Pretzfeld
Kommunalwahl

Christian Mayer contra Rose Stark in Pretzfeld

Die Pretzfelder Bürgermeisterin bekommt Konkurrenz aus der eigenen Verwaltung. Von Feindseligkeiten zwischen Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen) und Christian Mayer (Wählergruppe "WIR - Gemeinsam für Pretzfeld und seine Ortsteile") ist die Rede - und von Mobbing.
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Christian Mayer und Rose Stark Fotos: privat/Grafik: infranken.de
Christian Mayer und Rose Stark Fotos: privat/Grafik: infranken.de
13 Jahre lang hat Christian Mayer aus nächster Nähe beobachtet, wie das Bürgermeisteramt funktioniert. Jetzt will der 40-jährige Mitarbeiter des Bau- und Ordnungsamtes selbst Bürgermeister werden. Seitdem Mayer damit wirbt, "frischen Wind in das Pretzfelder Rathaus" bringen zu wollen und seitdem er im Dezember die Wählergruppe "WIR - Gemeinsam für Pretzfeld und seine Ortsteile" mitgegründet hat, kursieren wilde Gerüchte in der Gemeinde. Von Feindseligkeiten zwischen Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen) und Christian Mayer ist die Rede - und von Mobbing.

Ein WIR-Mitglied erhob vergangene Woche sogar den Vorwurf der "Wahlmanipulation" und rannte zur Polizei. Angeblich habe eine Mitarbeiterin im Rathaus den Eintrag in Mayers Unterstützerliste verhindert.
Die Kripo ermittelte und stellte das Verfahren nach wenigen Tagen ein.

Bürgermeisterin Rose Stark will den Gerüchten und der Anzeige "kein Forum bieten". Sie betont, dass sie die Bürgermeister-Kandidatur ihres Mitarbeiters "gelassen" sehe. "Es steht jedem zu, dass er sich um ein Amt bewirbt." Das Verhältnis zu ihren sämtlichen Mitarbeitern beschreibt sie so: "Ich habe keine persönlichen Freunde im Rathaus, aber wir schätzen uns sehr." Überrascht sei sie lediglich gewesen, dass Christian Mayer sie über seine Bewerbung "nicht direkt informiert" habe. "Ende November erfuhr ich es von anderer Seite. Das habe ich ihm dann gesagt und auch, dass ich das etwas unglücklich fände. Ich hätte es nicht so gemacht."
Deswegen herrsche nun aber keinesfalls "Kampfstimmung" im Rathaus, sagt die Bürgermeisterin. "Es ist ein Grundsatz unserer Liste: Ich greife keine Mitbewerber an."


Differenzen


Angegriffen fühlt sich Christian Mayer auch nicht. Doch sei ihm nicht entgangen, wie "überrascht" Rose Stark auf seine Kandidatur "reagiert hat". Differenzen zwischen ihr und ihm seien durchaus spürbar. Wenn es etwa um den Hochwasserschutz geht oder um baurechtliche Fragen; da sei die Bürgermeisterin "Argumenten nicht immer zugänglich". Sie sei eine Chefin, "die es nicht mag, wenn man ihr widerspricht", sagt Christian Mayer.
Sein Wille zur Kandidatur sei peu à peu gereift. Entscheidend sei gewesen, dass "viele Pretzfelder auf mich zugekommen sind und mich auf eine mögliche Kandidatur angesprochen haben."

Christian Mayer ist seit 1996 CSU-Mitglied und lebt in Eggolsheim, wo sein Großvater Georg Mayer von 1945 bis 1970 Bürgermeister war. Dass ein Eggolsheimer in Pretzfeld Bürgermeister werden will, findet Mayer in seinem Fall "wenig überraschend". In der Verwaltung kenne er sich berufsbedingt gut aus. Zudem sei er bei der Wehr, habe einen Freundeskreis im Ort habe und eines seiner beiden Kinder gehe in Pretzfeld zur Schule.
Er bewerbe sich um das Bürgermeister-Amt, "weil in Pretzfeld sonst in den nächsten sechs Jahren nichts passiert". Bewusst stelle er sich nicht als CSU-Politiker zur Wahl. "Ich möchte Leute gewinnen, die sich unabhängig von einer Partei auf neue Ideen freuen."


"Das wurde verschlafen"


Der Breitband-Ausbau soll ein großes Wahlkampf-Thema werden. "Das wurde Pretzfeld total verschlafen", meint der WIR-Kandidat. Er sei "unzufrieden", auch mit der Familienpolitik oder dem fehlenden Brandschutzkonzept. "Man kann mehr daraus machen", sagt Mayer.

Dass er sich vorrangig den Breitband-Ausbau auf die Wahl-Fahnen schreibt, das wundert Rose Stark, die seit sechs Jahren im Amt ist. "Wir sind eine der am besten versorgten Flächen-Kommunen im Landkreis und haben eine Abdeckung von 85 Prozent." Und gemeinsam mit Leutenbach sei man sogar Modell-Kommune bei der Satelliten-Anbindung. "Daher lasse ich die Kritik gerade bei diesem Thema nicht gelten", kontert Stark.
Wer ihre Politik in Frage stellt, dem sagt die Bürgermeisterin: "Wir haben acht Gruppierungen im Gemeinderat und die große Mehrheit hat gut zusammengearbeitet." Die neue WIR-Gruppierung seien Leute, "die bisher nicht so politisch aktiv waren".
Einen WIR-Erfolg reklamiert Christian Mayer aber schon jetzt für sich: Obwohl 60 Unterstützer ausreichend gewesen wären, hatten sich bis zum Wochenanfang 120 Bürger per Unterschrift "geoutet". Als "Spiegelbild der Unzufriedenheit" wertet Mayer das. "Diese sehr gute Resonanz bestärkt mich."

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