Forchheim
Verwechslungsgefahr

Das Pilzjahr schlechthin

Heuer wachsen Pilze so gut wie nie zuvor. Doch wer die Delikatesse aus dem Wald und den Wiesen unbeschwert genießen möchte, muss aufpassen.
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Es ist Pilzzeit. Unbestreitbar. Frühmorgens sind bereits die ersten Pilzsammler und spätabends wieder welche unterwegs. Sie gehen dann auch in Einbuchten, wo die Rehe ruhen. Jäger und Sammler treffen in der Zeit so manches Mal zusammen.

Aber die Pilzsammler wollen gern als erste an bekannten Stellen sein, um etliche der Delikatessen in den Korb legen zu können. Diese Leckerei schießt derzeit im wahrsten Sinne des Wortes wie Pfiffer aus der Erde, denn heuer ist ein Pilzjahr. "Es ist feucht und warm. Das sind die besten Bedingungen zu wachsen", sagt Stephan Keilholz.


Wie ein Schnitzel zubereiten

Der Forstbetriebsleiter gehört auch zu den Pilzsuchern und isst diese Pilzgerichte recht gern. Den goldgelben Pfifferling zum Beispiel oder ganz besonders den Parasolpilz. "Er wird wie ein Schnitzel zubereitet", sagt Keilholz. Obendrein gilt der Riesenschirmling als Delikatesse.

Wie auch dieser Pilz hat jeder Pfiffer seine Eigenarten. Merkmale, an denen er erkennbar ist, und Plätze, an denen die Pilze zu finden sind. Solche Geheimtipps hat wohl jeder Pilzsammler und behält sie natürlich für sich. Stephan Keilholz bittet nur darum, den allgemeinen Rat zu beherzigen: Man sollte nur mitnehmen, was man kennt. Das hilft der Gesundheit und dem Pilz.

Das Naturschutzgesetz erlaubt, Pilze für den eigenen Verzehr mit nach Hause zu nehmen. In den Handel dürfen die Pilze nicht gebracht werden. Ob manche Menschen, die körbeweise die Pilze nach Hause tragen, sie auch wirklich selbst verzehren, ist für den Forstbetriebsleiter fraglich.

Dann gibt es auch geschützte Arten, von denen manche leicht mit Steinpilzen verwechselt werden können. Davon einen mitzunehmen, schade der Population nicht gleich, doch könne eine Verwechslung auch andere Folgen haben.

Der Gallenröhrling beispielsweise sieht einem Steinpilz durchaus ähnlich. Doch während der Steinpilz ein geschmackliches Erlebnis ist - in Butter gebraten ein Hochgenuss oder auch getrocknet in der Soße mit Schinken angebraten hervorragend zu Spaghetti - und gern gegessen werden darf, ist der Gallenröhrling das komplette Gegenteil. Er ist leicht mit dem Steinpilz verwechselbar, aber alles andere als genießbar.

Ein Pilzsammler hatte einen ganzen Korb herrlicher Steinpilze gesammelt, die er dem Forstbetriebsleiter zeigte. Stephan Keilholz aber fand einen einzigen Gallenröhrling in dem Korb. Einer reicht, um die anderen Pilze, das ganze Essen ungenießbar zu machen.

Der Steinpilz hat am Stiel eine weiße Netzstruktur, beim Gallenröhrling ist das Netz immer braun. Darauf weist Alexander Ulmer, Pilzexperte des Landesbunds für Vogelschutz, hin. Eine Verwechslung könne durch diese Unterscheidung vermieden werden.


Eindeutige Merkmale

Regelrecht schwere Bauchschmerzen und Magen-Darmbeschwerden verursacht der Satansspilz. Dieser Pilz ist eine Pilzart der Dickröhrlingsverwandten und kann mit rotporigen Dickröhrlingen verwechselt werden. Nur dass der Satanspilz giftig ist. Nicht tödlich giftig. Doch auch solche Pilze wachsen im Wald und können durchaus mit essbaren Pilzen verwechselt werden, wenn man kein Pilzexperte ist.

Mit dem Champignon können junge Knollenblätterpilze verwechselt werden. "Der Knollenblätterpilz ist tödlich", warnt Keilholz eindringlich. Dabei würde die Vergiftung zunächst überhaupt nicht bemerkt. "Symptome zeigen sich erst nach einiger Zeit. Doch dann ist die Leber bereits so geschädigt, dass es keine Rettung mehr gibt", erklärt der Experte Keilholz. Der Pilz muss nicht unbedingt schlecht schmecken, trotzdem wird er beim ersten Biss zur tödlichen Gefahr.

Wer die gesammelten Pilze unbeschwert genießen möchte, sollte sich vor dem Verzehr den Rat eines Fachmanns einholen. Das kann Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz sein oder der Landesbund für Vogelschutz. Unter Tel. 09561/407970 kann einen Termin zur Pilzberatung ausmachen.
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