Ebermannstadt
Protest

Bürger in Ebermannstadt ziehen eine harte Grenze

200 Menschen nutzten Halloween, um in Ebermannstadt mit guter Laune gegen die AfD vorzugehen.
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"Bunter Grusel vertreibt rechte (Un-)Geister" - unter diesem Motto versammelten sich rund 200 Menschen in Ebermannstadt. Fotos: Barbara Herbst
"Bunter Grusel vertreibt rechte (Un-)Geister" - unter diesem Motto versammelten sich rund 200 Menschen in Ebermannstadt. Fotos: Barbara Herbst
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Trotz der fröhlichen Halloweenmasken - das Motiv, das diesen Protestzug antrieb, war todernst. Die AfD bereite "den Nährboden für Attentate wie in Halle oder politische Morde wie den an Walter Lübcke", betonte Martin Leipert. Daher organisierte der stellvertretende Juso-Kreisvorsitzende, als er von der AfD-Veranstaltung in Ebermannstadt erfuhr, kurzentschlossen eine Mahnwache.

Rund 200 Bürgerinnen und Bürger aus Ebermannstadt und der Region griffen am Mittwochabend die Idee der Jusos auf und kombinierten die Kundgebung mit Halloween: "Mit dem bunten Grusel wollen wir zeigen, dass der andere Weg der Gesellschaft der attraktivere ist", sagte Leipert dem FT.

Gnadenlos

Um 18.30 führte er am Mittwoch den Protestzug vom Marktplatz Ebermannstadt vor das Gasthaus Resengörg. Jeder, der das Gebäude in der Hauptstraße 36 betrat, um den AfD-Redner Hansjörg Müller zu erleben, wurde gnadenlos ausgebuht. Phasenweise ertönten auch "Nazi-Schweine-raus"-Rufe und eine Gruppe skandierte: "Ganz Ebs - Nazi-AfD".

Der AfD-Kreisverband hatte den Bundestagsabgeordneten Müller (Traunstein) eingeladen. Während der in einem Nebenzimmer des Resengörg den 30 Besuchern seine obskuren Wirtschaftstheorien zu vermitteln suchte, feierte auf der Straße ein breites Protest-Bündnis: Die Grüne Jugend, die JuLis, die Jusos, die Junge Union, der Grüne Ortsverband Fränkische Schweiz, Aktivisten des Bund Naturschutz und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. "Menschen aus allen Schichten der Stadt Ebermannstadt" waren zur Kundgebung gekommen, wie ein Bürger aus Rüssenbach beobachtete. Trillerpfeifen, Buh- und Pfui-Rufe tönten durch die Hauptstraße. Einen Dialog mit AfD-Anhängern suche er nicht, sagte der Rüssenbacher Bürger, es gebe "keine gemeinsame Gesprächsgrundlage".

Wie geht man mit diesen politischen Gegnern um? Diese Frage werde in ihrer Partei ambivalent beantwortet, sagte die Grüne Elli Krause. "Die Jüngeren sind klarer, sie sagen: Da muss man eine harte Grenze ziehen, kein Zentimeter für rechts. Die Älteren sagen, man muss das Gespräch suchen, denn bei der AfD gibt es auch Protestwähler, die wieder auf die demokratische Seite gezogen werden sollen." Sie halte "beides für richtig" und sie werde aus dem Moment heraus entscheiden", sagte die 27-jährige Krause.

Vom Gastwirt enttäuscht

Am Mittwochabend setzten die lautstarken Protestreihen in der Hauptstraße eindeutig auf kein Zentimeter für rechts. Noch bevor sich die 200 Mahnenden in Richtung Resengörg bewegten, wurden giftige Stimmen laut. Zum Beispiel: "Enttäuschend, dass der Gastwirt der AfD Platz angeboten hat". "Den AfD-Leuten fehlt die Grundintelligenz, mit jemandem zu reden." "Ich muss nicht mit jedem reden."

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