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Eggolsheim
Konflikt

Das Baugebiet in Eggolsheim bleibt umstritten

1000 Bürger auf der einen Seite, der Bürgermeister und die Gemeindevertreter auf der anderen: In der Diskussion um das umstrittene Baugebiet in Eggolsheim tauschten Gegner und Befürworter am Runden Tisch ihre Argumente aus.
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Das geplante Baugebiet "Schirnaidler Straße" in Eggolsheim  Foto: Josef Hofbauer
Das geplante Baugebiet "Schirnaidler Straße" in Eggolsheim Foto: Josef Hofbauer
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Martin Albert, Michael Voll, Martin Endt, Astrid Amon-Bollenbeck und Beate Oppelt als Vertreter des Bürgerbegehrens, Bürgermeister Claus Schwarzmann und die Marktgemeinderäte der Marktgemeinde Eggolsheim setzten sich zusammen und wollten am Runden Tisch Argumente austauschen und damit die Sicht der Gegenseite wahrnehmen.

Während Bürgermeister und Gemeindevertreter auf einen Kompromiss hofften, stellte sich heraus, dass die Mitglieder des Bürgerbegehrens zwar die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Baugebiet in der Schirnaidler Straße anhörten, jedoch nicht zu einem Zugeständnis bereit waren.

Die Gemeinde hatte auf das Ansinnen des Bürgerbegehrens reagiert und die geplante Bebauung so abgeändert, dass ein Grünstreifen mit Bäumen erhalten bleiben könnte. Die Mitglieder des Bürgerbegehrens wollten dagegen die von ihnen so bezeichnete Streuobstwiese neben dem Friedhof in Gänze erhalten und keine Mehrfamilienhäuser auf dem Grundstück dulden.

Aus Sicht der Marktgemeinde waren die ökologischen Aspekte mit der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung im Bebauungsplanverfahren berücksichtigt. Wird nur ein Teil des Baugebietes mit Einfamilienhäusern bebaut, entsteht für die Streuobstwiese eine sehr ungünstige Insellage.

Den Interessen des Bürgerbegehrens folgend, wurden die Mehrfamilienhäuser so umgeplant, dass ein großer Teil des alten Baumbestandes erhalten bleiben kann und nur wenige Fällungen notwendig sind. Trotzdem ist die Gemeinde bereit, am Schwedengraben eine ökologisch wertvolle Ausgleichsfläche zu schaffen.

Die Mitglieder des Bürgerbegehrens verwiesen auf die 80 Jahre alten Obstbäume, ihnen sei die artenschutzrechtliche Prüfung nicht ausreichend. Sie wollten die Streuobstwiese in ihrer Gesamtheit erhalten und forderten zusätzlich, private Gärten aufgrund ihres Wertes für Natur, Landschaft und Ortsbild zu erhalten.

Marktgemeinderat Stefan Pfister (Bürgerbund) wies darauf hin, dass ein solcher Sachverhalt ein komplexes System sei: "Wie ist es mit der sozialen und ökonomischen Verantwortung", wollte er wissen. Er fand, dass in diesem Fall von Streuobstwiese keine Rede mehr sein könne: "Achtzig Jahre alte Obstbäume sind am Ende ihres Lebens angelangt!" "Bleibt die Forderung nach der Streuobstwiese erhalten, können wir das Verfahren abkürzen", Bürgermeister Claus Schwarzmann: "Hier spielt ein Kompromiss keine Rolle!"

Zwar sind im Gemeindegebiet rund 300 noch unbebaute Grundstücke vorhanden, diese befinden sich jedoch in Privatbesitz und sind damit nicht verfügbar. Die Mehrfamilienhäuser sollen durch die Josefsstiftung bebaut werden, so dass in kurzer Zeit 24 Wohneinheiten ausschließlich für die einheimische Bevölkerung zur Verfügung stehen würden.

Angepasste Bebauung

Das Bürgerbegehren hat erreicht, dass durch eine andere Anordnung der Mehrfamilienhäuser der Baumbestand zum großen Teil erhalten bleiben kann. Die Bebauung der Gärten ist allein deswegen notwendig, weil bereits Vereinbarungen zum Baulandmodell getroffen wurden und der Kaufvertrag längst abgeschlossen ist. Die Bebauung wird an das gegenüber befindliche Seniorenzentrum angepasst: "Wir sind froh, dass wir mit der Josefsstiftung den gleichen Bauträger gewinnen konnten", so Schwarzmann.

Das Bürgerbegehren sah dagegen genügend vorhandene Bauplätze, sie fordern, dass bis 2024 keine neuen Gebiete ausgewiesen und stattdessen aktives Leerstandsmanagement betrieben werden solle. Auch sei der Abstand von 15 Metern zum Friedhof zu gering, sie sahen die Pietät verletzt. Hier widersprach Erich Weis (Oberer Eggerbachbund) ganz energisch, schließlich wohne er direkt neben dem Friedhof und dieser habe ihn bisher nicht beeinträchtigt.

