Forchheim
Hauptversammlung

Comödie Fürth als Vorbild für Forchheimer Theater?

Das Junge Theater Forchheim erhält künftig einen wesentlich höheren Jahreszuschuss der Stadt. Damit ist in Zukunft "vernünftige" Kulturarbeit möglich.
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Das Kolpinghaus in Forchheim - wohl die künftige Kulturhalle Foto: Josef Hofbauer
Das Kolpinghaus in Forchheim - wohl die künftige Kulturhalle Foto: Josef Hofbauer
Nach turbulenten, teilweise auch von Existenzängsten geprägten Vereinsjahren ist nun - jedenfalls was die finanzielle Situation betrifft - wieder Ruhe im Jungen Theater Forchheim (JTF) eingekehrt. Möglich gemacht hat dies auch die Unterstützung der Stadt Forchheim, die nun den Forchheimer Kulturverein mit 35.000 Euro jährlich bedenken will - eine Finanzspritze, die das Theater dringend benötigt.

Was hat man in den letzten zwei Jahrzehnten Vereinsarbeit nicht alles unternommen, die Stadt Forchheim dafür zu sensibilisieren, dass ein Theater zwar Geld kostet, aber einer Kommune dafür einen wichtigen Standortfaktor beschert. Hubert Forscht, einer der beiden Vereinsvorsitzenden, zeigte in der Jahreshauptversammlung den langen und steinigen Weg auf, der nun zum Erfolg führte.


Jährlicher Zuschuss

Die Stadt Forchheim stellt dem JTF in den kommenden Jahren einen jährlichen Zuschuss von 35.000 Euro zur Verfügung. Der bisherige Jahreszuschuss von 7000 Euro war zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

"Alle waren interessiert, aber nichts ist so wirklich passiert", formulierte Forscht die festgefahrene Situation über viele Jahre hinweg. Erst als man 2012 mit einer Postkartenaktion auf die missliche Lage des Theaters aufmerksam gemacht habe, sei Bewegung in das Spiel gekommen. Die Stadt Forchheim unterstützte dabei eine "Sponsoring-Lösung", bei der rund 20.000 Euro an Sponsorengeldern pro Jahr geflossen sind, blickte Forscht zurück.

Nach Meinung des zweiten Vereinsvorsitzendem Uli Raab habe die diesjährige vom JTF veranstaltete "Kultur-Puls" den Ausschlag dafür gegeben, dass man den Forchheimer Stadtrat davon überzeugen konnte, dem Theater weitere finanzielle Mittel zuzugestehen. Die seien dringend benötigt, um auch in Zukunft vernünftige Kulturarbeit zu betreiben, sagte Raab, der gemeinsam mit Hubert Forscht den Vorstandsbericht abgab.

Es sei genau diese Leistungsschau gewesen, bei der der Stadtrat offenbar gemerkt habe, "an diesem Theater kommen wir nicht mehr vorbei", führte Raab aus. 17 Veranstaltungen im Rahmen des "Kultur-Pulses" seien ein Kraftakt für alle ehrenamtlichen Helfer gewesen, aber hätten wohl das angestrebte Ziel nicht verfehlt.


Lob für den OB

Raab lobte die "stets konstruktiven Gespräche" mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Erfreulich sei, dass in den Haushaltsmitteln nun der Betrag von 35.000 Euro eingestellt sei. Ein Vertrag soll in einer der nächsten Sitzungen des Stadtrates beschlossen werden. Eine Verwendung für das Geld ist auch schon gefunden: Das JTF will den Mehrzuschuss in Personal investieren, damit neben Lorenz Deutsch, dem künstlerischen Leiter, und Bürokraft Steffen Lechner nun eine weitere Teilzeitstelle in Form einer Projekt-Assistenz geschaffen werden kann. Zudem könne man die Stundenzahl von Deutsch und Lechner aufstocken.


Kolpinghaus als Kulturstätte

Lorenz Deutsch zeigte sich erfreut darüber, dass jetzt wohl auch in die festgefahrene Debatte über eine Kulturhalle Bewegung gekommen sei und man nun das Kolpinghaus wohl zu einer Kulturstätte umbauen wolle, vergleichbar mit der Kleinen Comödie in Fürth. Dies sei umso wichtiger, weil die Jahn-Kulturhalle wohl nach den letzten Veranstaltungen im Januar nächsten Jahres abgerissen werde, weil auf dem Gelände Wohnbebauung entsteht.

Eine Illusion nahm Deutsch den Vereinsmitgliedern. "Eine neue Halle auf der Grünen Wiese wird es nicht geben", ist er sich sicher.


Förderverein wird gegründet

Schatzmeister Albert Fießer, der die Arbeit von sich und Johannes Mehlich präsentierte, berichtete von einem "ausgeglichenen Jahresergebnis". Hinderlich sei, dass man durch die gestiegenen Einnahmen aus dem Wirtschaftsbetrieb nun auch gewerbe- und körperschaftssteuerpflichtig sei, was dem Verein Liquidität entziehe. Doch hier wurde Abhilfe geschaffen: Der Wirtschaftsbetrieb wird zukünftig von einem neu gegründeten Förderverein übernommen, der etwaige Überschüsse zweckgebunden an den Theaterverein abführt.

Lorenz Deutsch blickte auf die weiteren Veranstaltungshöhepunkt in diesem Jahr, wozu das "Zirk-Art-Festival" und die Afrika-Kulturtage gehören.

Die Mitgliederzahl konnte auf 515 gesteigert werden. Durch die zusätzlichen Finanzmittel bleibt nun auch Geld übrig, um in neue Büromöbel zu investieren und auch den Proberaum zu verschönern.


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