Gotteshaus

Das theologische Konzept der Christuskirche in Neunkirchen am Brand

Die äußere Gestaltung der erst 19 Jahre alten Christuskirche in Neunkirchen am Brand ist nicht der einzige Unterschied zu anderen Kirchen.
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Die evangelische Christuskirche in Neunkirchen am Brand Foto: Petra Malbrich
Die evangelische Christuskirche in Neunkirchen am Brand Foto: Petra Malbrich
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Die vielen Kirchenaustritte in den vergangenen Jahren stehen völlig konträr zum Wunsch, eine Kirche zu bauen. Trotzdem verspürten die wenigen evangelischen Gläubigen in Neunkirchen am Brand diesen Wunsch und bauten eine Kirche. 2000 wurde die Kirche eingeweiht. Das Gebäude ist völlig konträr zu denjenigen, die man bei dem Wort Kirche vor Augen hat. Sich ein Kirchengebäude vorzustellen, das einem gefällt, war deshalb auch Wilfried Heeses Bitte an die Besucher, die zu einer Kirchenführung gekommen sind. Sie fand im Rahmen der Evangelischen Erwachsenenbildung statt, zu deren Programm auch die Kirchenführungen unter verschiedenen thematischen Schwerpunkten stehen. Das theologische Konzept hinter der Christuskirche stellte Heese vor. Auch aus Forchheim kam ein Ehepaar, um diese von außen schlicht und modern erscheinende Kirche erläutert zu bekommen. Genau so beschrieben die Teilnehmer dann auch ihre ersten Eindrücke von der Kirche: nüchtern, schlicht, modern. Aber sie unterscheidet sich in etlichen Dingen von anderen Kirchen. Trotz des Baustils ist in allen Ecken und Details die Botschaft der Bibel zu sehen. Das beginnt bereits mit dem Kirchturm. Nicht das Kreuz ziert den Turm, sondern ein Hahn. "Es erinnert an Petrus. Ehe der Hahn drei Mal kräht", erklärt Heese und bringt dann den Neunkirchener Künstler Felix Müller ins Gespräch. Viele seiner Werke wurden nicht verkauft. Der ortsansässigen Ärztin Gisela Rehm jedoch gelang es, ihm Werke abzukaufen - auch die Skizze von dem Hahn, der nun den Kirchtrum prägt. Übertragen bedeute der Hahn, das eigene Handeln zu reflektieren, zu bedenken, was man tue, meint Heese. Die Fenster auf dem Dach zum Kirchturm sehen wie eine Himmelsleiter aus und das nebenan wie Flügel. In einem Psalm sei das erwähnt. Auf einer blauen Tür ist ein Labyrinth angeordnet, das von jedem selbst interpretiert werden dürfe. Für Wilfried Heese steht es für die Lebensphasen mit dem Ziel, zur Mitte, zu Jesus hinzugelangen. Es gebe nur einen Weg - wie im Labyrinth.

Ergebnis eines Schülerwettbewerbs

Der Grundstein gleich im Innenbereich, neben der Tür, war das Ergebnis eines Schülerwettbewerbs. Die Schüler sollten sich vorstellen, wie die Himmelsleiter aussehe. Gleich nach der Glastür fällt der Blick auf den Altarraum - nicht auf den Altar selbst, sondern auf das überdimensional große Altarbild, gemalt von Oskar Koller. Auch für dieses Bild gibt es keine Beschreibung. Es ist der eigenen Interpretation überlassen, ob Lichtblicke gesehen werden, in Verbindung mit den Lichtblicken, die beispielsweise Maria oder die Frauen erfahren haben, als sie das leere Grab vorgefunden hatten. Während Wilfried Heese erzählt, wie es zu den Künstlern und wie es zur Entscheidung zum Bau einer Kirche kam, plätschert im Hintergrund leise Wasser. Beruhigend. Es ist im Bereich vor dem Altarraum angebracht. Ein kleiner Wasserbereich ist wie ein Teich in den Boden gelassen, größere Trittsteine führen zu einem großen runden Stein - dem Taufbecken. Wie dieses Gebilde wirkt? Wie Flügel und ein Rumpf, der eine Taube darstellen soll. Der Kopf ist das Taufbecken. Der biblische Grundstein dazu: "Als Jesus im Jordan getauft wurde, kam eine Taube", erklärt Heese. Wenn hier die Gläubigen getauft werden, steht der Täufling auf der Taube, auf dem Symbol des Heiligen Geistes.

Name schnell gefunden

Dass der Name der aus der Feder des Architekten Rehm, dem Ehemann der Ärztin, stammenden Kirche Christuskirche lauten soll, da waren sich die Gläubigen schnell einig, sind doch viele "Ich-Botschaften", viele Christusbotschaften verbaut. Etwa die Krone auf dem Lesepult : "Ich bin ein König, ich bin in die Welt gekommen, um die Wahrheit (...)". Die zwölf Zacken der Krone stehen stellvertretend für die zwölf Stämme und die zwölf Apostel. Und da sind die vielen Bibelworte, die auf die Altarbeine gedruckt sind: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind", "Ich bin der Weinstock" - Worte von Jesus Christus, die die Gläubigen bestärkten, das Gotteshaus Christuskirche zu nennen.

Früher im Tanzsaal

245.000 Mark hatten die evangelischen Christen für ihre Kirche zur Verfügung. "Macht damit, was ihr wollt", soll die Landeskirche auf das Drängen der Neunkirchener und Ermreuther Protestanten geantwortet haben. Denn bevor sie ihre Kirche bauen konnten, variierte der Gebetsraum. Einmal mussten die evangelischen Gläubigen ihren Gottesdienst in einer Kapelle halten, dann in einer Schulbaracke und sogar im Tanzsaal der Gaststätte "Zur Seekuh". "Da durfte der Mesner vorher die Biergläser wegräumen", erinnert sich Heese an diese Zeit. Bevor er die Theologie, die Bibelworte hinter der Christuskirche erläuterte, bot er den Teilnehmern einen historischen Rückblick bis zur Einweihung der Christuskirche im Dezember 2000.



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