Setzt sich das Bürgerbegehren durch, steigen die Kosten für die Erschließung von 117 Euro auf dann 170 Euro, rechnete Bürgermeister Claus Schwarzmann vor. Der Baulandpreis läge in diesem Fall bei 300 Euro pro Quadratmeter. Martin Albert vom Bürgerbegehren identifizierte Straßenbau, Kanalbau und Wasserversorgung als Preistreiber: "Wird weniger gebaut, dann kostet es auch weniger". Nach seiner Rechnung koste eine Erschließung höchstens 135 Euro pro Quadratmeter.

Moderator Stefan Loch wies darauf hin, dass bei den Aufstellungen der Kosten die Gemeinde eher defensiv gerechnet habe und vermutet aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit Tiefbaumaßnahmen: "diese werden in den nächsten ein bis zwei Jahren eher teurer".

Zwei Millionen Euro Schaden

Den Schaden für die Gemeinde bezifferte Bürgermeister Schwarzmann mit anderthalb bis zwei Millionen Euro. Stefan Pfister wurde deutlicher: "Wir sehen uns als Gemeinderäte dem Wohl der Kommune verpflichtet. Werfen wir jetzt das Geld zum Fenster raus, fehlt es beispielsweise bei der Sanierung des Sportheims!"

Als sich Astrid Amon-Bollenbeck gegen diesen Vergleich wehrt, verwies Pfister auf die öffentliche Verabschiedung des Haushaltsplanes durch die Marktgemeinderäte, in der die geplanten Investitionen und die notwendigen Mittel bereitgestellt werden. Gerade der Geschosswohnungsbau sei wichtig: "Den können wir woanders nicht realisieren", fuhr Pfister fort, schließlich sei es auch Aufgabe des Gemeinderates, den Bedarf an günstigem Wohnraum zu decken. Wird günstiger Wohnraum durch das Bürgerbegehren verhindert: "schaden wir der Gemeinde massiv", sagt Pfister. Kommt das Bürgerbegehren, ist ein neues Verfahren notwendig und die Grundstücke auf dem einen Teil werden frühestens 2022/23 bebaubar, schätzte Stefan Loch. Martin Albert sah die Dauer einer Umplanung bei maximal einem Jahr, seiner Meinung nach könnten die Grundstücke ab Sommer/ Herbst 2021 bebaut werden.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens wollten sich nach dem Runden Tisch beraten und Anfang dieser Woche ihre Entscheidung kundtun.

Bürgerbund und Freie Wähler zeigen sich enttäuscht nach Rundem Tisch

Der Bürgerbund (BB) zeigt sich in einer Pressemitteilung enttäuscht vom runden Tisch. Mit der Erwartung, dass die Betreiber des Bürgerbegehrens Stellung zum Kompromissvorschlag der Gemeinde beziehen würden, seien der Vorstand und die Marktgemeinderäte des BB erschienen.

Keine Rückmeldung bekommen

"Wir sind überzeugt, dass der jetzige Vorschlag allen Belangen mehr als gerecht wird. Es würde dringend benötigter Wohnraum geschaffen - für uns dabei entscheidend, dass nicht ausschließlich Einfamilienhäuser entstehen, sondern alle Wohnformen Platz finden. Ökologische Aspekte wurden mehr denn je berücksichtigt, ebenso die Gemeindefinanzen", heißt es im Schreiben des BB. Weiter: "Leider haben wir nicht erfahren, ob der Vorschlag für die Betreiber des Bürgerbegehrens akzeptabel ist oder aber mit weiteren Nachbesserungen ein Bürgerentscheid abgewendet werden kann. Für uns ist dieses Hinhalten nicht nachvollziehbar. Es ist an den Betreibern des Bürgerbegehrens, dazu nach mehr als zwei Wochen eine Position zu verkünden und damit klarzustellen, ob es zu einem Bürgerentscheid kommt oder nicht."

Das Baugebiet war zuvor auch Thema bei den Freien Wähler Markt Eggolsheim, die in das Feuerwehrhaus Rettern zum politischen Frühschoppen eingeladen hatten.

FW befürwortet die Bebauung

Ulrike Nistelweck sagte, dass ein besonderes Augenmerk auf eine Anpassung der Vergaberichtlinien für Wohnbaugebiete gelegt werden müsse. Dabei sollten vor allem die Interessen der einheimischen Bauwilligen geschützt werden. Diesen Punkt nahm Marcus Rziha auf und stellte den Standpunkt der Freien Wähler zum Bürgerbegehren dar: "Wir als Freie Wähler sprechen uns für das Baugebiet und gegen den Vorschlag des Bürgerbegehrens aus." Aus Sicht der Freien Wähler weise die Gemeinde die Umweltverträglichkeit der Neuerschließung mit einem Konzept zum Erhalt eines Großteils der Baumbestände und einer Ausweisung von Ersatzflächen nach. Zusätzlich ergebe sich durch die Investition der Josef-Stiftung ein Mehrwert im sozialen Wohnungsbau für Eggolsheim.

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