Weilersbach
Wohltätigkeit

Caritas bittet um Spenden unter dem Motto "Armut und Hilfe haben viele Gesichter"

Der Caritasverband für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim ist für seine sozialen Dienste auf Spenden angewiesen. Die Sammlung läuft.
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Gesichter der sozialen Dienste (von links): Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann, Elisabeth Schroeter, Gabriele Renschl, Ali Koja Barivan, Sabine Winkler, Ulrike Hampel, Evelyn Eberhorn, Elisabeth Brug, Christa Dittrich, Elke Neeser und Caritas-Vorsitzender Alfons Galster Foto: PR
Gesichter der sozialen Dienste (von links): Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann, Elisabeth Schroeter, Gabriele Renschl, Ali Koja Barivan, Sabine Winkler, Ulrike Hampel, Evelyn Eberhorn, Elisabeth Brug, Christa Dittrich, Elke Neeser und Caritas-Vorsitzender Alfons Galster Foto: PR

Unter dem Motto "Armut und Hilfe haben viele Gesichter" bittet die Caritas im Erzbistum Bamberg in dieser Woche bis 24. März um Spenden. Diese Gesichter zeigen will der Caritasverband für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim. Dazu erstellte er zum einen ein Veranstaltungsprogramm, das vom bistumsweiten Auftakt der Caritas-Sammlung am vergangenen Sonntag in der Pfarrkirche St. Anna in Weilersbach bis zum darauffolgenden Sonntag reicht. Den Gottesdienst zelebrierte der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl zusammen mit Pfarrer Oliver Schütz und Geistlichem Rat Josef Kraus. Die Caritas ließ zuvor in Forchheim Ehrenamtliche zu Wort kommen, die sich für Menschen in deren verschiedenen Notsituationen engagieren. Materieller Not begegnet Ulrike Hampel im von Caritas und Diakonie gemeinsam getragenen Ökumenischen Sozialladen. 1400 Kunden, deren Bezugsberechtigung von der Sozialen Beratungsstelle durch eine Einkommensprüfung festgestellt wurde, kaufen hier zu Preisen ein, die bei 15 Prozent des üblichen Ladenpreises liegen. Ulrike Hampel fand als Ehrenamtliche zum Sozialladen, weil er dazu beiträgt, dass verzehrbare Lebensmittel nicht weggeworfen werden. Vorbildlich findet sie, dass die Kunden nicht Almosenempfänger sind: "Sie kaufen ein und haben dabei die freie Auswahl. Das bewahrt ihre Würde." Außerdem gefällt ihr, "dass bei uns die halbe Welt zu Hause ist": Forchheimer, Menschen aus Osteuropa, Geflüchtete. "Im Sozialladen", sagt sie, "habe ich die Scheu vor fremden Menschen verloren."

An ähnlicher Stelle bringt sich Gabriele Reischl ein. Sie arbeitet im Schulmaterialladen "Grünstift" mit. Eltern, deren Bedürftigkeit geprüft wurde, können hier für ihre Kinder Schulsachen erwerben zu einem Viertel des Ladenpreises. "Es sind qualitativ hochwertige Artikel, die wir verkaufen", betont Gabriele Reischl. Denn die Lehrer bestünden auf Markenware, und für die Kinder sei wichtig, dazuzugehören und nicht stigmatisiert zu sein. Der Schulmaterialladen besteht seit 2008, inzwischen befindet er sich im "Haus Barbara" der Caritas. Mit einer anderen Not hat Elisabeth Schroeter in der Fachstelle für pflegende Angehörige zu tun. Pflegende seien - gerade wenn sie ein Familienmitglied längere Zeit versorgen - "oft sehr angeschlagen", hätten psychische Probleme und fänden wenig Verständnis für ihre Situation. Elisabeth Schroeter wird von Ehrenamtlichen wie Elisabeth Brug unterstützt. Sie gehen in die Familien, besuchen und betreuen Pflegebedürftige, damit die Angehörigen auch mal etwas Zeit für sich haben. Die Ehrenamtlichen hören zu, sind "Klagemauer" für Nöte und Frust, bestärken.

