Neunkirchen am Brand
Wahlkampf

Christian Ude schlendert durch den Landkreis Forchheim

Trotz Verspätung auf der Tour durch den Landkreis Forchheim, lässt sich Christian Ude nicht einen Augenblick aus der Ruhe bringen. Im Kuhstall entpuppt sich der Ministerpräsident in spe zudem als Entertainer.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Du bist also der erstaunlich junge Mensch an der Spitze des Ortsvereins": Christian Ude begrüßt Joshua Bürzle. Links im Bild: Udes Frau Edith Welser-Ude. Foto: Barbara Herbst
"Du bist also der erstaunlich junge Mensch an der Spitze des Ortsvereins": Christian Ude begrüßt Joshua Bürzle. Links im Bild: Udes Frau Edith Welser-Ude. Foto: Barbara Herbst
+41 Bilder
Christian Ude schlendert über den Parkplatz neben dem Brandbach. Seine Frau Edith Welser-Ude hat sich bei ihm untergehakt, und das Paar, das gerade aus dem Bus gestiegen ist, wirkt für einen Augenblick wie bei einem Sonntagsspaziergang. Am Rande des Parkplatzes warten seit über einer halben Stunde der Neunkirchner Bürgermeister Heinz Richter (FWG), ein Tross SPD-Politiker aus dem ganzen Landkreis und einige Vertreter der Kirchen und des evangelischen Kindergartens.

Als erstes ergreift Christian Ude die Hand von Joshua Bürzle, des Neunkirchner Ortsvereinsvorsitzenden der SPD. Ude begrüßt den 18-Jährigen wie jemanden, von dem er schon viel gehört und den er nun endlich getroffen hat: "Du bist also der erstaunlich junge Mensch an der Spitze des Ortsvereins."

Obwohl Ude an diesem Nachmittag nur zwei Stunden Zeit hat für die Besuche in Neunkirchen und in Langensendelbach; und obwohl sein Wahlkampf-Bus gerade im Stau stand und der Zeitplan durcheinander ist, wirkt der SPD-Ministerpräsidenten-Kandidat keinen Moment lang so, als wäre er in Eile.

Ude habe ja "recht wenig Zeit mitgebracht", sagt der Neunkirchner Bürgermeister. "Aber viel Interesse", kontert sein Kollege aus München. Reiner Büttner, der Forchheimer SPD-Direktkandidat für den Landtag, erläutert den Grund der Einladung Udes nach Neunkirchen: Das Hochwasser habe schweren Schaden im Kindergarten angerichtet. Es gehe darum, zu zeigen, "wie sehr die Kommune daran zu knabbern hat."

Frau Ude flüstert

Bilder vom 31. Mai werden herumgereicht - der Kindergarten unter Wasser. "Was so ein kleines Wässerchen anrichten kann", staunt Ude mit Blick auf den Brandbach. Er erkundigt sich nach dem laufenden Betrieb des Kindergartens, nach den Belegungszahlen und nach den Förderzusagen. Udes Fragen sind knapp, die Antworten der Gastgeber sind es nicht immer. Auch als der Pfarrer über die schwierige Ausbildungssituation des Personals zu reden beginnt, zeigt Ude kein Zeichen von Ungeduld.

Hinter ihm steht Edith Welser-Ude. Die hat sich mittlerweile bei Gerlinde Kraus untergehakt. Die SPD-Bezirkstags-Kandidatin hatte bemerkt, dass sich Frau Ude beim Gehen schwer tut und hatte Hilfe angeboten. Frau Ude hatte das Angebot dankend angenommen: Sie habe drei Wirbelsäulen-Operationen hinter sich, erzählt sie. "Bei mir sind sie in guten Händen", sagt Gerlinde Kraus, "ich bin Krankenschwester."

Während Herr Ude noch immer zuhört und nickt, wird seine Frau ungeduldig und flüstert ihrer Begleiterin energisch zu: "Ich dachte, wir gehen in den Kindergarten."

Als sich der Gast aus München die Sanierungsarbeiten dann angesehen und den Kindergarten wieder verlassen hat, spricht er in aller Ruhe darüber, was er in Neunkirchen alles "gelernt" habe. Und nachdem er eine Widmung in das SPD-Gästebuch geschrieben hat, bleibt Ude immer noch vor dem Kindergarten stehen.

Er begrüßt Florian Schwob, das neueste und jüngste Mitglied des SPD-Ortsvereins und schreibt auch ihm eine Widmung ins druckfrische Parteibuch. Und dann erzählt Ude noch eine Anekdote über sein eigenes Parteibuch aus dem Jahr 1966: Da hatte ihm die Sekretärin mit Bleistift "Schüler" reingeschrieben. Und der Schüler Christian hatte gefragt: "Warum mit Bleistift?" Antwort: "Weil wir die Hoffnung haben, dass du irgendwann das Abitur hast." Viel später habe er dann selbst mit Füller "Bürgermeister" ins Parteibuch geschrieben.

Nach 40 Minuten verabschiedet sich Ude in Richtung Langensendelbach. Um sich auch hier als Wahlkämpfer im gelassenen Spaziergänger-Tempo, als Zuhörer und als gelegentlicher Entertainer zu präsentieren. Der Wahlkampf-Bus hält mitten auf dem Hof von Hans und Christian Güthlein. Vater und Sohn erzählen dem Münchner Rathauschef die Geschichte des Hofes. Wieder ist es Edith Welser-Ude, die zur Eile mahnt: "Jetzt wollen wir was sehen."

Von vier TV-Kameras und einem Dutzend Fotografen umringt, studiert Ude den vollautomatisierten Stall. Plötzlich greift er in die Tasche, richtet eine Kamera auf die vielen Kameraleute und ruft: "Jetzt kommt der Gegenschuss in der Melkanlage."

Ude wirbt mit Aiwanger

Überraschend ist der Auftritt Udes in Langensendelbach auch deshalb, weil er sich nach dem Besuch im Stall mit Vertretern des Bauernverbandes (BBV) an einen Tisch setzt. Sicher wird er gewusst haben, dass er sich somit einer stattlichen Zahl von CSU-Wahlkämpfern gegenüber sieht. Unter ihnen Hermann Greif, BBV-Bezirkspräsident und Landtagskandidat für die CSU im Kreis Forchheim. Der erläutert die kritische Situation der Landwirte in Oberfranken und versucht dem SPD-Ministerpräsidenten-Kandidaten Zugeständnisse bei der künftigen Steuerpolitik zu entlocken. Es entfacht sich eine Diskussion, die sich von der Freibetrags-Regelung über die Ernährungswissenschaft bis hin zur Ferkel-Kastration spannt.
Der Münchner SPD-Rathaus-Chef erweist sich auch in der Landwirtschaftspolitik als lockerer und gewitzter Wahlkämpfer. Am Ende mit dem Hinweis an den Bauernverband und in Richtung CSU: Sollte er, Ude, Ministerpräsident werden, dann nur mit den Freien Wählern an seiner Seite. Und dann werde es dank Hubert Aiwanger eine Landwirtschaftspolitik geben, sagt Christian Ude zu Hermann Greif, "die Ihrer zum Verwechseln ähnlich ist".

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren