Forchheim
Verfall

Das Spitalgebäude in Forchheim bewegt sich in den Fluss

Das Spitalgebäude in der Bamberger Straße 1 ist in eine kostspielige Schieflage geraten. Aber es gibt Hoffnung, das Gemäuer aufzurichten - und das Nutzungskonzept steht schon.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Spitalkirche und der angrenzende ehemalige Speisesaal des Katharinenspitals sind in die Schräglage gekommen - und müssen wieder aufgerichtet werden.  Fotos: Ekkehard Roepert
Die Spitalkirche und der angrenzende ehemalige Speisesaal des Katharinenspitals sind in die Schräglage gekommen - und müssen wieder aufgerichtet werden. Fotos: Ekkehard Roepert
+2 Bilder

Bernd Mittnacht ist Spezialist für Tragwerke und der Befund des Würzburger Bauingenieurs für das alte Spitalgebäude klingt beunruhigend: 1981 sei dem Haus "ein Stahlsystem verpasst" worden, das zu "extremen Verformungen" geführt habe. "Das Gebäude hat sich Richtung Fluss bewegt und diese Bewegung ist nicht zum Stillstand gekommen."

Weil das Haus 50 Zentimeter abgesunken ist; weil es daher voller Risse und Stufen ist; weil das Dach marode und das Fachwerk zum Teil verfault ist, steht nun eine kostspielige Sanierung an. Die bei der Stadt zuständige Architektin Sigrun Wagner schätzt vorsichtig: 3,3 Millionen Euro. "Es könnten aber auch 3,5 Millionen werden."

Zurück ins Lot

Der spektakulärste Teil der Sanierung wird drin bestehen, das Gemäuer in der Bamberger Straße 1 wieder aufzurichten. Bernd Mittnacht erzählte den Stadträten am Montag im Stiftungsausschuss von einem historischen Bauwerk in Bamberg; es sei 75 Zentimeter geneigt gewesen und wieder komplett ins Lot gebracht worden.

Finanziert wird diese Sanierung zu 60 Prozent über Isek-Fördermittel und 40 Prozent über die Städtebauförderung. Ein kleiner Eigenanteil der Stadt könnte am Ende dennoch fällig werden, ließ Kämmerer Detlef Winkler anklingen.

Seit einem Jahr beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit einem Nutzungskonzept für das Anwesen, das die städtische Pfründnerstiftung besitzt. Geplant ist, das alte Spitalgebäude und die Kirche des Katharinenspitals zu einem Treffpunkt umzugestalten. Für junge und alte Menschen und für Menschen mit Handicap. Workshops, Mittagstisch, Konzerte und Vorträge soll es in den Räumen geben - auch in der Kirche. Das Allerheiligste wird daher im Gebetsraum der Sakristei untergebracht. Zudem ist der Einbau eines Aufzugs geplant - und auch rund 240 Quadratmeter Wohnraum sollen entstehen.

Sigrun Wagner kündigte den Baubeginn für das Frühjahr 2012 an. Die Stadträte im Stiftungsausschuss waren einstimmig für die Sanierung und das Nutzungskonzept. Natürlich fehlte es nicht an kritischen Stimmen. Die fragten, wie es zu dem undichten Dach, zu dem Fäulnisschaden und den vielen Bausünden habe kommen können. "Warum nicht früher eingegriffen wurde", wollte etwa Paul Nerb (FBF) wissen.

Bernd Mittnacht und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) meinten unisono: In den 80er Jahren seien die Sanierungsexperten nicht annähernd so weit gewesen wie heute. Das Tragwerk, das jetzt entstehen werde (nach historischem Vorbild und ganz ohne Stahl) werde "locker 100 Jahre halten", versprach Mittnacht. Er räumte aber auch ein, dass in Städten wie etwa Reichenhall die historischen Gebäude regelmäßig ("alle fünf Jahre) untersucht würden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren