Lilling
Hopfenanbau

Das grüne Gold wächst erstaunlich gut in Lilling

Der weltweit größte Biohopfenanbauer kommt aus dem Landkreis Forchheim. Auch er kämpft gegen Erdflöhe, Spinnen und Schäden durch Rehböcke.
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Informationstreffen bei den Lillinger Hopfenbauern Foto: Petra Malbrich
Informationstreffen bei den Lillinger Hopfenbauern Foto: Petra Malbrich
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Meterhoch rankt sich die sattgrüne Hopfenpflanze um die gespannten Drähte und bildet ihre Dolden aus - Rebe um Rebe. 220 Meter lang ist eines der vielen Hopfenfelder in Lilling, dessen Früchte für Geschmack in den Bieren sorgen. Alle Welt blickt nach Lilling, wenn es ums Bier geht. Hier bauen mit der Familie Pingold und dem weltweit größten Biohopfenanbauer, der Familie Franz Friedrich, zwei der einzigen drei Hopfenanbauer aus dem Landkreis Forchheim das grüne Gold an. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, was die anderen Hopfenanbauer aus dem Siegelbezirk Hersbruck, aus der Hallertau und aus Südtirol bestätigen können, aber auch die fast einhundert Gäste, die sich auf den Hopfenfeldern zum Informationstag getroffen haben. Neben den Hopfenhandelsvertretern und Beamten aus dem Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten aus Roth für den Bezirk Hersbruck waren auch Werner Brunner vom Verband deutscher Hopfenpflanzer und Politiker - allen voran die Europaabgeordnete Marlene Mortler, der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann und Vizelandrätin Rosi Kraus (alle CSU) - zur Hopfenbesichtigung gekommen.

Siegelbezirk Hersbruck

Eingeladen hatten die Hopfenpflanzer des Siegelbezirks Hersbruck und die Dienststelle Hersbruck vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Roth. Markus Eckert, Vorsitzender des Vereins Hopfenland Hersbruck und Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf betonten die positive Entwicklung des Hopfenanbaus. Inzwischen wird auf 61.000 Hektar Hopfen angepflanzt. 38 Hektar Hopfen zählt der Biobereich des weltweit größten Anbauers Franz Friedrich. Noch im Frühjahr hatte er große Probleme mit dem Erdfloh. Müsste der Hopfen Mitte Mai an den Draht gehängt werden, waren auf Friedrichs Feld kaum Hopfenpflanzen zu sehen. "Der Erdfloh hatte den Hopfen im Nu gefressen. Er frisst nicht nur die Blätter, er frisst auch unten weiter. Der Erdfloh ist gierig", erinnert sich Friedrich an diese Schreckenssituation. Verschiedene Behandlungsversuche hat Friedrich dann selbst gestartet. "Man muss selbst viel ausprobieren. Bei den Sonderkulturen im Biobereich gibt es zu wenig staatliche Unterstützung", sagt Friedrich. Damit meint er nicht finanzielle, sondern wissenschaftliche Unterstützung.

Selbst recherchiert

So recherchierte er selbst und fand nach zahlreichen Internetsuchen mit einer Gipsart eine biologische Behandlungsmethode und spritzte Molke hinterher. Der Erdfloh war dann nicht mehr zu sehen. "Wenn es ein Mittel gäbe, könnten wir es gleich verwenden", appelliert Friedrich an die Gäste. Die Erfolge auf seine Versuchsreihen hin sprechen für den leidenschaftlichen Hopfenanbauer. "Man braucht keine große Chemiekeule", beteuert Friedrich. Sein Plaudern aus dem Nähkästchen bei der Fahrt auf zwei Schleppern von Hopfenfeld zu Hopfenfeld ist zugleich Erfahrungsaustausch. "Wenn eine Pflanze krank ist, werden Maßnahmen benötigt. Ohne Pflanzenschutz kommt man nirgends aus", beteuerte Werner Wolf, der die gute Zusammenarbeit zwischen konventionellen Hopfenanbauern und Bioanbauern lobt. 20 verschiedene Hopfensorten werden in den Anbaugebieten gepflanzt, verschiedene Sorten auch in den Lillinger Hopfenfeldern. Vor der "Saphir" steht Claudio Pingold. Dies ist eine Hopfensorte, die sich schön verarbeiten lässt. Doch auch die Pingolds hatten Probleme - nicht mit dem Erdfloh, sondern mit dem Rehbock. Junge Rehböcke, denen die Hörnchen jucken, reiben sich an den Reben. Das scheuert die Rebe kaputt. Der Landwirt muss aufpassen, dass der Stock nicht ganz eingeht. Auch die zwischen den Hopfen gepflanzte Frucht müsse gut bedacht sein; die richtige zu finden, probiert Claudio gerade aus. "Sonnenblumen und Senf haben im Hopfen nichts zu suchen", erklärt Friedrich, besonders wegen der Trockenheit. Die Schädlinge sind heuer beim Hopfen nicht das große Problem. Darauf machte Peter Bodendörfer, für den Pflanzenschutz im Siegelgebiet Hersbruck zuständig, aufmerksam. Eher ist die wechselhafte Witterung negativ. In der Jugend des Hopfens gab es Nächte mit nur zwei Grad. Das ist zu kalt für das grüne Gold. Die Trockenheit macht sich beim Hopfen besonders erst ein Jahr später bemerkbar, erläuterten Pingold und Friedrich. Neuere Sorten sind so gezüchtet, dass sie die Trockenheit besser vertragen. Die beiden Hopfenfelder, die sich gegenüberstehen, zeigen, wo Vorsicht geboten ist. "Man kann nicht einfach von konventionell auf bio umsteigen, sondern muss auch die Nachbarschaftsverhältnisse beachten", erklärt Pingold. Denn bei der Pflege und dem Schutz der Pflanzen müsse sorgfältig agiert werden, damit das erlaubte Mittel nicht durch den Wind vom einen Feld auf das andere geweht werde.

Lob aus der Hallertau

"Ich bin erstaunt, dass der Hopfen so gut dasteht", lobt Hans Portner aus der Hallertau. "Wir können auch etwas", kontert Pingold stellvertretend für die Hopfenbauern aus dem Landkreis Forchheim, die sich mit ihren Dolden nicht verstecken müssen. "Auf die Qualität kommt es an", meint Friedrich. Die Hopfenbauern hoffen, dass sich die Alphastoffe gut entwickelt haben, damit sie fruchtbarer als vergangenes Jahr sind für ein gutes Bier. Die Nachfrage an Hopfen wird trotzdem größer bleiben als das Angebot.

Info

Auf 73 Hektar wird Hopfen im Landkreis Forchheim angebaut. Im gesamten Siegelbezirk Hersbruck werden 209,83 Hektar Hopfen angebaut.

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