hat die  Investorenfirma      Dignus aus Hamburg schon lange ausgeworfen.   Bis      17. April fordern die  Investoren nun eine Entscheidung.Josef Hofbauer
Das Netz über dem ATSV/Jahn-Gelände hat die Investorenfirma Dignus aus Hamburg schon lange ausgeworfen. Bis 17. April fordern die Investoren nun eine Entscheidung.Josef Hofbauer
Nach zweieinhalb Stunden Debatte um die Bebauung des Jahn-Geländes wurde Axel Rütters deutlich. Der Seniorchef des Hamburger Immobilienentwicklers Dignus war mit seinem Sohn Tilman Rütters in den Planungsausschuss gekommen. Die beiden Dignus-Geschäftsführer hatten lange geduldig zugehört und Fragen der Stadträte zur Bauplanung in der Jahnstraße beantwortet. Als die Liste der Umplanungswünsche immer länger wurde, riss Axel Rütters der Geduldsfaden: "Unglaublich viel Geld zu unseren Lasten" sei für die Planung bereits ausgegeben worden. Die Investitionserhöhung betrage bereits über eine Million Euro. "Wir können das nicht unendlich weitertreiben." Er habe angenommen, sagte Axel Rütters, dass der Kompromiss mit den Vereinen (Jahn und ATSV) "immer das Wichtigste" bei den Verhandlungen gewesen sei. Doch offenbar, so sagte Rütters in Richtung Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) sei die Stadt nicht bereit, einem einflussreichen Verein wie dem Jahn entgegenzukommen.
Er sei nicht bereit "weiter Geld in das Projekt zu versenken", sagte Rütters unmissverständlich und stellte eine Art Ultimatum: Die Sitzung des Stadtrates am 21. März könne noch abgewartet werden, doch dann müsse der Planungsausschuss am 17. April eine Entscheidung treffen: "So oder so!"
OB Kirschstein wies zwar den Vorwurf zurück, dass sich die Stadtseite November nicht auf die Vereine zubewegt habe - "es gibt Bewegung auf der Stadtseite". Gleichzeitig zeigte Kirschstein Verständnis dafür, dass es den Immobilienentwickler aus Hamburg "umtreibt", wie Tilmann Rütters gesagt hatte. Denn die Dignus-Geschäftsführer waren am Dienstag in der Hoffnung nach Forchheim gekommen, einen Auslegungsbeschluss für das Baugebiet Jahnstraße mit nach Hause nehmen zu können. Doch die vielen Details, die die Räte dann bezüglich der Baudichte, des Schallschutz oder der Verkehrsführung geregelt haben wollten, brachten Tilmann Rütters an seine Kapazitätsgrenze: All die Forderungen der Stadträte bis zum 21. März umzusetzen, sei "extrem schwierig". Die vielen detaillierten Einwände hätten schon im November kommen können, sagte Tilmann Rütters und deutete an, dass es unzumutbar sein, die Planer in der knappen verbleibenden Zeit in "immer neue Arbeitsschleifen" hineinzubringen.

Zur Erinnerung: Seit April 2016 ist davon die Rede, dass die Entwicklung des Jahn-Geländes auf der Zielgeraden sei. Am Dienstag wurden die Räte im Bauausschuss aber erneut grundsätzlich. Reiner Büttner kritisierte für die SPD die "überfrachtete Bauweise". Zumindest die Siebenstöckigkeit in einem der Baufelder müsse auf sechs Stockwerke reduziert werden. Ludwig Preusch (FW) monierte Details der Schallschutzberechnungen und die hohe Zahl (168) der durch den geförderten Wohnungsbau geplanten Wohneinheiten.
Auch Holger Lehnard (CSU) hatte "ein Problem mit der Menge der Wohneinheiten". Im März 2015 sei noch von insgesamt 240 die Rede gewesen, jetzt von 352. Auch die Bauhöhe steige beständig, in einem Baufeld von fünf auf jetzt sieben Geschosse. Wie Reiner Büttner wollte auch Manfred Mauser (FBF) ein Haus zugunsten eines Spielplatzes weglassen. Und die CSU-Räte Udo Schönfelder und Josua Flierl zeigten sich besorgt, das Thema Schallschutz könnte mit der Firma Infiana unzureichend geklärt sein.
Tilman Rütters stand einigen dieser Argumente etwas ratlos gegenüber: All diese Fragen würden doch "im Verfahren geklärt". Zudem sei die Freigabe für das städtebauliche Konzept auf dem 30 000 Quadratmeter großen Areal schon da. Natürlich werde es die geforderte Weitläufigkeit entsprechend der gesetzlichen Auflagen geben. Das betonte auch der aus der Oberpfalz stammende Architekt Thomas Lemberger: "Das Aufstellungsverfahren sei "ein Prozess, bei dem niemand übergangen wird. Selbstverständlich halten wir die gesetzlichen Vorgaben ein." Und FDP-Rat Sebastian Körber appellierte an seine Kollegen, dieses "wertvolle Projekt" nun doch "bitte mal im Fahrplan zu belassen".
Schließlich einigten sich die Investoren und der Planungsausschuss auf einen Vorschlag, mit dem sich nun der Stadtrat am 21. März befassen wird: Im Baufeld vier (dort, wo die geförderten Wohnungen entstehen) werden nur sechs Geschosse in einer Höhe von 18 Metern entstehen. Im Baufeld 1 werden die Gebäude maximal vier Geschosse (zwölf Meter) hochgezogen. Einer der Planer des Investors sagte am Rande der Sitzung, dass sich die ursprüngliche Zahl der Wohnungen (352) durch die Umplanungen um rund 25 Wohnungen reduzieren dürfte.
In einer Presseerklärung der CSU-Stadtratsfraktion betonte Udo Schönfelder am Mittwoch erneut: Die Planung auf dem Jahn-Gelände müsse für die Umwelt und das Umfeld verträglich sein, "was unmittelbare Auswirkungen auf Dichtheit und Höhe angeht. Einem maximal auf Rendite orientierten Wunschdenken der Planer wird nicht stattgegeben." Neben Vorhaben wie Dachbegrünungen fordere die CSU-Fraktion, "die Auswirkungen aufs Umfeld zu analysieren, beispielsweise auch hinsichtlich der Schulplätze für künftig dort wohnender Kinder".
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren