Forchheim
Glaube

Das Forchheimer Kloster ist für alle da

Vor einem Jahr haben die Redemptoristen-Patres ihren Forchheimer Standort aufgegeben. Ihre Kirchengemeinde organisiert sich seitdem selbst - mit steigenden Mitgliederzahlen.
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Auch Franz-Josef Saam füllt die Gemeinde mit Leben. Foto: Michaela Hutterer
Auch Franz-Josef Saam füllt die Gemeinde mit Leben. Foto: Michaela Hutterer
"Ein Handbuch für verlassene Gemeinden haben wir nicht", scherzt Michael Engelmann. Seit einem Jahr nun organisiert der Vorsitzende des Klostervereins mit seinem Team die Forchheimer Gemeinde St. Anton. Vor einem Jahr haben die verbliebenen fünf Patres den Standort in Forchheim aufgegeben.

Seitdem erledigt der Vorstand und sein Team jene Aufgaben, die sonst ein Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand übernehmen: Sie organisieren das Programm, sie verteilen die Aufgaben, halten Kontakt zu den Redemptoristen, kümmern sich um Spenden und Finanzen, stimmen sich mit Pfarrer Holzschuh ab, der die Gottesdienste übernommen hat, und packen mit an.

Spenden statt Steuern

Das Ergebnis findet sich in einem gelben Ordner in der Sakristei. Darin steht fast alles, was es für die Organisation einer Kirchengemeinde braucht.


Aufgaben und Tatkräftige: Wer sperrt die Kirche auf, wer kümmert sich um die Blumen, wer bestückt den Schriftentisch, wer pflegt die Website oder wer macht Kommunionhelfer? "Wir sind auf uns selbst gestellt", weiß Engelmann. Gelder fließen nicht aus dem kirchlichen Steuersäckel, sondern aus Spenden und einer eigenen Stiftung, die die Immobilienfirma Sontowski als Käufer des übrigen Klosterareals initiiert hatte.

Kirche selbst gemacht als Verein: Kann das klappen? "Wir wollten, dass das kirchliche Leben in all seiner Vielfalt in St. Anton erhalten bleibt", beschreibt Vorstandskollegin Rita Krauß die Grundstimmung, nachdem die Patres 2013 ihren Rückzug aufgrund Nachwuchsmangels verkündet hatten.

Eine große Verbundenheit

Aus engagierten Ehrenamtlichen gründete sich der Verein und übernahm genau vor einem Jahr die Verantwortung.

Ein Jahr später blickt der Vorstand auf über 200 Mitglieder. Nahezu 50 von ihnen sind neu. "Die Menschen fühlen sich dem Kloster verbunden und wollen sich engagieren", erklärt Krauß. Ob Schließdienst oder Kassenprüfer, Lektor oder Musiker, Mesner oder Gottesdienstgestalter - alle Posten waren schnell besetzt. "Alle machen mit, wir spüren eine große Verbundenheit", freut sich Krauß.

Woran liegt es, dass der Verein Zulauf hat? Was unterscheidet diese Gemeinde von anderen? Anheimelnd sei der Ort, wie ein zweites Zuhause, berichten alte wie junge Vereinsmitglieder und beschreiben einen Ort großen Zusammenhalts - offen für alle und auch für Neues.

Mit ihren Besinnungsangeboten wie die "Oase der Stille", "Exerzitien im Alltag" und themenbezogene Gottesdienste sprechen die Macher längst nicht mehr nur klassische Kirchgänger an, sondern Menschen über die Konfessionen hinweg. Hochkarätige Kirchenmusik für Chor und Orchester in St. Anton begeistert Klassikliebhaber, moderne Klänge bietet die Kirchenband "Klosterbären". Im Bistum gibt es keine zweite Gemeinde, die sich als Verein organisiert. "Wir sind Kirche", sagt Engelmann - im wahrsten Sinne des Wortes.
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