Tagespflege

Eine andere Seite erleben Elke Neeser und Christa Dittrich in der Tagespflege in Neunkirchen am Brand. Die Tagesgäste - nicht wenige mit Demenzerkrankung - werden meist vom ambulanten Pflegedienst vermittelt. Die Ehrenamtlichen verstehen sich ganz locker als "Unterhaltungsprogramm": Mit den Pflegebedürftigen spielen, basteln, singen, kochen, das Gedächtnis trainieren, ihnen zuhören - "wozu Pflegekräfte meist keine Zeit haben". Die Angehörigen verstünden oft nicht, dass die früher aktiven und erfolgreichen Eltern bestimmte Dinge einfach nicht mehr können oder wissen. In der Tagespflege herrsche ein freundlicher Umgangston. "Die Tagesgäste kehren ausgeglichen und zufrieden nach Hause zurück", erzählt Dittrich. Und Neeser ergänzt: "Viele sagen abends: Das war ein schöner Tag."

Hospizdienst

Am Ende des Lebens begleitet der Hospizdienst Menschen - und zwar, wie Evelyn Eberhorn betont, nicht nur die Sterbenden selbst, auch deren Angehörige. Wichtig sei es, sensibel zu sein, die Bedürfnisse der Menschen zu erspüren: "Welches Buch, welches Lied, welches Gedicht oder Gebet ist einem Menschen wichtig." Auch diese Ehrenamtlichen - in Forchheim insgesamt 42 - sind "vor allem einfach da", hören zu, sitzen am Bett, lassen nicht allein.

Familien in der Krise

Für Familien in Krisen ist Sabine Winkler da. Wenn der Elternteil, der sich sonst hauptsächlich zu Hause um die Familie kümmert, ausfällt, springt die Familienpflegerin ein und hält die Kinderbetreuung und den Haushalt am Laufen. Seit 14 Jahren tut Winkler dies beruflich und erzählt: "Ich bin auch schon für Mütter in den Sozialladen gegangen, weil diese sich selbst nicht getraut haben."

Aus Syrien gekommen

Um einen anderen Personenkreis, der auch im Sozialladen einkauft, kümmert sich Ali Koja Barivan. Selbst vor sieben Jahren aus Syrien gekommen, engagiert sie sich heute als Dolmetscherin in der Asyl- und Migrationsberatung. Meist sechs bis acht Stunden in der Woche übersetzt sie für Geflüchtete, die in die Beratungsstelle kommen, begleitet sie auch mal auf Behörden, zum Arzt oder ins Krankenhaus.

All diese Dienste sind auf Spenden angewiesen, betonte Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes, und rechnet vor: Knapp 109.000 Euro wurden 2017 im Landkreis Forchheim bei den beiden Caritas-Sammlungen im Frühjahr und im Herbst gesammelt. Davon verblieben 40 Prozent in den Pfarreien, die die Sammlungen mit rund 400 Ehrenamtlichen durchführen, und 30 Prozent gingen an den Diözesan-Caritasverband. Die Caritas in Forchheim erhielt 32.600 Euro. Den größten Posten von 15.865 Euro gab die Caritas in Form von Bar-Beihilfen an bedürftige Menschen weiter.

Alfons Galster, Vorsitzender des Caritasverbandes, betont, dass diese Hilfen durch die Ehrenamtlichen ein Gesicht erhalten. "In diesen Gesichtern nehmen die Menschen auch Kirche wahr." Für einen Malwettbewerb für Kinder zum Thema "Armut und Hilfe haben viele Gesichter" haben die Sparkasse Ebermannstadt und die Pretzfelder Fruchsaftkelterei Preise gespendet. Gewonnen haben beim Malwettbewerb Alexander Lohnert, Eva Meisel, Lisa-Marie Hack (Mittelschule Kirchehrenbach),

Julia Walburg, Laura Walburg, Noah Postler, Ebbaa Al Abdullah, Marie Sitzmann (Grundschule Kirchehrenbach) sowie Leo Wiemann, Hassan Afendi, Lennart Eckstein (Kinderhort der Caritas Ebermannstadt).

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