Effeltrich
Bilanz  

Das Miteinander ist ihr wichtig

Nach 100 Tagen im Amt sieht die neue Bürgermeisterin von Effeltrich, Kathrin Heimann, positiv in die Zukunft.
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Kathrin Heimann vor dem Rathaus in Effeltrich Foto: fra-press
Kathrin Heimann vor dem Rathaus in Effeltrich Foto: fra-press
Seit 100 Tagen ist die 39-jährige Kathrin Heimann (DEL) jetzt Bürgermeisterin der 2766 Einwohner zählenden Gemeinde Effeltrich und gleichzeitig Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Effeltrich. Trotz der Dreifachbelastung als Ehefrau und Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern, als gelernte Bankfachwirtin und jetzt auch noch als Gemeindeoberhaupt möchte sie keinen Augenblick ihrer neuen Tätigkeit missen.

Dabei zeichnete sich der Weg an die Spitze der Gemeinde für die gebürtige Effeltricherin schon seit Jahren ab. Zunächst engagierte sie sich vier Jahre lang im Elternbeirat des Kindergartens, dem sie dann von 2006 bis 2008 vorstand, und in dieser Zeit bekam sie auch Kontakt mit den Organisatoren der Bürgerinitiative "Einkaufsmarkt". "Dort konnte ich mich schnell mit deren Ziel identifizieren, auf das von der Gemeinde für über eine Million Euro von der Obstbaugenossenschaft erworbene Rathausgrundstück wegen der
Gefährdung der Kinder keinesfalls den neuen Kindergarten zu bauen, sondern in einem weiteren Bürgerbegehren den Bau eines Einkaufsmarktes auf dem 7700 m² großen Grundstück zu errichten", wie sich Kathrin Heimann erinnert. Spätestens da häuften sich die Fragen von Mitbürgern, ob sie sich nicht schon einmal überlegt habe, als im Dorf geborene und vernetzte Bürgermeisterin zu kandidieren.

"Als ich dann mit meiner Familie das erste Mal über eine mögliche politische Laufbahn in der Gemeindepolitik sprach, verspürte ich schon anfangs so etwas wie gemischte Gefühle dabei. Auch wurde mir danach schon bald klar, dass ich es nicht schaffen würde, das Bürgermeisteramt mit einem Teilzeit-Job in der Bank zu vereinbaren, ohne dass darüber meine Lieben zuhause, vor allem meine beiden Kinder, zu kurz kommen würden." Deshalb habe sie jetzt die Weichen neu gestellt, und ihre Tätigkeit bei der Bank erst einmal aufgegeben.

Zuverlässige Ratgeber

Dennoch ist sie froh, dass sie mit ihren beiden Stellvertretern Simon Wäger und Norbert Giersch, aber auch mit den Freunden und Helfern von der Gruppierung von der Effeltricher Liste (DEL) zuverlässige Ratgeber an ihrer Seite habe, ganz abgesehen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Rathausverwaltung unter Geschäftsleiter und Kämmerer Andreas Pfister.

Dabei wiederholt Kathrin Heimann ihr Angebot an die anderen Fraktionen, in den wichtigen Themen wie der Ortsentwicklung oder auch der finanziellen Konsolidierung immer zu einer interfraktionellen Zusammenarbeit bereit zu sein - ohne die in der Vergangenheit oft vorherrschenden Streitigkeiten und persönlichen Angriffe, sondern in einem konstruktiven und sachlichen Miteinander.

In diesem Zusammenhang nennt sie das Rathausgrundstück, das zeitnah einer sinnvollen Nutzung z. B. als kulturelles Zentrum für die Ortsgeschichte und als lebendiger Ortsmittelpunkt, für den Wohnungsbau für junge Familien oder als Standort eines Ärztehauses zugeführt werden könnte. Aber auch die Einrichtung einer Tagespflege für Senioren nennt Heimann, ebenso sei eine weitere Aufgabe für die nächsten Jahre der Ausbau des Hochwasserschutzes.

Nahversorgung ganz vorne

Immer noch ganz vorne auf ihrer Liste stehe die Nahversorgung der Bürger. Hier gelte es nun langsam, den Willen der Bürger aus dem Bürgerentscheid zu entsprechen und einen Supermarkt in einer Ortsrandlage zu errichten. Dabei biete sich vor allem ein Standort an der Staatsstraße 2243 in Richtung Kersbach an, wo zuvor die Hochwassergefahr abzuklären sei, aber auch in Richtung Poxdorf wäre ein Standort denkbar.

Heimann wünscht sich auch für die Zukunft eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen, ohne dass die früher im Gemeinderat alltägliche Konfrontation wieder zurückkehrt. "Die Bürger und Bürgerinnen haben einen Anspruch auf eine erlebbare und vor allem begreifbare Gemeindepolitik, damit sie ihre Bürgermeisterin und den Gemeinderat wieder schätzen können. Dafür möchte ich mich auch künftig mit voller Kraft einsetzen."

Dies traut ihr auch SPD-Gemeinderat Gerhard Ach-Kowalewski zu, der im ersten Wahlgang sieben Prozent der Stimmen geholt hatte und danach eine Wahlempfehlung für Heimann gegeben hatte.

"Bisher macht Kathrin ihre Arbeit recht gut, was sich vor allem am neuen Klima in dem Gremium äußert, wo jetzt fraktionsübergreifende Zusammenarbeit anstatt der früheren politischen Konfrontationen angesagt ist", so der SPD-Gemeinderat weiter, "vor allem muss sich die neue Bürgermeisterin um eine durchdachte Verwendung des Rathausgrundstückes und generell um die Einziehung der zahlreichen Außenstände der Gemeinde kümmern, um so möglichst schnell die Gemeinde Effeltrich wieder finanziell auf gesunde Füße zu stellen."

Für Wolfgang Batz, Fraktionssprecher der CSU/ÜWG, dagegen kommt eine Beurteilung der neuen Bürgermeisterin Kathrin Heimann nach einer so kurzen Amtszeit von gerade einmal etwas über 100 Tagen noch viel zu früh. Er wolle das zarte Pflänzchen der sich anbahnenden sachlichen und frei von Reibereien verlaufenden Zusammenarbeit über die Fraktionsgrenzen hinaus zum Wohle der Bürger in Effeltrich nicht durch ein vorschnelles Urteil gefährden, das könne man sich frühestens zu Beginn des nächsten Jahres erlauben, wie Batz um Verständnis bat.

Nach der Wahlanfechtung ist Kathrin Heimann froh, dass die Rechtsaufsicht beim Landratsamt keinerlei Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten bei der Stichwahl gefunden hat. Jetzt werde sie erst recht versuchen, in den nächsten Jahren eine Politik zu machen, die auch von den 49,4 Prozent ihrer Nichtwähler irgendwann akzeptiert, vielleicht sogar geschätzt wird.

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